Landkreis BambergDer Hilferuf der Braugasthöfe im Bamberger Land hat hohe Wellen geschlagen. Im Netz wurde unser Bericht über den Ausschluss Bamberger Braugaststätten bei den Corona-Hilfen häufig geteilt und kommentiert. "Kein Einzelfall", mahnt etwa unser Leser Harald S. und Markus K. schimpft: "Tja, aber die supertolle Bundesregierung zahlt doch Hilfen. Nein, weil bis der ganze Bürokratiescheiß durch is, sind alle pleite!"

Auch in der Politik wird der Hilferuf gehört. Mehrere Volksvertreter haben bereits ihren Einfluss auf Landes- und Bundesebene geltend gemacht, um die Coronahilfen für Gastrobetriebe auch auf die Braugaststätten auszuweiten.

Denn weil diese auch mit dem Bierverkauf Geld verdienen, drohen sie durch das Raster der Novemberhilfen des Bundes zu fallen. Das bringt viele der typisch fränkischen Brauereigasthöfe in Gefahr, von denen es in Stadt und Landkreis Bamberg rund 80 gibt.

Steilvorlage für die Politiker

Nachdem die Grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum als Erste eine Bamberger Initiative über Parteigrenzen hinweg vorgeschlagen hatte, um die "Fehlkonstruktion" bei den Corona-Hilfen auszubügeln, legt sie nun nach: Gemeinsam mit Brauereibesitzern aus der Region, zum Beispiel aus dem Hause Schlenkerla, mit dem Wirtschaftsclub Bamberg sowie weiteren Politikern appelliert Badum an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), sich der Sache schnellstmöglich anzunehmen.

Intensive Gespräche

Auch SPD-Bundestagsabgeordeneter Andreas Schwarz hat sich eingesetzt: "Ich bin in intensiven Gesprächen mit Finanzminister Olaf Scholz und dem zuständigen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium", berichtete das Mitglied im Haushaltsausschuss. "Eine schnelle und umfassende Hilfe für die Brauerei-Gaststätten ist jetzt dringend notwendig. Es muss sichergestellt werden, dass die vielen Brauerei-Gaststätten in Oberfranken die gleichen Hilfen erhalten wie alle Gaststätten und auch Bäckereien mit Café-Betrieb."

Auch die FDP Oberfranken fordert Nachbesserung. Die Partei um den Bezirksvorsitzenden und Bezirksrat Thomas Nagel hat an Altmaier geschrieben, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Der Forchheimer FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber nimmt auch die Bayerische Staatsregierung in die Pflicht: Zwar habe die Staatsregierung "groß verkündet, sie habe sich in den Verhandlungen mit dem Bund erfolgreich für eine Gleichstellung von Brauereigaststätten eingesetzt", doch sei noch nichts geschehen. "Laut Medienberichten soll Markus Söder nun angekündigt haben, dass er sich persönlich darum kümmert. Es ist allerdings bedauerlich das es hierzu wieder einmal erst überparteilichen Druck gebraucht hat."

Auch die CSU-Abgeordneten der Region setzen sich für eine Verbesserung der Corona-Finanzhilfen des Bundes ein. Zusammen wollen sie erreichen, dass Brauereien und Brauereigaststätten stärker von den Corona-Finanzhilfen profitieren können. Die Bundestagsabgeordneten Staatssekretär Thomas Silberhorn, Emmi Zeulner und Silke Launert sowie die Landtagsabgeordneten Staatsministerin Melanie Huml, Holger Dremel und Michael Hofmann machen Druck, wenden sich in einer gemeinsamen Presseerklärung an die Öffentlichkeit.

"Wir haben Gespräche auf allen Ebenen geführt und uns auch an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gewandt, denn viele Familienbetriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und brauchen dringend mehr finanzielle Unterstützung", berichtet Melanie Huml.

Hoffen auf Änderungen

"Die Corona-Pandemie hat gerade auch für viele Brauereien aus unserer Region inzwischen existenzbedrohende Ausmaße angenommen, insbesondere weil sie schon vom Lockdown im Frühjahr stark betroffen waren und viele traditionelle Veranstaltungen wie Kirchweihen nicht stattfinden konnten", ergänzt Holger Dremel. Die regionalen Bundestagsabgeordneten sichern Unterstützung zu. "Wir wollen erreichen, dass gerade auch die Brauereien bei den Finanzhilfen des Bundes besser berücksichtigt werden", erklärt Staatssekretär Thomas Silberhorn. "Hierfür machen wir uns stark und deswegen habe ich auch in der CDU/CSU-Bundestagsfraktionssitzung am Dienstag noch mal eindringlich um eine entsprechende Anpassung geworben. Denn es geht um Gerechtigkeit", betont Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner.

"Jetzt liegt alles an Berlin", mahnt Joachim Kastner, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Bamberg (Dehoga). Er begrüßt die Initiativen der heimischen Politik. Das mache Hoffnung, dass es Änderungen bei der Zuteilung der Gastrohilfen geben wird.