Noch Tage nach ihrer Rückkehr aus dem Libanon ist den vier Männern die Erschütterung über das, was sie dort erlebt haben, anzumerken. Den Stegauracher Pfarrer Walter Ries, Andreas und Tobias Höllein sowie Konrad Gottschall aus Gundelsheim lässt die trostlose Situation der ungefähr 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge in dem kleinen Land des Nahen Ostens nicht mehr los. Sie wollen helfen, vor allem der "verlorenen Generation junger Leute", die Gefahr laufe, "selber Terroristen zu werden".

Die Gruppe um Pfarrer Ries vertraut bei ihren Plänen wieder auf die Spendenbereitschaft in der Region. Denn bereits im vergangenen Jahr konnten nach einer Reise in den Libanon und einem entsprechenden Hilferuf über 30 000 Euro Spendengelder verbucht werden.

"Wir wollten uns jetzt vor Ort über deren Verwendung informieren", erklärt Pfarrer Ries.
Und tatsächlich haben sein libanesischer Freund Pater Abdo Raad und dessen Verein "Annas Linnas" (Menschen für Menschen) mit der Summe viel Leid lindern können. Etwa 500 syrische Familien wurden mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung, Decken, Matratzen und Medikamente versorgt. Denn Unterstützung seitens des libanesischen Staates, der selbst mit hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen kämpft, gibt es für die Flüchtlinge nicht: "Der Libanon duldet die Flüchtlinge nur, will sie nicht integrieren. Das ist ein Pulverfass!", sagt Pfarrer Ries. Und die internationalen Organisationen wie das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) oder kirchliche Institutionen aus Europa stoßen wegen der geballten Not in provisorischen Zeltstädten an ihre Grenzen.

Der melkitisch-griechisch-katholische Ordensmann Abdo Raad ist mit Pfarrer Ries und dessen Gefährten in die Bekaa-Ebene gefahren, in der etwa 500 000 syrische Flüchtlinge hausen. "Sie wollen wieder in ihre Heimat zurück, denken gar nicht an Europa", wissen die vier Männer nach ausgiebigen Kontakten.


Explosives Gemisch

Offiziell dürfen die Flüchtlingsmänner nicht arbeiten, können sich nur als Tagelöhner ein paar Euro verdienen. Das erzwungene Nichtstun und die Perspektivlosigkeit führe zu einem explosiven Gemisch aus Gewalt gegen Mädchen und Frauen sowie Anfälligkeit für das Werben militanter Gruppen wie die al-Nusra oder den IS. "Es ist wohl nur über ein besseres Bildungsniveau eine Abhilfe möglich", vermutet Konrad Gottschall. "Dafür werden Generationen gebraucht", befürchtet Andreas Höllein.

Pater Abdo Raad hat immerhin dank der fränkischen Unterstützung auch eine Schule für Flüchtlinge in Naameh südlich von Beirut gegründet, um zumindest rund 100 syrischen Kindern eine Zukunft durch Bildung zu ermöglichen.

Pfarrer Ries und seine Begleiter haben die Schule besucht: "Bildung braucht Geld, und es gibt Finanzierungslücken, die die Existenz dieser Schule bedrohen", beklagt Ries. Jährlich müssten für die Miete des Schulhauses, für Lehrergehälter, Mensa für die Kinder rund 100 000 Euro aufgebracht werden. Jeden Monat fehlen etwa 5000 Euro, seit Monaten müssen die zwölf Lehrer auf ihren Lohn verzichten. Aus Bargeld-Spenden, die die Reisegruppe von daheim mitgebracht hatte, konnte zumindest jedem Lehrer erst einmal 100 Euro ausgehändigt werden. "Wir vier Männer können die Welt nicht retten, aber wir müssen etwas tun!" bilanziert Gottschall die Reiseerlebnisse. Der ehemalige Sparkassen-Vorstandsvorsitzende will seine Kontakte spielen lassen, "damit das Schulprojekt eine Chance bekommt". Und Pfarrer Ries ergänzt: "Der Unterricht ist auch Friedensarbeit mit Kindern, die das Gelernte an ihre Eltern weitergeben."


Informieren und helfen

Vortrag Am Donnerstag, 7. Juli, um 19 Uhr, werden die Libanon-Reisenden in der Aula der Michael-Arneth-Grundschule in Gundelsheim in Wort und Bild über ihre Erfahrungen und mögliche Hilfe berichten.

Spenden Wer helfen möchte, kann das bereits unter folgendem Konto bei der VR-Bank Stegaurach tun: Katholische Kirchenstiftung Stegaurach, DE7377 0620 1401 0251 7094. Verwendungszweck: Syrische Flüchtlinge. Spendenquittungen werden zugeschickt. Das Internationale Päpstliche Missionswerk Missio München, das selbst Projektpartner im Libanon hat, sorgt für einen reibungslosen Transfer des Geldes an Pater Abdo Raad und seinen Verein "Annas Linnas".