Im Brauraum prangt das Wappen der Hönigs: ein gelbes Posthorn umschlingt einen Brief. Das Logo spiegelt die Geschichte der Brauerei wieder. Tiefenellern war schon im Mittelalter Knotenpunkt für die umliegenden Gemeinden. Was heute die Lastwagen sind, waren vor 500 Jahren die Kutschen. "Die meisten Räume der Brauerei waren damals Pferdeställe. Auf ihrer Tour von Bamberg nach Hollfeld hat hier früher die Postkutsche halt gemacht", erzählt Hönig.

Gemächlich drehen sich die Windräder vor dem blauen Himmel, junge Schwalben jagen mit waghalsigen Flugmanövern nach Mücken. Eigentlich bietet Tiefenellern im Landkreis Bamberg eine Postkartenkulisse, würde nicht ein Schwertransporter die Dorfstraße entlang brettert und sich die anschließenden Serpentinen hochackern. Donnernd rollt schon das nächste Ungetüm heran, dieses Mal ist es eine Polizeibus-Fahrschule. Als die Beamten hinter dem Berg verschwunden sind, herrscht kurz Ruhe.

Ein "Biernot-Knopf" vor dem Eingang

Die Gassen und Gärten im Ort sind leergefegt. Nur auf dem Parkplatz der Brauerei Hönig läuft ein Mann ungeduldig zwischen gestapelten Getränkekästen umher, schaut durch die dunklen Fenster und drückt immer wieder auf einen "Biernot"-Knopf, der vorm Eingang aufgestellt ist. Schon stürmt Braumeister Alfons Hönig samt Bierkasten heran. Nachdem der Kunde versorgt ist, lädt der Hausherr zur spontanen Besichtigung. Seit 1478 wird in diesem Gebäude gebraut. Seit 1778 sind die Brauerei und der Gasthof "Zur Post" in Familienbesitz. Alfons Hönig und seine Geschwister bewirtschaften beides mittlerweile in elfter Generation.

Der erschöpfte Kutscher konnte im Gasthaus absteigen und bei Seidla und deftiger Kost zu Kräften kommen. Seine Pferde wurden im Stall gegen erholte Tiere ausgetauscht, denn am nächsten Morgen stand die verschlungene Strecke den Tiefenellerer Berg hinauf Richtung Hollfeld an. Ab 1914 stieg die Post von Pferden auf einen Bus um. "Auch der Busfahrer hielt dann immer hier auf seiner Tour", so Hönig weiter.

Wieder schellt die Bierklingel: der nächste Kunde mit Durst steht vor der Tür. Der Brauer lässt ihn kurz warten und öffnete den Eingang zum Kellergewölbe, das unter dem Biergartengelände liegt. Hier hätten seine Vorfahren noch bis zum zweiten Weltkrieg Bier gelagert, erzählt er. Ein mechanischer Treppenlift für Bierkästen ersparte den Brauern die steinernen Stufen.

Großbrand im Jahr 2006

2006 gab es auf dem Gelände einen Großbrand, dem die landwirtschaftlichen Gebäude zum Opfer fielen. "Vorher hatten wir noch Vieh und eine Hausschlachtung", erinnert sich Hönig. "Da hat man schon seine 15 Stunden gearbeitet. Du musst erstmal eine Frau finden, die das mitmacht." Die Gesichtsmaske kann sein Grinsen nicht verbergen, denn diese Frau hat er mittlerweile gefunden. Mit ihr hat er zwei gemeinsame Kinder. Die beiden wollen die Brauerei zwar nicht übernehmen, aber aus den Reihen der Nichten und Neffen steht die zwölfte Generation schon bereit.

Nächste Station: Kiew

Am Ellernbach entlang, führt eine Straße quer durchs Dorf, links und rechts reihen sich Einfamilienhäuser an Bauernhöfe. Hinter der Kapelle Mariä Geburt parkt ein Familienvan mit niederländischem Kennzeichen.Eine Frau packt Taschen in den Kofferraum, während ihre drei Töchter um sie herum hüpfen. Caroline Morcinek arbeitet im Auswärtigen Amt. Gerade ist ihr vierjähriger Aufenthalt in der Deutschen Botschaft in Den Haag ausgelaufen. Nächste Station: Kiew.

Sie lebte bereits in Kasachstan, Algerien und Budapest. Es sei zwar spannend jedes Mal neu anzufangen, aber der Abschied immer wieder schwer, erzählt sie. "Man baut sich beruflich und privat über Jahre hinweg etwas auf und zerstört es dann wieder. Aber hätte ich mich damals nicht so entschieden, hätte ich all das nicht erlebt." Auch ihre Kinder freuen sich auf die neue Stadt: "Meine Freunde in Holland werden die Besten bleiben, aber das sage ich auch bald über meine neuen Freunde in Kiew", erzählt die neunjährige Mia.

Tiefenellern soll zur Heimat werden

Bei dem ständigen Wohnortswechsel wollte die Familie einen festen Platz, an den sie in den Ferien zurückkehren kann. Das soll Tiefenellern werden. Vor fünf Jahren kauften sie hier einen Hof und bauen ihn seither zu einem Heim für die fünfköpfige Familie samt Ferienhaus für Urlauber um.

Die gebürtige Bambergerin hat Verwandtschaft im Landkreis und die Ausläufer der Frankenalb bieten den Töchtern Abwechslung: "Es ist schön hier, spannender als in der Stadt. Wir gehen ins Schwimmbad und füttern die Hühner!", schwärmen die siebenjährigen Zwillingsschwestern Paula und Pia. "Die Kinder wollen hier später ganz wohnen," erzählt Morcinek. "Mit vielen Tieren: Hühnern, Kaninchen, einem Hund und noch einem Hund", fällt ihr Mia ins Wort. In diesem Sommer soll das Bauernhaus fertig werden, das Ferienhaus ist schon bezugsbereit.

Am Donnerstag berichtet Irmtraud Fenn-Nebel von ihrem Besuch in Haidhof.