In Bug brannten den Bürgern viele Themen auf den Nägeln. Verwaltung und Stadtrat bekommen noch ordentlich Futter für die folgende Monate.
So hatten sich einige den Abend wohl nicht vorgestellt: Zwischenrufe, kräftiger Applaus, klare Mehrheitsverhältnisse. Die Rede ist von der diesjährigen Bürgerversammlung der Stadt Bamberg, welche im "Buger Hof" stattfand. Gut 20 Anträge kamen von den mehr als 100 interessierten Bürgern, welche den Gastraum bis auf den letzten Platz füllten.
Nachdem Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) seine Redezeit nicht auf eine Viertelstunde begrenzen lassen wollte - den Antrag stellte Christian Hader, Bürgervereinsvorsitzender in Süd-West - ging's für knapp eine Stunde querbeet durch die Stadtpolitik. Bamberg wächst: 8000 frischgebackene Einwohner und 5000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen kamen in den vergangenen zehn Jahren hinzu. Dafür brauche es bezahlbaren Wohnraum aber auch höherpreisige Wohnungen, erklärt Starke. Das bedeutet auch, dass die Infrastruktur mitwachsen muss.
Mit dem Ochsenanger ist die erste städtische Kindertagesstätte im Anmarsch. Und der neue Bettenturm habe die Lage am Klinikum spürbar verbessert. "Wir haben Welterbe und Kultur erfolgreich miteinander verbunden", hält der OB fest. Und er ist stolz auf eine breites Kulturangebot, welches sich mit Symphonikern, Theaterbühnen und Großveranstaltungen wie dem Kontaktfestival oder dem Blues und Jazz-Festival, mit dem Angebot einer Großstadt Schritt halten könne.
Was die Haushaltskasse betrifft, stehe Bamberg gut da. Die Schulden wurden auf 25 Millionen Euro abgeschmolzen, schildert das Stadtoberhaupt. Es sei also durchaus Spielraum in den kommenden Haushaltsberatungen für neue Projekte da. Dennoch: "Wir haben dunkle Wolken am Horizont", mahnt Starke. Die Gewerbesteuer falle 20 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr. Mit dem Wandel der Automobilbranche weg vom Verbrenner seien 20 000 Arbeitsplätze rund um Bamberg betroffen und der Oberbürgermeister verweist auf die kürzliche Ankündigung der Reifenherstellers Michelin das Werk in Hallstadt schließen zu müssen.
Verkehr als großes Thema
Als der OB E-Scooter als nur "einen kleinen Teil" einer modernisierten Verkehrspolitik in der Stadt aufgreift, müssen einige Menschen im Saal lachen. Die Stadt müsse bei Gebäudedämmung und Verkehr ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Apropos Verkehr: Nach knapp einer Stunde Redezeit legten die Bürger ihre Anträge und Anfragen vor. Viele davon hatten einen Schwerpunkt, wie man in Zukunft von A nach B in Bamberg kommen will. Bei der Verengung in der Buger Hauptstraße unweit der Schule forderten die einen Metallbügel als Barrieren, damit Radler nicht über den breiten Gehweg abkürzen. Ein anderer Bürger meinte: "Die Verengung ist für die Katz, wenn man dazu motiviert vorher noch mal zu beschleunigen, um durch zu kommen." Sie soll also weg. Das Ordnungsamt schaut sich die Situation noch mal vor Ort an.
Ein anderes Thema, dass den Bugern auf den Nägeln brennt, ist die Bustaktung in die Stadt: "Ich verstehe ihre Zählmethode nicht!", kritisiert Manfred Drescher, Vorsitzender des Buger Bürgervereins, die Stadtwerke Bamberg. Momentan geht es nur jede Stunde ins Zentrum. Dabei sei laut Drescher der Bus regelmäßig voll. Dass der Bürgerverein aus der Zeitung erfahren musste, wie es mit der Stadtbuslinie nach Pettstadt weitergeht, hält er für eine gewisse Arroganz. "Wir haben keinen halbstündigen Takt angeboten", verteidigt sich Michael Fideldey. Der Geschäftsführer der Stadtwerke bietet Drescher die Einsichtnahme in die Fahrgastzählungen an. Auch bei der Umsetzung Buger Brücke bleibt der Bürgervereinsvorsitzende skeptisch, ob es 2020 wirklich dazu kommt.
auch wenn der südwestler mit seinem antrag der begrenzung der redezeit des OBs gescheitert ist, andere wollen auch sich mal äussern, nicht nur monologen zuhören, bleibt festzustellen, dass diese bürgerversammlung vlt der einstieg in die autofreie innenstadt war