Thomas Heiß blickt über die Reste Dutzender gefällter Bäume in die Ferne. "Im Frühling und Sommer war alles staubtrocken. Täglich habe ich gesehen, wie die Bäume leiden. Aber man kann nichts machen", sagt der Vorarbeiter der Hain-Kolonne des Bamberger Gartenamts. 90 Bäume, überwiegend Buchen, werden bis zum Frühjahr im Hain gefällt sein. Im Stadtgebiet sind es knapp 350. "Das Gesicht des Hains und anderer Grünanlagen wird sich dramatisch verändern", weiß Gartenamtsleiter Robert Neuberth.

Hauptursache: Klimawandel. Trockenheit und Sonneneinstrahlung machen die Gehölze verwundbar. Ähnlich wie bei immungeschwächten Menschen werden sie dadurch anfälliger für Krankheitserreger. Im Falle der Bäume etwa für Pilz- und Käferarten, wie die oft hohlgefaulten Stämme zeigen. "Da greift schnell eins ins andere, und die Bäume sterben innerhalb eines Jahres ab", erklärt Baumpfleger Herbert Geßner.

Viele Buchen waren sehr alt, eine mehr als 130 Jahre, bevor sie in der vergangenen Woche gefällt wurde, wie Geßner an den Jahresringen zeigt. An diesen "lässt sich auch ablesen, wann alles angefangen hat", sagt er. Nämlich vor etwa 25 Jahren: Die äußeren 25 Ringe sind viel feiner und enger aneinandergereiht als die vorherigen. Wie drastisch sich die Lage zuspitzt, zeigt auch die Entwicklung der Arbeitsstunden, die Gartenamtsmitarbeiter mit Gießen verbringen: 363 waren es 2017, 827 in diesem Jahr. Dafür wurden knapp 30 000 Liter Wasser benötigt. Zusätzlich musste die Feuerwehr helfen und rund 1000 Bäume in einer Sonderaktion bewässern. "Im Sommer sind wir kein Garten-, sondern ein Gießamt", fasst Neuberth zusammen.

"Bäume sind Lebewesen, sie haben ein Gedächtnis und reagieren auf Extreme", erklärt Geßner. Wenn die heißen Tage weiter zunähmen, sei die gesamte Baumart Buche in Gefahr. "Einzelne werden vielleicht überleben, wie auch einzelne Menschen Seuchen überleben. Aber der Großteil wird sterben."

Phönix aus der Asche

Mitten in einem kargen Bereich zwischen gefällten Hölzern und dürren Sträuchern wirkt eine junge Purpur-Esche wie der Phönix aus der Asche. Ein Baum mit Zukunft in Zeiten des Klimawandels: Das Gartenamt setzt nun verstärkt auf das Pflanzen von robusteren "Klimabäumen", die extreme Hitze wie auch frostige Winter aushalten, etwa Esskastanie, Purpur-Esche und Stadt-Ulme.

In den Stadtwäldern sieht es ähnlich aus. "Unsere Prognose für 2080: Fichte weg, Kiefer weg, Buche am Rande des Existenzminimums", berichtet Forstamtsleiter Johannes Hölzel. So wird künftig immer mehr geschädigtes Holz anfallen, das größtenteils nur noch zum Verheizen nutzbar ist. Das haben die Stadtwerke erkannt - und wollen das Beste aus der Not machen: Ökologische Energiegewinnung. Mit einer deutlichen Reduzierung der -Emissionen und gleichzeitig möglichst gleichbleibende Preise für die Verbraucher - vor allem in Anbetracht einer zu erwartenden -Steuer. Denn umso höher diese ausfallen wird, umso günstiger wird ökologische Wärmegewinnung im Vergleich zur Nutzung fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas.

Ökologische Wärme für Gereuth

Bäume sind -Speicher. Wenn sie verrotten, wird der Stoff frei. "Wie wollen wir das Restholz verwerten?", fragt Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Fiedeldey rhetorisch, denn die Antwort folgt direkt: "Zur Wärmegewinnung." Im Rahmen der Verlegung des Heizkraftwerks in der Gereuth böte sich die Möglichkeit für ein Großprojekt.

Das Restholz soll zusammen mit dem aus der bereits vorhandenen Kurzumtriebsplantage in einem Hackschnitzelkessel zu Heizwärme umgewandelt werden. "Das Thema Hackschnitzel ist für uns nicht neu", sagt Fiedeldey im Hinblick auf das teils mit dieser Methode beheizten Bambados-Hallenbades. Mit der Erweiterung der Anlage ließe sich die gesamte Gereuth umweltschonend beheizen - inklusive Bundespolizei und eines künftigen Ausbildungszentrums der Handwerkskammer. Weitere Maßnahmen für die ökologische Wärmegewinnung sind der Ausbau des Blockheizkraftwerks, indem ausschließlich aufbereitetestes Biogas verwendet werden soll, Solarthermie-Anlagen vor allem für die Sommermonate und ein Wärmespeicher. Um an besonders kalten Wintertagen die Spitzen abdecken zu können, sei dennoch ein Erdgaskessel notwendig. Insgesamt fielen mit dem Wärmemix 75 Prozent weniger -Emissionen an als bei einer Gasheizung.

Die Anlagen sollen nach den Vorstellungen der Stadtwerke in einer Modulbauweise errichtet werden, erklärt Winfried Bauer, der für die Projektplanung zuständig ist. Damit ließen sich die Anlagen je nach Bedarf erweitern oder verkleinern. Die Gereuth böte sich wegen der Nähe zu Berliner Ring, Bundespolizei, Handwerkskammer und Brose-Arena an - sowie wegen der kurzen Wege in die städtischen Forsten. Nach ersten Berechnungen ließen sich mit dem Projekt bis zu 1700 Tonnen sparen - "wenn da 60 Euro Steuern pro Tonne dran kleben, wird ein solches Projekt nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich immer sinnvoller."

Zeitplan

Bauer will die Planung bereits im kommenden Jahr konkretisieren, also Fördermöglichkeiten ausloten und die Baupläne vorbereiten. "Und dann kommt es darauf an, ob Mittel im Haushalt bereitgestellt werden." Also auf den politischen Willen. Die Hackschnitzel-Anlage im Jahr 2021/22 zu bauen böte sich an, "denn bis dahin ist das jetzt anfallende Holz auch trocken", erklärt Bauer. Bei einem Erfolg könne man auch über Projekte in anderen Stadtteilen nachdenken. "Die Chance ist jetzt da", schätzt Bauer.

Und tatsächlich: Erst an diesem Montag haben sich Bund und Länder auf eine Erhöhung des -Preises zum 1. Januar geeinigt. Bis 2026 soll er bei 55 bis 65 Euro liegen.