Eine Wahlkampfparty, die diesen Namen auch verdient, feiern die Grünen. Die Übertragung der Fernsehbilder auf die Leinwand im Café Leander ruckelt und bleibt immer wieder stehen. Doch das stört hier niemanden: Auch die miese Bildqualität kann den tollen Zahlen nichts anhaben. Das Wichtigste ist offensichtlich: Der grüne Balken steht klar an zweiter Stelle. Jubel bei den Wahlhelfern. Direktkandidatin Ursula Sowa klatscht in die Hände und strahlt. So sehen Sieger aus.

Unsicherheit verfliegt

"Ich bin froh, dass der Spitzenwert der Prognosen auch so eintrifft", sagt sie und atmet tief durch. Die Hälfte der Wähler gelte allgemein als unentschlossen, dementsprechend habe sie am Wahlabend doch eine gewisse Unsicherheit gespürt. Die ist um 18 Uhr verflogen. "Wir waren die Partei, die wirklich Inhalte geboten hat", sagt die 61-Jährige in einer ersten Analyse. Spannend werde es für Koalitions-Sondierungen, ob es die FDP wirklich in den Landtag schafft, erklärt die Architektin, ehe sie eine kleine Dankesrede hält.

Wahlkampfhelferin Juliane Fuchs drückt sie einen Blumenstrauß in die Hand, weil sie im Wahlkampf so viel Einsatz gezeigt hat. "Es ist einfach traumhaft, das hat alle Prognosen überstiegen", sagt Fuchs überglücklich. "Wir haben im Wahlkampf die Stunden und Tage bis zum Ende der absoluten Mehrheit für die CSU gezählt. Dass es nun so geklappt hat, ist einfach toll."

Bärenstarke Zahlen

Sowa sammelt währenddessen eine kleine Gruppe um sich: "Auf ins Rathaus." Dort soll nicht viel los sein, sagt man ihr. "Das werden wir ändern", antwortet die Stadträtin und lacht. Im großen Sitzungssaal warten etwa 20 Leute auf die ersten Ergebnisse der Bamberger Wähler. Sowa wirkt entspannt in ihrem grünen Sakko. Dann erscheinen Zahlen auf der Leinwand. Schon der erste ausgezählte Stimmbezirk bringt für die grüne Direktkandidatin ein Ergebnis über 20 Prozent. Zweitstärkste Bewerberin nach Melanie Huml (CSU). Wieder klatschen die Grünen in die Hände. Sowa strahlt wieder.

Gegenkraft zur AfD

"Wenn das mit der 2 vor dem Komma so bleibt, dann bin ich sehr glücklich", sagt die Architektin . Immerhin sei dies das beste Ergebnis, das die GAL verzeichnen durfte.

"2020 erobern wir dann die Rathäuser", sagt Grünen-Stadtrat Wolfgang Grader zum Wahlabend und stößt darauf mit Andreas Lösche an. Der hatte als Direktkandidat 2013 in Bamberg 11,42 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Sowa konnte dieses Ergebnis beinahe verdoppeln. 2013 hatten die Grünen in Bamberg-Stadt 16,02 Prozent erzielt - nun springt die Partei im Stimmkreis sogar über 21 Prozent, toppt das landesweit ohnehin starke Ergebnis noch einmal.

"Wir haben uns nicht nur als Gegenkraft zur CSU präsentiert, sondern auch ganz klare Kante gezeigt gegen die AfD und die Politik der Hetze", erklärt der Direktkandidat für den Bezirkstag. Die guten Zahlen wertet Lösche auch als Ergebnis für die "jahrelange gute Arbeit auf kommunaler Ebene." Die Grünen hätten ihren schlechten Ruf als "Ökospinner" endgültig abgelegt.