Die Gründe dafür sind für die Beteiligten ein "Rätsel", über das nicht in der Region entschieden werde. Einen erkennbaren Schlüssel gebe es nicht, meint der Kreisobmann des Bauernverbandes im Landkreis Bamberg, Heiner Faatz. Die Marktkräfte vieler Regionen auf der nördlichen wie der südlichen Halbkugel wirkten hier zusammen. In der Summe werde heuer für Raps etwa ein Viertel weniger gezahlt, für Gerste und Weizen etwa 20 Prozent weniger. Gab es letztes Jahr etwa 20 bis 22 Euro pro Doppelzentner, dürften es heuer 16 bis 18 Euro werden. Nur für Braugerste, hier hat sich ein regionaler Markt sehr stark entwickelt, liegen die Tarife etwa fünf Euro höher und wohl dauerhaft über 20 Euro.


Schwankungen nicht akzeptabel

BBV-Kreisobmann Faatz bezeichnete die Abschläge als "nicht gerechtfertigt" und appellierte an die Ernährungsbranche, die Preise stabil zu halten. Der Druck müsse dabei von der Lebensmittelbranche ausgehen, nicht von den Futtermitteln. Müller, Brauer, Bäcker und Mälzer müssten hier auf der Seite ihrer Zulieferer stehen. "Schwankungen in solcher Größenordnung, das funktioniert auf die Dauer nicht." Schließlich müsse man jetzt entscheiden, was man anbauen solle.

Lob und Kritik erntete die BayWa für ihre Lagerhaus-Politik. Einerseits sei eine Kapazität von 35.000 Tonnen im Bamberger Hafen sehr wichtig (umgeschlagen werden hier pro Saison rund 100.000 Tonnen), andererseits bedauert der Agrarsektor den weitgehenden Rückzug aus der Fläche. "Bevor wir eineinhalb Stunden nach Bamberg fahren, lagern wir das Getreide selber ein", sagt Marion Link. Das Thema der weiten Wege werde die Landwirte in den nächsten Jahren stark beschäftigen. Derzeit bewegten sich die Frachtkosten von hier nach Hamburg auf gleichem Niveau wie von Südamerika nach Hamburg, ließ Heiner Faatz wissen.

Bier wird weiter schäumen

Keine schweren Gedanken müssen sich Brauer, Mälzer und alle Freunde des edlen Gerstensaftes machen. "Bei der Braugerste liegen die Erträge zwischen 45 und 50 Doppelzentner je Hektar. Die Proteinwerte bewegen sich über zehn Prozent, das Bier wird also schäumen", sagt der Baywa-Verkaufsleiter für Oberfranken, Alexander Weiß.

Sehr zugute gekommen ist den Landwirten das sonnige, warme und trockene Erntewetter. Die Erntebedingungen waren und sind noch optimal. Kleine Pausen dazwischen haben zudem keine Hektik aufkommen lassen, hieß es unisono. Von einer "entspannten Getreideernte" sprach BBV-Kreisobmann Heiner Faatz. Ähnliches gilt für die BayWa: "Wir mussten heuer keine fünf Prozent des angelieferten Getreides trocknen", sagt Alexander Weiß. Vor zwei Jahren seien dies mehr als 50 Prozent gewesen. "Unheimlich aufgeholt" habe die Natur den dreiwöchigen Wachstums-Rückstand nach dem langen Winter, so Waltraud Dümmler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg.

Im westlichen Landkreis Bamberg ist die Ernte weitgehend abgeschlossen, während sie in den höheren Lagen des östlichen Landkreises noch im Gange ist. Aber auch auf dem Jura wird man in diesen Tagen fertig werden. "Septembergetreide sollte es heuer nicht geben", meint BBV-Kreisobmann Heiner Faatz. So "durchwachsen" wie das Wetter während der zurückliegenden Vegetationszeit war, scheinen auch die Ergebnisse der Ernte zu sein. "Es wurde stellenweise sehr unterschiedlich gedroschen". Zwar seien die Bestände gut aus dem Winter gekommen, ergänzt die Pflanzenbauberaterin Waltraud Dümmler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg, und man habe an eine gute Ernte geglaubt. Doch dann hätten sie unter der langen Regenperiode im Mai gelitten und die anschließende große Hitze "mag das Getreide überhaupt nicht". Dadurch sei die Kornfüllung unterbrochen worden, vor allem auf schwachen Standorten blieb die Qualität zurück.

Somit lagen die durchschnittlichen Erträge bei der Gerste zwischen 35 und 70 Doppelzentner pro Hektar beim Weizen - der im Landkreis bestgedeihenden Getreideart - zwischen 50 und 80 Doppelzentner (man beachte die Spannen). Den durchschnittlichen Eiweißgehalt schätzt Dümmler auf 13,5 Prozent. "Qualitätsweizen fängt bei 14 an."

Einen Einblick in die Praxis gaben Marion und Thomas Link auf ihrem Hof in Großbirkach (Markt Ebrach). "Im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein", sagt die stellvertretende Kreisbäuerin Marion Link. Vor allem die Gerste sei auf ihren insgesamt etwa 100 Hektar Anbaufläche für Getreide gut bis sehr gut gediehen.
Als "sehr heterogen" bezeichnet Alexander Weiß die Getreideernte 2013. "Summa summarum sind wir unter den Erwartungen geblieben". Der Richtwert, dass 100 Liter Gerste 62 Kilo wiegen solle, sei heuer nicht erreicht worden, was auf niedrige Proteinwerte schließen lasse. Die Qualität beim Weizen liege noch im Normalbereich, beim Raps gebe es bei guter Ölqualität eine durchschnittliche Ernte.