Eine "gute gemeinsame Basis" bescheinigt Erzbischof Ludwig Schick der Ökumene im Erzbistum Bamberg und im Kirchenkreis Bayreuth. Regionalbischöfin Dorothea Greiner stellt fest, dass die Ökumene in den letzten Jahren "deutlich an Fahrt gewonnen hat". Diese positive Bilanz auf dem Weg zur "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" ziehen die beiden Kirchenvertreter in der einzigen Region Bayerns, in der die Katholiken stark in der Minderheit sind: 692.000 bei 2,2 Millionen Einwohnern.
Erzbischof Schick nennt das Ziel der ökumenischen Bemühungen: "Wir wollen die Kanzel- und Eucharistiegemeinschaft unter Beibehaltung der jeweiligen Traditionen." Es werde "immer Unterschiede geben", wie auch Ökumene nicht nur die Beziehungen zu den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden meine, sondern auch Begegnungen mit evangelisch-reformierten und orthodoxen Christen, Baptisten, Methodisten, Altkatholiken und freien Christengemeinden.

Für Regionalbischöfin Greiner bedeutet "Einheit keinen Einheitsbrei", sondern "lutherische Profilierung, aus der die Liebe zur Schwesterkirche nicht mehr wegzudenken ist". Zum Lutherisch-Sein gehöre das Ökumenisch-Sein unabdingbar dazu. Diesen theologischen und inhaltlichen Akzent habe sie bewusst auf die so genannte Lutherdekade gesetzt - die zehn Jahre Vorlauf zum 500-jährigen Reformationsgedenken 2017.
Der Weg hin zu einer konfessionellen Verbandelung war steinig. Blicken wir 500 Jahre zurück:
In Augsburg findet 1530 ein Reichstag statt. Philipp Melanchton, ein enger Vertrauter Martin Luthers, formuliert das "Augsburger Bekenntnis", das von den protestantischen Fürsten und freien Reichsstädten unterzeichnet wird. Sie hoffen, dass der Kaiser ihr Bekenntnis entgegennimmt und sie nicht länger als Ketzer gelten. Luther steht zu dieser Zeit unter "Acht und Bann": Der Kaiser hat ihn für vogelfrei erklärt, der Papst aus der Kirche verbannt, also exkommuniziert. Eigentlich will der Reformator am Reichstag teilnehmen, um seine Überzeugung zu vertreten. Aber durch die Ächtung ist er in ständiger Gefahr, benötigt den Schutz eines Herrschers oder einer Stadt. Nürnberg wäre näher an Augsburg, doch dort trägt man Bedenken. So bleibt Luther 1530 während des Reichstags auf der Veste Coburg, im südlichsten Zipfel des Gebietes, wo ihn sächsische Macht noch schützen kann.

Am Karfreitag 1530 zog Martin Luther auf der Veste ein. Dort übersetzte er unter anderem Teile der Bibel, schrieb eifrig Briefe an die nach Augsburg gereisten übrigen Reformatoren Melanchton, Georg Spalatin, Justus Jonas und Johannes Agricola. Ihnen war das Glück dennoch nicht hold: Ihr protestantischer Einigungsversuch wurde zurückgewiesen. Damit war die Kirchenspaltung letztendlich besiegelt. Am 4./5. Oktober 1530 machte sich Martin Luther wieder auf die Heimreise nach Wittenberg.

Dieses halbe Jahr auf der Veste Coburg hat genügt, um aus diesem inzwischen oberfränkischen Ort eine Wallfahrtsstätte für Lutheraner aus aller Welt zu machen. Coburg ist die einzige Luthergedenkstätte auf westdeutschem Boden und kann mit dem "Lutherzimmer" in der Burganlage einen Originalschauplatz anbieten. Die Coburger Stadtväter und -mütter erhoffen sich sogar den begehrten UNESCO-Welterbetitel für die Veste als Außenposten der Lutherstätten in Mitteldeutschland.

"Hätte Luther nicht in Coburg - kurz vor der Grenze zum Königreich Bayern - Halt gemacht, wäre er vermutlich verhaftet und liquidiert worden", sagt der evangelisch-lutherische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Er macht klar, dass die reformatorischen Umbrüche des 16. Jahrhunderts sich bis heute auf die Kultur und auf die Mentalität der Menschen auswirken.
Umso erfreuter zeigt sich der Landesbischof darüber, dass das Reformationsjubiläum und -gedenken sich als "Triebkraft für weitere ökumenische Annäherungen" erweise. Bedford-Strohm erinnert an die gemeinsame Pilgerreise des Rats der EKD und neun katholischer Bischöfe ins Heilige Land oder an die ökumenischen Gottesdienste zur "Heilung der Erinnerungen", die landauf, landab gefeiert werden. Diese "führen zu einem tiefen Gefühl der Geschwisterlichkeit, dessen Grundlage und Bezugspunkt Christus selbst ist". Heute könne Christus "nur noch gemeinsam entdeckt werden", ist Bedford-Strohm überzeugt. Er hofft, dass aus diesem ökumenischen Geist nun auch konkrete Schritte, etwa beim Weg zu einem gemeinsamen Abendmahl, heranwachsen könnten.

Über diese brennende Frage gerade auch für konfessionsverschiedene oder -verbindende Ehepaare zermartert sich die hohe Theologie bisher ohne Ergebnis den Kopf. Selbst die beiden fränkischen Ökumene-Protagonisten Erzbischof Schick und Bischöfin Greiner müssen mit einer befriedigenden Antwort passen.
Die katholischen Bischöfe diskutierten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung eine Vorlage, wonach eine verantwortliche Entscheidung über den Kommunionempfang des nichtkatholischen Partners im seelsorglichen Gespräch fallen kann. Aus dieser Vorlage erarbeiten die Bischöfe nun ein verbindliches Schreiben.

Der Bamberger Erzbischof Schick spricht lieber von dem gemeinsamen Auftrag, die "Werte des Evangeliums zu verkünden" und sich für "Gerechtigkeit, das Gemeinwohl, die Bewahrung der Schöpfung und die Entwicklung der Dritten Welt" einzusetzen. Er selbst werde am Feiertag 31. Oktober 2017 diesen Auftrag in Coburg erfüllen, wo das Reformationsgedenken mit Bischöfin Greiner und ihm als Prediger begangen werde. "Es ist das erste Reformationsjubiläum überhaupt, das als gemeinsames Christusfest ein ökumenisches Gepräge hat", ergänzt Greiner.