Noch weht das "Sternenbanner". Aber in wenigen Monaten werden die Warner Barracks für immer geschlossen. So endet im September mit dem Abzug der U.S. Army eine Ära, die in Bamberg mit der Kapitulation am 13. April 1945 in der "Stunde Null" begann. Ein Anlass für Gabriele Wiesemann und Sabine Freitag, die Geschichte der Kasernen im Osten der Stadt in einer Vortragsreihe zu beleuchten. Dabei beschränken sie sich keineswegs nur auf "Klein Amerika", sondern tauchen tiefer in die Vergangenheit der Garnisonsstadt Bamberg ein.

Klöster wurden umfunktioniert
Zur Zeit Napoleons schon hatte sich in der Domstadt aus fürstbischöflich bambergischen und würzburgischen Truppenteilen das 4. Bayerische Chevauleger-Regiment formiert. Abgelöst wurde es 1873 von den Kaiser-Ulanen (Spitzname: Sekt-Ulanen). Auch war seit 1855 an der Regnitz das königlich bayerische 5.
Infanterie-Regiment stationiert. "Alle Einheiten waren zunächst noch in der alten Langgass-Kaserne (im Bereich des heutigen Schönleinplatzes), der Dominikaner- und Clarisser-Kaserne untergebracht", berichtet Gabriele Wiesemann als Kunstgeschichtlerin: Das Militär hatte nach der Säkularisation eben auch einstige Klöster zu profanen Zwecken umfunktioniert.


Wie viele junge Männer träumten in jener Zeit davon, ihrem Vaterland zu dienen. Welche sonstigen Perspektiven hatten die meisten auch, die aus einfachen Verhältnissen kamen? Noch ein halbes Jahrhundert später schwärmte ein Franke, der in einem Dorf am Obermain aufwuchs, vom Beginn seiner Dienstzeit bei den Bamberger Fünfern: "Als wir die schöne himmelblaue Uniform mit dem ziegelroten Kragen, . . . den goldglänzenden Messingknöpfen am Waffenrock angezogen hatten, fühlten wir uns schon ganz als echte Soldaten, wenn wir auch von den Alten nur zu oft den ,Schmeichelnamen Saurussen' zu hören bekamen."

Mehr und mehr Gelder flossen in den Militärstandort: So hatte man in der Wunderburg für Bambergs Kaiser-Ulanen als Kavallerie in den 1860er Jahren schon die Koppenhofkaserne und zwei Jahrzehnte später die Holzhofkasernen errichtet, wie Wiesemann in ihrem Vortrag ausführt. Anschließend galt es für die Infanterie ein geeignetes Baugelände zu finden. "Stadt und Militärverwaltung einigten sich auf die große ebene Fläche an der Pödeldorfer Straße, für die der bayerische Staat viele kleine Gärtnerfelder erwerben musste". Im Juli 1890 endlich der Spatenstich für die Infanterie-Kaserne mit Wohnbaracken an der Wörthstraße. "Und am 25. September zog das bis dahin in Erlangen garnisonierende III. Bataillon ein", so die Kunstgeschlichtlerin. Mannschaftsgebäude wurden gebaut, eine Exerzierhalle, das Militärgefängnis. "Mit der Einweihung der Offiziers-Speiseanstalt an der Pödeldorfer Straße am 25. Mai 1893 war die Infanterie-Kaserne weitgehend fertiggestellt."

Die Ulanen reiten nicht mehr
Nicht mal drei Jahrzehnte später kam mit dem Versailler Vertrag die Demilitarisierung. Das 5. Infanterie-Regiment wurde aufgelöst. Das 1. Ulanen-Regiment "Kaiser Wilhelm II., König von Preußen" war Geschichte. Einheiten der neu gegründeten bayerischen Landespolizei zogen in nun leerstehende Gebäude - bis zur Wiederaufrüstung in der NS-Zeit.

"Eine gigantische Reiter-Kaserne entstand im Dritten Reich auf dem Gelände zwischen der Pödeldorfer und Zollnerstraße - mit Stallungen, Reithallen, Beschlagschmieden und Reitplätzen." In den Hauptsmoorwald baute man 1936 zwei weitere Kasernen - die Panzerkaserne und die Artilleriekaserne. Nur versank das "Tausendjährige Reich" nach zwölf Jahren in Schutt und Asche. Und die U.S. Army besetzte im April 1945 das Areal, um die amerikanische Flagge wehen zu lassen.

Rasch bröckelte auch in Bamberg das Fraternisierungsverbot nach der "Stunde Null". Gerade der Nachwuchs lernte die Präsenz der GIs bald dank "Ami-Schokolade", Kaugummis, Icecream und Coca Cola zu schätzen. Fasziniert sahen Bamberger den "american way of life", den die Army brachte: "Negermusik" tönte aus Kofferradios. US-Clubs wie das frühere Café Stadelmann in der Franz-Ludwig-Straße lockten junge Leute an. Gern schwangen die Besatzer auch mit den "Frolleins" das Tanzbein. Ein Kapitel deutsch-amerikanische Freundschaft hatte begonnen, das nun - im September 2014 - nach fast sieben Jahrzehnten endet.


Alle Vorträge auf einen Blick

8. Mai: Vortrag der Bamberger Kunsthistorikerin Gabriele Wiesemann "Funktion und Symbol. Über die Baugeschichte der Kasernen im Osten Bambergs ab 1890"

22. Mai: Ingrid Mayershofer spricht als Münchner Historikerin über "Die Bamberger ,Fünfer' - Das Regiment und seine Beziehungen zur Stadt im Kaiserreich."

5. Juni: Vortrag der Bamberger Kunsthistorikerin Johanna Blokker zum Thema "Architektur als Medium amerikanischer Kulturdiplomatie in Deutschland nach 1945: Die Dominikanerkirche in Bamberg"

3. Juli: Christian Müller referiert als Potsdamer Historiker über "GIs und Einheimische. Die U.S. Army in Bamberg während des Kalten Krieges"

10. Juli: Sabine Freitag beleuchtet als Bamberger Historikerin das Thema "Militär und politischer Systemwechsel. Bamberg in Krise und Übergangszeit nach dem Ersten Weltkrieg"

Die von Gabriele Wiesemann und Sabine Freitag (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bamberg) konzeptionierte Vortragsreihe findet an der Universität Bamberg (An der Universität 2, Raum 00.25) jeweils donnerstags ab 18 Uhr bei freiem Eintritt statt.

Mehr zu den Referenten findet man unter folgenden Links:
http://www.uni-bamberg.de/denkmalpflege/personen/
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-2-037
http://deu.archinform.net/arch/17779.htm
http://www.amazon.de/Hanns-Hopp-1890-1971-K%C3%B6nigsberg-Ost-Berlin/dp/3931185613