Military-, Atkins - Grapefruit- und Thunfisch-Diät: Nadine Schlaug hat alle durch. Vieles war ekelhaft, nichts dauerhaft, manches gesundheitsgefährdend. "Ich habe in Amerika mal so Abnehmtabletten geschluckt. Appetithemmer." Die 31-Jährige schüttelt sich angewidert. "Das macht was mit dem Blutdruck. Abends saß ich im Bett und habe gedacht, mein Herz explodiert." Aber irgendwie musste das Gewicht runter. "Es macht ja nicht mal mehr Spaß zu shoppen, weil man nichts mehr findet!"


Immer wieder dieser Jojo-Effekt

Sie trägt heute dezentes Make-Up, Kette und passenden Gürtel als Kontrast zur schwarzen Kleidung. 20 Kilo hat sie abgenommen. Endlich. "Mit den Diäten machst du den Stoffwechsel kaputt.
Der Körper stellt sich auf Hunger ein - dann kommt der Jojo-Effekt." Nadine Schlaug hat verinnerlicht, dass nur eine Umstellung auf gesunde, vollwertige Ernährung zu dauerhaftem Abnehm-Erfolg führt. Ihr wichtigster Tipp ist aber: "Such dir jemanden, mit dem du es durchziehst!"
In ihrem Fall war es Cousine und Freundin Sofia Jantschewsky. Die beiden teilen sich eine WG in Memmelsdorf und haben nach einem gemeinsamen Türkei-Urlaub vor eineinhalb Jahren ihre Ernährung verändert. "Die Urlaubsfotos waren so schrecklich", sagt Sofia. Die 22-Jährige erzählt, dass es sie noch heute Überwindung kostet, ins Schwimmbad zu gehen. "Wenn du dick bist, läufst du immer mit eingezogenem Kopf herum." Aber jetzt, wo sie 35 Kilo abgenommen hat, könne sie mit erhobenem Kopf in die Disco gehen. Da unterbricht Oma Ursula Diller: "Ihr wart vorher auch schön!"


Gemeinsam 130 Kilo leichter

Die Familie hält zusammen, unternimmt viel gemeinsam. "Wir feiern und essen immer noch gern", sagt Oma Ursula. Aber der Abnehm-Erfolg der Enkelinnen steckte alle an. Die 76-Jährige hat zwölf Kilo abgenommen, ihre Tochter Verena Jantschewsky (46), schaffte 23 Kilo, Sohn Oliver Diller (49) verlor 20 Kilo und seine Frau Theresia (52) hat 18 Kilo abgenommen. "Am Anfang haben wir uns totgelacht über die Punktefreaks", erzählt sie. Als Nadine und Sofia mit der Weight-Watchers-Methode begannen, rechneten sie jedes Essen in Punkte um. Abhängig von Faktoren wie Alter, Größe, Gewicht und Geschlecht steht jedem ein Punktekonto zum Verbrauch zur Verfügung - eine von vielen Methoden, die bei der Umstellung auf ausgewogene Ernährung helfen können.


Quantitative und qualitative Umstellung der Ernährung

Bei der Ernährungsumstellung geht es dem Bayreuther Sportwissenschaftler Wolfgang Buskies zufolge um zwei Faktoren. Zum einen die qualitative Verbesserung durch mehr Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Reis, Nudeln, Kartoffeln, viel Wasser sowie weniger Fett, Zucker und Alkohol. Zum anderen die quantitative Verringerung der Gesamtkalorienmenge. "Am Anfang war es sehr wichtig, das Essen abzumessen", erinnert sich Nadine. "Ich stand oft da und dachte: Wie? Davon soll ich satt werden?" Sie wurde. Und durch die Tagebuchfunktion wurde ihr bewusst, was sie isst. Die Familie nutzte die Weight-Watchers-App - auf Gruppentreffen hatten sie keine Lust. Sie sind ihre eigene Gruppe, und über Whatsapp motivieren sie sich gegenseitig, stacheln einander an und trösten bei Rückschlägen. Sofia stupst Ursula Diller an: "Sogar unsere Oma macht das alles mit dem Tablet."
Sportwissenschaftler Buskies nennt eine motivierende Gruppe neben Geduld, Hartnäckigkeit und Selbsttoleranz als wichtigste Zutat, wenn Abnehmen ein Erfolgsrezept werden soll. Außerdem empfiehlt er regelmäßiges Krafttraining.


Fitnessstudio, Nordic Walking und Radeln

Nadine und Sofia gehen zwei bis drei Mal pro Woche ins Fitnessstudio, manchmal kommt Verena mit. Oma Ursula macht Nordic Walking, Oliver und Theresia radeln viel. "Du bekommst ein anderes Körpergefühl, fängst an, deinen Körper zu akzeptieren", sagt Nadine. Sie will weiter abnehmen, hat sich aber von utopischen Vorstellungen verabschiedet. "Bloß keine Models als Vorbilder! Man muss nicht perfekt sein."