Wie bewahrt man sich einen innerörtlichen Lebensmittelladen, stärkt damit gleichzeitig den Ortskern der Gemeinde und verschafft regionalen Erzeugern eine neue Plattform für ihre Produkte vor allem auf dem Lebensmittelsektor? All diese Interessen wollen derzeit in Litzendorf unter einen Hut gebracht werden und die Chancen, dass das gelingt, stehen gar nicht so schlecht. Denn eigentlich hat man alle dazu nötigen Voraussetzungen: ein eingeführtes Geschäft, das nach neuen Perspektiven sucht, eine Gemeinde, die sich zügig eine neue Mitte schaffen will und eine Erzeuger-Region, die für ihren Absatz Standorte und Möglichkeiten brauchen kann.

Wo also liegt das Problem? Eigentlich bräuchte es doch nur eines überzeugungskräftigen Vermittlers, und die verschiedenen Interessen müssten doch unter einen Hut zu bringen sein. Doch so einfach ist die Sache nicht.
Denn auf Idealismus alleine lässt sich ein Geschäft nicht aufbauen. Die Beteiligten wissen das und versuchen, das Ganze gemeinsam auf eine solide Grundlage zu stellen. Eine Genossenschaft könnte die Lösung sein, doch dazu bräuchte es eine möglichst breite Basis regelmäßiger Kunden. Und die sind beim dichten Netz der Lebensmittel-Discounter nicht leicht zu finden. Ob da Überzeugungsarbeit weiterhilft?

Dieter Groh (53) ist Leiter des gleichnamigen Lebensmittelmarktes in der Ortsmitte von Litzendorf, den sein Vater Richard 1959 gegründet hat. Zusammen mit Maria Adam (60) und Elke Köhler (55) betreibt er das Geschäft in bester Lage, das dennoch der Entwicklung Tribut zollen musste. "Seit der Ansiedlung eines Einkaufsmarktes in Pödeldorf 1997 haben wir viele Kunden verloren", sagt Groh.

Und gerade in letzter Zeit "fressen die Energierkosten alles auf". Fast das Zehnfache der früheren Strom- und Heizkosten zahle man heute, weshalb man bereits vor zwei Jahren über die Einstellung des Betriebes nachdachte. Doch viele ältere Menschen ohne Auto gehörten zu den treuen Kunden und für die machte man weiter. Aber Kinder hat Dieter Groh nicht und deshalb zeichnet sich für ihn das Ende ab.

Für die Gemeinde Litzendorf wäre das genau das Gegenteil dessen, was sie will. Schräg gegenüber vom Lebensmittelgeschäft Groh ist ein neues Bürgerhaus samt Bücherei entstanden, ein Restaurant, eine Senioren-Wohnanlage. Metzger und Bäcker sowie ein Lotto- und Schreibwarengeschäft gibt es schon länger gleich nebenan, planvoll betreibt man im Rathaus die Ortsentwicklung. "Wir versuchen, für unsere nicht motorisierten Bürger die Grundversorgung im Ort sicherzustellen", sagt Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU). "Das Leben findet innen statt", lautet die Devise. Doch die Unterstützung der Gemeinde könne nur ideeller Natur sein, auch zeitliche Vorstellungen hat man noch nicht.

Alle werden älter

Die Kundschaft jedenfalls sähe den Lebensmittelladen Groh gerne erhalten. "Alle werden älter und einmal froh sein, wenn sie im Ort einkaufen können", sagt Elisabeth Dörfler-Christa, schon immer Kundin bei Dieter Groh. Die persönliche Atmosphäre schätzt sie sehr: "Man kann auch mal ein Kind schicken oder den Geldbeuten vergessen haben". Und dass regionale Produkte eine Plattform erhalten sollen, sieht sie positiv: "Da weiß man, was man hat. Wenn so ein Laden mal weg ist, ist er weg."

Genossenschaft?

Das muss nach Überzeugung von Silke Mäusbacher, Fachbereichsleiterin für Nachhaltige Regionalentwicklung am Landratsamt Bamberg, nicht sein. Zusammen mit der Gemeinde will sie die Möglichkeiten für den Erhalt des "Dorfmarktes" ausloten. "Wir wollen der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich mit finanziellen Einlagen an einer Genossenschaft zu beteiligen, die das Geschäft weiter betreibt", sagt sie. Mehr als 100 Siegelbetriebe sind der Regionalkampagne "Region Bamberg, weil's mich überzeugt" inzwischen angeschlossen. Und nicht wenige davon haben ein Interesse an der Belieferung eines solchen Ladens inzwischen bekundet. Da gibt es Imker, Brauer, Mühlen, Gärtner, und natürlich Metzger, Bäcker, Käsereien und Fischgeschäfte. "Beide Seiten könnten profitieren", ist Mäusbacher überzeugt, "die Erzeuger wie die Kunden oder die Genossenschaft".

Der "Papst" kommt

Wie die Lösung aussehen und wer alles daran mitwirken könnte, das wollen die Litzendorfer morgen Abend bei einer Zusammenkunft am Donnerstag, 14. März, in der neuen Bücherei erörtern (Beginn 19 Uhr). Eingeladen haben sie dazu den deutschen "Dorfladen-Papst" Wolfgang Gröll aus Hallstadt. Mit ihm zusammen soll ein Konzept entwickelt werden, das dem Einkaufsmarkt in Litzendorf- Mitte die Zukunft sichert.