Die Demonstration gegen Nazis ist schon Geschichte, doch für eine 41-Jährige hatten die Proteste vom Oktober 2014 jetzt noch ein Nachspiel. Die Frau war damals kurzzeitig festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt worden. Sie soll Widerstand gegen die Polizeikräfte geleistet haben, indem sie laut Anklage eine Festnahme eines anderen Demonstranten mit Gewalt oder Drohung mit Gewalt verhindern wollte - die Bambergerin hatte den Mann festgehalten. Sie gab an, dass sie zufällig in die Situation geraten sei. Doch erging Strafbefehl. Die Frau sollte 750 Euro an die Staatskasse bezahlen - das akzeptierte sie nicht. Vor dem Amtsgericht Bamberg musste deshalb am Mittwoch geklärt werden, ob der Tatvorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erfüllt war.

Eindruck eines harten Vorgehens

Im Herbst hatten 150 Neonazis gegen "Asylmissbrauch" protestiert. Ihnen gegenüber standen rund 1000 Gegendemonstranten. Darunter auch die Angeklagte. Einige Dinge habe sie beobachtet, die sie verwirrten, gab ihr Anwalt Yunus Ziyal in der Verhandlung an. So habe sie mitbekommen, wie ein Demonstrant von einem Einsatzfahrzeug angefahren worden sei. Außerdem soll später - nach Ende der Proteste - am Bahnhof ein Jugendlicher von den Einsatzkräften, nachdem er ihnen den Stinkefinger gezeigt haben soll, hart angegangen worden sein: Laut dem Anwalt soll der Junge eine Platzwunde davongetragen haben. Das sei der Eindruck gewesen, unter dem die 41 -Jährige in die gerichtsrelevante Situation geraten sei.

Gegen 15 Uhr - die Demo war gelaufen - sei die Frau mit ihren beiden 13 und 16 Jahre alten Söhnen zurück zum Bahnhof gegangen, um die dort abgestellten Fahrräder zu holen. "Ich wollte einfach heim, mir hat der Tag gereicht", gab sie an. Plötzlich seien sie dabei in der Luitpoldstraße umstellt von Einsatzkräften gewesen. Es sei alles sehr plötzlich geschehen. Das bei Demos eingesetzte Unterstützungskommando (USK) wollte einen Mann festnehmen, der sich in der Menge mit der Frau befand. Sie habe den Mann instinktiv festgehalten. "Mir war wichtig: keine Gewalt." Die Sozialpädagogin gab an, dass alles dann schnell gegangen sei: Sie sei plötzlich am Boden gelegen. Mit demjenigen, den die Polizei festnehmen wollte. Dann wurde auch sie mitgenommen.

Ein Beamter des USK schilderte hingegen, dass es an dem Tag bereits zu Beginn der Demonstrationen kleinere Aktionen aus dem Lager der Bürgerlichen oder Linken gegeben habe, den anderen Demo-Zug zu stören. Gegen 15 Uhr sei es dann zu einer Festnahme in der Luitpoldstraße gekommen. Dabei habe sich die Situation mit der Beschuldigten entwickelt.

Harter Griff einer Frau

Der Beamte habe die Frau fixiert und mehrfach versucht, ihr klar zu machen, dass sie den Straftäter loslassen solle. Doch das habe sie nicht getan. Die Frau habe aus seiner Sicht bewusst gehandelt: "So einen harten Griff einer Frau kenne ich sonst nicht." In der Befragung des Beamten wurde auch klar, dass es Videoaufnahmen der Polizei gab. Allerdings waren diese nicht in den Akten vermerkt.

Den genauen Ablauf konnte Richter André Libischer somit am Mittwoch nicht nachvollziehen. Auf Vorschlag der Verteidigung und der Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren am Ende eingestellt. Die Frau muss nun 600 Euro an den Bayerischen Flüchtlingsrat bezahlen - hat aber keinen Eintrag im Strafregister zu fürchten. Die Prozesskosten trägt der Staat.