Es begibt sich dieser Tage, dass drei finstere Gestalten, Männer hart von Faust, und bis an die Zähne bewaffnet, im dunklen, tiefen Burggraben der Altenburg ihrem eher unehrenhaften Handwerk nachgehen. Sie überfallen Kutschen, rauben, klauen und entführen gelegentlich auch schon mal kleine, pinkfarbene Mädchen. Das ist ihre Arbeit, denn Donnerjakob, Flint und Malente - Pascal Averibou, Florian Berndt (der sich mit Valentin Kärner abwechselt) und Benjamin Bochmann - sind Räuber, und selbst in der Hölle gefürchtet. Das bilden sie sich jedenfalls ein. "Die drei Räuber" - das ist die Sommerproduktion von Chapeau Claque, für die Bühne inszeniert von Marsha Cox nach dem Kinderbuch von Tomi Ungerer.

Die Premiere musste um eine Woche verschoben werden.
Am ursprünglich geplanten Termin stand der Burggraben, wie es sich für einen ordentlichen Burggraben eigentlich auch gehört, unter Wasser, und die zauberhaften Kostüme von Nikola Voit sind eben keine Ostfriesennerze. Wie auch immer, nass oder trocken, es ist herrlich mit zu erleben, wie Tiffany, das ganz in Pink gekleidete und "entführte" Waisenkind (einfach süß und souverän - Astrid Haas wie auch Susanna Bauernfeind) die drei Machos in bester Tradition einer Becky Sharp um den Finger wickelt.


Wandlungsfähige Bühne

Vanity Fair. Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, und die Eitelkeit ist des Teufels Lieblingssünde. "Und was ist mit mir? Ich bin die Beute", kräht Tiffany empört, als die hartgesottenen Räuber ihr keinerlei Beachtung schenken, denn ins Waisenhaus will sie auf keinen Fall. Dann schon lieber auch Räuber werden. Schlangenklug bringt sie die Finstermänner dazu, sie zu entführen, und sehnt sich dabei doch nur nach Geborgenheit. Die kann auch eine Räuberhöhle bieten. Die wandlungsfähige Bühne stammt von David Grimm, gebaut von Martin Klerner und Niko Katsios. Die reizende Tiffany wirbelt die heile Räuberwelt, bisher dominiert von einer Donnerbüchse, Pfefferspray und einer gewaltigen Axt, völlig durcheinander. Gegen ihre fürsorgliche Zärtlichkeit ist kein Kraut gewachsen, und sogar der ewig mißmutige, knurrige Benny "Malente" Bochmann, ein überzeugend verkörperter, aber doch so sehr verletztlicher Kotzbrocken, der das kleine Mädchen zunächst für eine Art lästiges Insekt hält, wird sie schließlich vermissen.

"Zu nichts zu gebrauchen, aber zu allem bereit!", mit diesem Schlachtruf brechen die ziemlich zahm gewordenen Räuber auf, um ihre Tiffany aus den Fängen der bösen Zucker-Tante zu befreien, die ihr Waisenhaus mit gnadenloser Härte und höhnischem Zynismus regiert. Kinder mag sie nicht. Nicht nur ihre Schutzbefohlenen, sondern auch die Kleinen im Publikum werden übelst, aber natürlich augenzwinkernd, beschimpft.

"Das war das verrückte Huhn, die mit dem Staubsauger", sagte eine kleine Zuschauerin, und davon total überzeugt, nach Heidi Lehnerts mitreißendem Operetten-Solo (tolle Musik, tolle Stimme; Musik - Rolf Böhm). Nein, war es nicht. Eine verzeihliche Verwechslung mit Laura Mann. Dass Mann singen kann weiß man, aber Lehnert kann es eben auch. Szenenapplaus für die böse Tante (beide wechseln sich in dieser Rolle ab, wunderbar affektiert, ein wenig pupsig und stimmgewaltig).

Und dann sind da ja auch noch die Tiere des Waldes, die, wen wundert's, na klar auf Tiffanys Seite sind. Und eine Kröte kann doch hüpfen, aber nicht weitersagen ...

Die drei Räuber nehmen ihr Publikum mit. "Mich hat auch nie einer vermisst. Und - hat es mir geschadet?", fragt Tante Heidi Lehnert schnippisch. "Ja", lautet die Antwort aus dem Kreis der Besucher, eine tiefe, männliche Stimme. Und Pascal Averibous Zweizeiler "Ohne Arbeit keine Liebe, ohne Arbeit gibt es Hiebe" scheint sich zu einem Ohrwurm zu entwickeln.


Einfach gestrickte Burschen

Als die drei bösen Buben wie eine Art Naturkatastrophe auf der Bühne erscheinen, begannen einige der kleinen Zuschauer zu weinen, aber die im Grunde herzensguten, einfach gestrickten Burschen hatten schon bald alle Lacher auf ihrer Seite. Und es wurde herzhaft gelacht.

Kindgerechter Wortwitz, Situationskomik, Action ohne Effekthascherei, ein Ensemble, das Spaß hat und diese Spielfreude auch transportiert, das sind die drei Räuber in dem inzwischen überdachten Burggraben. Die Produktionsleitung hatte ebenfalls Heidi Lehnert, assistiert von Sandra Grünberg.

Weitere Vorstellungen finden am 26. Juni, 10., 24., 31. Juli, 7., 14., 18., 21. August und 11. September jeweils um 15 Uhr statt, am 17. Juli um 16 Uhr, am 4. und 11. August sowie am 8. September um 17 Uhr. Die Vorstellungen für Schulen und Kindergärten reichen vom 4. bis zum 29. Juli, Montag bis Freitag, jeweils um 9 und um 10.30 Uhr (Telefon 0951/39333).

Kartenvorverkauf bei Collibri, BVD und im Ertl-Zentrum.