Was Jiu-Jitu-Europameisterin Andrea Pflefka unter "gemütlich" versteht, lässt sich mit der herkömmlichen Definition dieses Wortes wohl kaum vereinbaren. Beim Heimatabend "Der FT bei uns in Pommersfelden" kündigte die aus Sambach stammende Sportlerin das "Fighting" mit ihrer Lichtenfelser Sportkameradin Carina Neupert als "etwas langsamer und gemütlicher" als üblich an. Der Grund dafür war, dass es auf der Bühne der Pommersfeldener Turnhalle keine schützenden Matten gab und die Lichtenfelserin zudem eine Verletzung hatte.

 


Die Besucher bekamen schon vom Zuschauen blaue Flecken. Auch Gertrud Glössner-Möschk, Leiterin der FT-Lokalredaktion, die den Abend moderierte, zeigte sich stark beeindruckt: "Der helle Wahnsinn. Wie im Fernsehen!"

Aus einer ganz anderen Perspektive sahen "die Dorftratschen" Marie und Traudl, alias Matthias Burkard und Holger Wiesneth, den Schaukampf der Sportlerinnen: "Das ist die Grundausbildung, um beim FC Pommersfelden (unter dessen Flagge Andrea Pflefka kämpft) in die erste Fußballmannschaft zu kommen", kommentierten sie die Vorstellung.

In der Gemeinde gibt es nichts zu meckern
Die beiden Originale, seit Jahren ein Highlight des Sambacher DJK-Faschings, gaben auch dem vom Fränkischen Tag initiierten Heimatabend eine überaus heitere Note. Zu meckern gebe es in der Gemeinde eigentlich kaum was, meinten Marie und Traudl, die eigentlich zum "Burgerking" (Bürgermeister Hans Beck) vordringen wollten.

Sie waren um keine Antwort verlegen, ganz gleich welche Fragen an sie gerichtet wurden. Der Moderatorin Glössner-Möschk, die ganz auf ihren Stil einging, wünschten die beiden Komödianten, sie möge an diesem Abend nicht von der leitenden zur leidenden Redakteurin mutieren.

Aber es gab natürlich ganz viele andere Akteure, die den Abend zu einem vollen Erfolg werden ließen. Drei "G'maa-Diener" (Fedor Glinka, Sonja Günl, Sandra Thoma) läuteten mit alten Gmaa-Glocken die Ankunft des Fränkischen Tags ein, samt der Aussicht auf Neuigkeiten und aktuelle Informationen.

Überhaupt präsentierte sich die Gemeinde Pommersfelden mit Bürgermeister Hans Beck an der Spitze von ihrer besten Seite. "Pommersfelden wie es singt und klingt" wäre ein treffender Titel gewesen.

Wie der Nikolaus seinen Hut verlor
Festlich eröffnete der Posaunenchor unter Leitung von Werner Hofmann den Abend. Das Orchester der Kreismusikschule vereinte auf der Bühne 24 Kinder und Jugendliche. Mit ihrer Leiterin Kathrin Ottilie bewiesen sie unter anderem mit der russischen Volksweise "Kalin ka" ihr Können.

Sehr selbstbewusst zeigte sich die Klasse 4a der Grundschule Pommersfelden: Ihr Singspiel "Wie der Nikolaus seinen Hut verlor" sagten die Schüler selbst an. Sehr zur Freude der Darsteller fand sich der Hut des heiligen Mannes nach aufwändiger Suche in der ganzen Welt in Pommersfelden wieder. Schulleiter Claudio Pütz hatte das Spiel mit den Kindern einstudiert.

"Bauernmadla hie, Bauernbörschla her" gab der aus mehreren Chören gebildete Gemeinschaftschor unter der Leitung von Dominik Ignatzek zum Besten. Mit dem Akkordeon begleitete Otto Seubert den Chor. Dass die Damen, wenn sie denn erst verheiratet sind, "die Hosen anhaben", bewies eine Sängerin mit einer (kleinen) Dusche aus einem Wassereimer. Selbst Marie von den Dorftratschen fand die Darbietung "super". "Ich werd mich hüten, was anderes zu sagen. Schließlich hot mei Schwiegermutter mitg'sunga", begründete sie ihr Lob.

Rhythmus im Blut scheinen in Pommersfelden schon die jüngsten zu haben: Die 18 Kinder der Hip-Hop-Gruppe unter der Leitung von Karina Brehm bekamen für ihre flotte Tanzeinlage begeisterten Applaus. Kontrastprogramm war der nachfolgende Beitrag der Pommersfeldener Heimatmusik: Otto und Susanne Deppert, die seit Kindesbeinen singen und musizieren, zogen gemeinsam die Uhr auf und trafen sich zu einem musikalischen Tausch-Dialog.

Bretter zerschmettert
Die jüngsten Sportler der Taekwondo-Abteilung des FC Pommersfelden zogen zur Musik von "We will rock you" in die Halle ein. Unter ihrem Leiter Rainer Giehl demonstrierten die Kids Selbstverteidigungsübungen und ihre Lieblingsdisziplin, den "Bruchtest". Unter der Schlagkraft selbst der jüngsten Sportler zerbarsten Bretter in zwei Teile.

"Die scho widdä", nennt sich eine Gruppe die mit "hausgemachter Wirtshausmusik" aufwartete. Gegründet wurde sie von Mitgliedern der Pommersfeldener Musikerfamilie Zeiler. Die Gruppe, die ihre Lieder selbst komponiert und textet, kam beim Casting für die TV-Sendung "Franken sucht den Super-Narr" in die Vorauswahl und ist am 17. Januar im dritten Programm zu sehen.

Als Franken aus "am b'sonderen Holz" bewiesen die fünf Musiker mit ihrer "Franken-Hymne" ihre Verwurzelung in der Heimat. Aber auch Jodeln - für Franken total untypisch - ist ihr Metier.

Kirchenquiz mit dem Publikum
Das wollten die in der Gemeinde tätigen Pfarrer sicher schon lange wissen: "War unsere Arbeit in all den Jahren für die Katz?", fragten sich Wolfgang Eßel, Angelika und Andreas Steinbauer mit Vikarin Anna Bamberger. Ein Wissenstest mit dem Publikum sollte die Frage beantworten. Am Ende waren sie sehr beruhigt: Die meisten Fragen im Kirchenquiz wurden vom Publikum richtig beantwortet.

Während der Obst- und Gartenbauverein Sambach selbst gepressten Apfelsaft ausschenkte, packte der Nachbarverein aus Steppach die Gelegenheit beim Schopf, um sich und seine umfangreiche Arbeit vorzustellen. Ute Schleicher trug zudem ein von Marie Will verfasstes Gedicht vor, das Steppach "im Wiesergrund im Ebrachtal" als ganz besonderen Ort pries.

"Memory", der Titelsong aus dem Musical "Cats", gesungen vom Projektchor der Gemeinde unter der Leitung von Andreas Brunner, ließ die Zuhörer lauschen. Ohne Konkurrenz zu den anderen Gemeindechören solle dieser Chor vor allem junge Menschen ansprechen, sagte Rainer Dippold.

Dippold hat nicht nur bei der Gründung des Projektchores mitgemischt, er ist auch der "Vater" der Bürgerstiftung Pommersfelden. Sie hat sich die Förderung der musischen Arbeit, aber auch Hilfe für Menschen in Not zum Ziel gesetzt.

Für den musikalischen Ausklang des Abends sorgten die Oberndorfer Wirtshaussänger. Die lose Gemeinschaft, für die Heinrich Geyer die Fäden in der Hand hat, trifft sich jeden letzten Mittwoch im Monat zum Singen in Oberndorf. Diesmal nahmen sie samt Bier und Wirtshausschild auf der Bühne der Turnhalle Platz und stimmten drei Weisen aus ihrem 120 Lieder umfassenden Repertoire an.

Pommersfelden ist mein schönes Heimatland", klang es zum Abschluss aus vielen hundert Kehlen. Zum Finale waren die Gemeinderäte mit Ortsschildern der zehn Gemeindeteile in die Halle einmarschiert.

Bürgermeister Hans Beck hatte sich schon eingangs bei allen bedankt, die mitgeholfen hatten, diesen Abend zu gestalten. Ein wirklich "bunter" Abend, der von den jüngsten bis zu den Senioren alle Gemeindebürger vereinte. "Wir wissen, was wir an unseren Vereinen und Organisatoren haben", bedankte sich Beck.

Der Kindergarten hatte die Bühne mit bunt geschmückten Christbäumen ausgestattet. Der Gemeindechef freute sich, dem Fränkischen Tag einmal demonstrieren zu können, "was bei uns hier alles los ist".

Lebendige und aktive Gemeinde
Verständlich, dass er an die Leiterin der Lokalredaktion, Gertrud Glössner-Möschk, mit der Bitte herantrat, "ein paar Blätter mehr reinzulegen", um dieser überaus lebendigen und aktiven Gemeinde im Fränkischen Tag ausreichend Platz für die Berichterstattung zu sichern.

Gertrud Glössner-Möschk bedankte sich für die hervorragende Organisation bei Irene Beck und dafür, dass sich ihr in der Gemeinde sofort alle Türen geöffnet hatten.

"Hier lässt es sich gut leben. Hier kann man noch feiern und jedes Dorf hat noch ein echtes Dorfleben", stellte Bürgermeister Beck fest. Natürlich habe die Gemeinde viel dazu getan, dass Pommersfelden seinen Bürgern eine liebens- und lebenswerte Heimat ist.

Ortsnahe Arbeitsplätze und eine Infrastruktur, die sich sehen lassen könne, trügen dazu bei. Nicht von selbst sei die Gemeinde vom letzten Drittel bei der Steuerkraft in das erste Drittel im Kreis vorgerückt. Obwohl die Ansiedlung nicht ganz einfach gewesen sei, hätten sich in der Gemeinde ein Arzt und ein Zahnarzt niedergelassen. Eines der Unternehmen in der hervorragenden Mittelstandstruktur der Gemeinde Pommersfelden sei die Mühle in Sambach.