Wie viel Franken steckt diesmal wirklich im Frankentatort?
Markus Imboden (Regisseur): Wir sind hier in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bamberg. Von Bamberg selbst sieht man zwar nicht viel, aber die Geschichte spielt hier. In jeder Stadt gibt es gute und böse Menschen, die zu einem Krimi gehören, deshalb hätte die Geschichte auch woanders spielen können.

Wie ist es am Dreh-Set, sind Sie schon eine kleine Familie?
Markus Imboden (Regisseur): Es ist wirklich schön mit den Kollegen und den Flüchtlingen, die teilweise auch wirklich Flüchtlinge sind. Es herrscht gute Stimmung und ich denke wir mögen uns alle. Sie spielen auch sehr gut, es lohnt sich den fertigen Film anzuschauen.


Herr Hinrichs, Sie kommen ja gar nicht aus der Region, haben Sie sich ein bisschen fränkisch angeeignet und wie finden Sie es hier?
Fabian Hinrichs (Schauspieler): Es wäre wahrscheinlich etwas merkwürdig, wenn ich anfangen würde zu fränkeln, aber ich fühle mich hier sehr wohl. Das war von Anfang an schon so. Ich habe keine Distanz gefühlt. Bamberg ist sehr gemütlich und heil. Besonders interessant fand ich es, dass Bamberg nie eine Befestigungsanlage gehabt hat und deshalb nicht niedergebrannt wurde. Das habe ich in einem Kunstreiseführer gelesen.

Was hat Ihnen an Bamberg besonders gut gefallen?
Fabian Hinrichs (Schauspieler): Ich finde es sehr gemütlich hier. Ich habe in diesem Reiseführer auch gelesen, dass Bamberg die viertschönste Stadt Europas ist. Das fand ich sehr lustig, dass der Kunsthistoriker das einfach so behauptet hat. Aber es ist hier wirklich erschreckend schön und Bamberg ist unglaublich intakt für eine deutsche Stadt. Ich komme aus Hamburg, und das ist zu 60 Prozent zerstört gewesen. Es ist also völlig erstaunlich, wenn man hier rumläuft und sehr alte Häuser aus verschiedenen Epochen sieht. Das ist schon toll hier.
Markus Imboden (Regisseur): Mir ist aufgefallen, wie freundlich die Menschen sind. Auch in den Geschäften wird man freundlich aufgenommen und bedient. Das fällt besonders im Vergleich zu Berlin auf. Es gibt hier sehr offene, freundliche Menschen, das gefällt mir sehr gut. Auch die Gegend ist toll. Das Essen finde ich schlecht. In der Schweiz hassen wir die Touristen und die Einheimischen geben es ihnen zu spüren. Das ist hier nicht so.
Stephanie Heckner (Redakteurin): Hier herrscht eine ruhigere, gelassenere Gangart. Und das empfinde ich als gesund und sehr angenehm.
Yasin El Harrouk (Schauspieler): Ich war mal für eine Stunde in der "Fruchtbar". In Bamberg hat man schon eher eine Bar-Szene. Aber ich finde auch die Altstadt wunderschön. Ich trinke meinen Kaffee gerne an der oberen Brücke. Es ist eine tolle italienische Atmosphäre in Franken - also in Bamberg.

Wie ist es als Bambergerin daheim zu drehen?
Eli Wasserscheid (Schauspielerin): Bamberg ist noch schöner, als ich dachte. Es war wirklich toll, wieder eine Weile hier zu sein. Wenn ich frei hatte, konnte ich meine Lieblingsorte besuchen und Freunde treffen. Ich konnte Stadtführungen für die Kollegen machen. Da sieht man die Stadt nochmal ganz anders, wenn man sie jemandem zeigt. Jederzeit wieder!

Was bereits verraten wurde: Kommissar Felix Voss ermittelt diesmal undercover. Ist es anders eine Rolle in der Rolle zu spielen?
Fabian Hinrichs (Schauspieler): Etwas anders denke ich schon. Es ist anspruchsvoller, weil ich mit etwas Akzent sprechen muss. Ich habe aber einen gewissen Schutz, weil meine Rolle Felix Voss den Akzent ja auch nur probiert. Klar probiert es Voss so gut wie möglich und ich somit auch. Das ist dann schon eine andere Anforderung als im normalen Film. Aber ich hatte ja einen tschetschenischen Berater.

Es hat bis hierher ja fast zwei Jahre gedauert und die Flüchtlingssituation hat sich verändert. Wie ist es, wenn man von den Entwicklungen der Realität ein bisschen überrollt wird?
Stephanie Heckner (Redakteurin): Im letzten Jahr ist die ganze Flüchtlingssituation ja förmlich explodiert. Wir saßen in der fast zweijährigen Zeit der Drehbuchentwicklung wirklich viel daran, weil sich die Umstände ständig geändert haben. Das Drehbuch musste der Realität also immer angepasst werden. Der Frankentatort soll zum Zeitpunkt der Ausstrahlung Anfang 2017 schließlich so realistisch wie möglich sein. Ich habe gehört, dass es dieses Jahr um die 300 000 Flüchtlinge sein sollen und im nächsten Jahr wird das definitiv noch ein gesellschaftliches Thema sein. Ich glaube, dass wir tatsächlich die Kurve gekratzt haben und es in der Drehbuchentwicklung hingekriegt haben, dass es realistisch sein wird. So ein politisches Thema aufzugreifen, ist schon sehr schweißtreibend.
Markus Imboden (Regisseur): Wobei es schon darum geht einen Film zu machen, der nicht primär aktuell sein will, sondern auch über Menschen erzählt und was ihnen passiert. Das wird auch weiter Thema sein und bleiben.
Stephanie Heckner (Redakteurin): Das war auch das Interesse unseres Drehbuchautors Holger Karsten Schmidt. Seine Frau arbeitet nämlich ehrenamtlich mit Flüchtlingen. So ist er auch auf dieses Thema gekommen, weil er in seinem persönlichen Leben immer wieder Begegnungen hat. Er ist der Meinung, Fremdenfeindlichkeit entsteht immer nur dort, wo es eigentlich an Begegnungen mangelt. Denn da wachsen die Vorurteile. Im Grunde ist ein Tatort die Möglichkeit, auf einer fiktionalen Ebene Begegnungen zu schaffen. Es geht uns also um die menschliche Dimension in der Geschichte.

Wie groß ist Ihre Hoffnung als Team mit dem Tatort tatsächlich was ändern zu können?
Stephanie Heckner (Redakteurin): Jeder Film ist dann gut, wenn er auch emotional ist. Wenn ich aus einem Film rausgehe und ich wurde in einen Geisteszustand gebracht, den ich vorher nicht hatte. Wir haben schon die Hoffnung, dass unser Film geistig verfängt. Wir haben Hauptfiguren, die ganz klar Farbe bekennen gegen Fremdenfeindlichkeit. Vor allem die Figur Felix Voss steigt geistig über den Zaun, er geht auf die andere Seite. Das ist etwas, was wir alle häufiger tun sollten.

Gab es Probleme oder gar Drohungen, als das Thema bekannt wurde?
Stephanie Heckner (Redakteurin): Nein, überhaupt nicht.

Muss man bei der ganzen Flüchtlings-Thematik die Komik anders dosieren?
Matthias Egersdörfer (Schauspieler): Da ist diesmal ziemlich wenig Komik drin. Ich bin tatsächlich froh, wenn ich vier Wochen mal wenig mit Komik zu tun hab.
Dagmar Manzel (Schauspielerin): Innerhalb von den Szenen, wenn Kollegen miteinander reden, gibt es natürlich Plänkeleien. Man merkt einfach, dass wir schon das dritte Mal zusammen arbeiten. Es macht einfach Spaß miteinander. Wenn man sich kennt, sind es ganz andere Voraussetzungen, als wenn man sich beim Dreh das erste Mal trifft.

Spielt es eine Rolle für den Film, dass in Bamberg wirklich Flüchtlingsaufnahmen geplant sind?
Martin Zimmermann (Produzent): Dieser Ort ist einfach ein perfektes Motiv. Mit dem Thema setzt man sich auseinander, aber ob das geplant ist oder nicht, hat mich nicht wirklich beeinflusst. Ich sehe das hier in erster Linie als Spielwiese.
Dagmar Manzel (Schauspielerin): Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, durch den Dreh Bamberg kennengelernt zu haben. Ich habe mein Wissen von Elis Stadtführung gleich an Freunde weitergegeben, die gekommen sind. Es ist eine wunderschöne Stadt. Es war ein sehr angenehmes Drehen, ich habe mich sehr wohl gefühlt.

Warum wurde Bamberg als Drehort ausgewählt?
Martin Zimmermann (Produzent): Ich habe es in 25 Jahren noch nicht erlebt, dass ich beim ersten Motiv Bingo sage. Dann war das ein Selbstläufer, also Bamberg ist ein Traum. Ich habe hier so gerne gedreht und bin durch die Straßen gelaufen. Wenn man aus Köln kommt, wird man praktisch erschlagen, so schön ist das. Das ist wirklich kein Blabla, ich weiß nicht, ob ich schon mal entspannter gedreht habe als hier. Ich habe hier einen Stamm-Bäcker und Stamm-Metzger und kann einfach ohne Navi durch die Gegend fahren. Ich habe mich in die Stadt verliebt. Meiner Freundin habe ich auch schon gesagt, dass wir mal her fahren müssen.

Alle Brauereien auch schon getestet?
Martin Zimmermann (Produzent): Ich mag kein Rauchbier, aber sonst komme ich mit dem Bier hier gut klar.