Nur acht Monate ist Matthias Schneiderbanger Bürgermeister der Gemeinde Zapfendorf im Landkreis Bamberg gewesen, von Anfang Mai 2014 bis zum 2. Dezember 2014. Dann beendete die Polizei abrupt die beiden Karrieren des damals 36 Jahre alten Diplom-Verwaltungswirts (FH): die politische, deren Gipfel der überragende 58,59-Prozent-Sieg über drei Mitbewerber für das Amt des Bürgermeisters am 16. März 2014 war, und die kriminelle, von der die Zapfendorfer Bürger bis zu diesem Zeitpunkt keinen Schimmer hatten und entsprechend überrascht waren.

Schneiderbanger wurde festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Exakt 279.500 Euro hatte der ehemalige Leiter des Bürgerbüros der Gemeinde Zapfendorf und spätere Bürgermeister über zwei Jahre hinweg aus der Gemeindekasse genommen und veruntreut.

Das Gericht als freier Mann verlassen

Am Schöffengericht für Wirtschaftsstrafsachen in Hof fand am Donnerstag die Hauptverhandlung wegen schwerer Untreue in 28 Fällen statt. An deren Ende stand die Verurteilung Schneiderbangers zu zwei Jahren auf Bewährung. Er konnte das Gericht als freier Mann verlassen.

Mit der Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwalt Michael Hoffmann wurde das ganze Ausmaß der Vorwürfe deutlich, über die in den vergangenen Monaten viel spekuliert worden war. Demnach war Schneiderbanger seit dem Jahre 2008 selbst das Opfer eines gerissenen Betrügers namens Charlie K. (Name von der Redaktion geändert), zu dem ihm sein damaliger Vermögensberater den Kontakt vermittelt hatte.

Charlie K. residierte in der Karibik und stellte dem Zapfendorfer Verwaltungsbeamten Schneiderbanger, der damals Leiter des Bürger- und Standesamtes war, ein lukratives Geschäft in Aussicht. Wortgewandt gaukelte er ihm vor, er baue eine exklusive Zigarrenfabrik in der Dominikanischen Republik auf und suche private Investoren.

Schneiderbanger schenkt "Geschäftspartner" weiterhin Glauben

Schneiderbanger ließ sich überzeugen, kratzte seine Ersparnisse zusammen und überwies auf das Konto von Charlie K. in den Jahren 2008 bis 2012 rund 160.000 Euro in insgesamt 91 Teilbeträgen. In diesen Jahren floss aus der Karibik kein einziger Euro an Rendite an Schneiderbanger zurück - und trotzdem schenkte dieser seinem "Geschäftspartner" weiterhin Glauben.

Im Januar 2013 tischte K. ein neues Märchen auf: Er brauche weiteres Geld, um mehrere für das Unternehmen notwendige Prozesse führen zu können. Schneiderbanger beugte sich dem massiven Drängen in der Hoffnung, einen Totalverlust seines Vermögens abzuwenden. Doch anstatt eigene fest angelegte Gelder aufzulösen oder Grundstücke zu veräußern - wie es auch möglich gewesen wäre -, entschloss er sich zum schnellen Griff in die Gemeindekasse.

Laut Anklageschrift hob Schneiderbanger Geldbeträge teils in bar von den Gemeindekonten ab, teils überwies er Geld an das Konto eines Vereins, dessen Kassier er war und für dessen Konto er eine Einzelvollmacht besaß. Von dort wiederum hob er das Bargeld ab - und verschwieg die Transaktion in den Vereinsbüchern.

Abhebungen fielen zunächst nicht auf

Auf diese Weise zweigte er zwischen dem 6. Januar 2013 bis zu seinem Amtsantritt am 1.Mai 2014 exakt 232 500 Euro aus der Gemeindekasse ab. Dabei manipulierte er die Buchführung so geschickt, dass die unrechtmäßigen Abhebungen und Überweisungen nicht auffielen. Zu Gute kam ihm der Umstand, dass er bei seinen Kollegen sehr beliebt war und als absolut ehrlich galt.

Mit dem Amtsantritt als Bürgermeister wurde es für Schneiderbanger schwieriger, an das Geld der Gemeinde zu kommen, doch in der Karibik ließ Charlie K. nicht locker. So missbrauchte der Bürgermeister im Oktober 2014 seine Anordnungsbefugnis und wies zwei zeichnungsberechtigte Mitarbeiter an, in zwei Vorgängen weitere 47.000 Euro zu überweisen. Die Serie ging erst zu Ende, als eine Mitarbeiterin wegen der hohen Summe Verdacht schöpfte.

Im Gerichtssaal zeigte der Ex-Bürgermeister Reue und entschuldigte sich bei den Zapfendorfer Bürgern für das missbrauchte Vertrauen. Was die Zukunft für ihn bringen wird, weiß er nicht, sicher aber keine Beamtenstelle mehr und ein Leben mit hohen Schulden, die er auf irgendeine Weise begleichen muss. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.