Während unsere Sommerserie die Reporterkollegen oftmals in Orte verschlägt, die sie noch nie gehört, geschweige denn gesehen haben, traf der Pfeil dieses Mal gewissermaßen ins Bull's Eye: Es geht nach Gaustadt – ein Stadtteil von Bamberg . Genauer: Der Startpunkt liegt direkt am Rand eines asphaltierten Weges, der parallel zur Bundesstraße 26 verläuft. Südwestlich ist die RZB Lighting zu sehen, bis zum Ortsschild ist es nur ein Katzensprung.

Dort angekommen, folgen wir der Hauptstraße. Handwerker verrichten ihr Tagwerk, gelegentlich steigt jemand an der Heinrich-Semlinger-Straße in die Buslinie nach Bamberg und der eine oder andere Gaustadter Vierbeiner bekommt seinen Auslauf. Die Sommerhitze drückt etwas – einzig eine Mutter stört die gelassene Stimmung der Szenerie: Sie schimpft lautstark mit ihrem Sohn – der hat seinen Mund-Nasen-Schutz zuhause vergessen und sie kann mit ihm nun nicht ins Fotogeschäft. Total entspannt wirken hingegen Sabrina Agcioglu und Nadine Baum.

Die beiden Gaustadterinnen sitzen vor einer Bäckerei , trinken Kaffee und unterhalten sich angeregt. Für die beiden ist ihr Stadtteil eine angenehme Mischung – noch nicht wirklich städtisch, aber auch nicht dörflich. "Ich möchte hier gar nicht mehr raus", sagt Agcioglu. Lachend ruft sie Francesco an ihren Tisch. " Gaustadt hat alles: Metzger, Einkaufsläden, eine Schule, ein Schwimmbad, eine Brauerei , Restaurants. Du bist in zehn Minuten in der Stadt. Also etwas abseits, aber trotzdem dabei", charakterisiert der Pizzeriabetreiber den Stadtteil , ehe er weiter schlendert.

Stadion weckt Fußballnostalgie

"Früher haben sich alle am Stadion getroffen. Das ist jetzt nicht mehr so", antwortet Agcioglu auf unsere Frage, nach den Treffpunkten in Gaustadt .

Heute am frühen Nachmittag ist am Stadion nicht viel los. Ein paar Mitarbeiter des Bauhofs sind damit beschäftigt, den neuen Kunstrasenplatz auszubessern. Das andere Spielfeld und die Tribüne sind leer. Die strotzt mit ihren alten Holzbänken und dem Unkraut dazwischen nur so vor Fußballromantik – die Spielstätte der beiden ortsansässigen Vereine wurde am 12. Oktober 1974 eingeweiht.

Gut 45 Jahre später kam es hier zu einem bis dahin nie dagewesenen Ereignis: Die DJK Teutonia Gaustadt traf zum ersten Mal in einem Punktspiel auf den ASV Gaustadt . Beim 2:0- Sieg des ASV waren so viele Zuschauer auf den Rängen, dass es an die Heimspiele auf dem legendären Sportplatz an der Schwarzen Brücke erinnerte – oft waren damals über 1000 Zuschauer in Gaustadt .

Der Bamberger Reiter auf zahlreichen Werbebanden am "neuen" Sportgelände gibt die nächste Stadion des Tages quasi schon vor: "Kaiserdom – Bambergs Specialitäten Brauerei ."

Dort liegt schon auf dem Hof der Malzgeruch in der Nase. LKW und Gabelstapler fahren übers Gelände. Mitarbeiter verladen die silbernen Fässer, die sich meterhoch auf Europaletten stapeln. Im neuen Sudhaus der Brauerei ist es heiß und etwas stickig – der Mund-Nasen-Schutz wird zunehmend lästig.

Neben den Braukesseln sind eine Schrotmühle und ein Energiespeichertank zu sehen. Sabine Heinel empfängt uns. Sie arbeitet seit 2017 in der Traditionsbrauerei und zeigt uns die neue -Rückgewinnungsanlage. Diese reduziere den Ausstoß des Treibhausgases immens, erklärt Heinel. "Wir sind eine grüne Brauerei ", bringt sie den Selbstanspruch des Familienunternehmens auf den Punkt.

Kaiserdom exportiert sein Bier in die ganze Welt – unter den 65 Ländern sind sogar solche muslimischer Prägung. Für die muss das Gebräu "halalfähig" sein, darf also absolut keinen Alkohol haben. Mittlerweile gibt es ein "0,0" auch für die Kunden hierzulande. "Für Schwangere und Autofahrer zum Beispiel" erklärt Heinel. Obwohl die Produkte ihres Arbeitgebers rund um den Globus getrunken werden, fühle sich das 60-köpfige Unternehmen sehr mit der Stadt Bamberg verbunden. Nicht zuletzt der Name und der Bamberger Reiter im Logo zeigen die Nähe zur Domstadt.

Wie schmeckt denn dieses Rauchbier?

Aus der kommt Karl-Heinz Heurich gerade auf seinem E-Bike angefahren. Gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar ist der Rentner auf dem Weg von Bamberg nach Aschaffenburg. Am Main-Donau-Kanal bei Gaustadt machen sie einen kurzen Zwischenstopp. Zum Kanal erinnert er sich: "Ich weiß noch, wie zur Zeit von Franz-Josef Strauß drüber diskutiert wurde. Das ist doch rausgeworfenes Geld, haben viele gesagt", erinnert er sich. Sein norddeutscher Akzent lässt erahnen, dass er Tourist ist.

Der Hamburger möchte wissen, wie denn das Bamberger Rauchbier schmeckt. Unser klassischer Vergleich mit dem Räucherschinken scheint ihn nicht abzuschrecken: Wenn die Urlauber in Aschaffenburg angekommen sind, geht es mit dem Zug zurück nach Bamberg – nächster Halt: Das Schlenkerla in der Sandstraße. Für heute fährt die Gruppe aber erst einmal nach Haßfurt. "Hoffentlich regnet es nicht", sagt Heurich mit einem besorgten Blick in den Himmel – der zieht sich allmählich zu.