"Es ist wichtig, dass die Leute wählen gehen", betont Bruno Kellner immer wieder. Am Sonntag, 12. März, wird im Markt Rattelsdorf der Bürgermeister bestimmt. Zum dritten Mal stellt sich Kellner dem Votum. Im Gegensatz zu den vorherigen Wahlen hat er es dieses Mal ungleich leichter: Er muss sich nicht mit zwei oder gar drei Gegenkandidaten herumschlagen, sondern er ist alleiniger Kandidat. Trotzdem: "Es ist wichtig, dass die Leute wählen gehen."

Erst vor kurzem hat der 60-Jährige damit begonnen, Plakate aufzuhängen. Von Wahlkampf-terminen mag er nicht sprechen, er nennt es Infoveranstaltungen, zu denen er in nahezu allen der 13 Gemeindeteile einlädt. Wie zuvor wird er auch jetzt wieder alles aus der eigenen Tasche bezahlen.

Warum wählt Rattelsdorf überhaupt in einem anderen Turnus als der überwiegende Rest der Kreis-Kommunen? "Gerhard Jäger war vor zwölf Jahren aus gesundheitlichen Gründen in der Hälfte seiner Amtszeit zurückgetreten", erklärt Kellner. Er hat Jäger als politischer Quereinsteiger ("Ich war vorher nicht im Gemeinderat") und als Kandidat aus dem zweitkleinsten Gemeindeteil (Freudeneck) im Amt beerbt. Vor seiner ersten und zweiten Amtsperiode fiel die Entscheidung jeweils in einer Stichwahl. Nun zeigt sich der frühere Beamte, der in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg in leitender Funktion tätig war, stolz und zufrieden: zufrieden damit, dass er auch die letzten Wahlversprechen nahezu alle erfüllt hat.

Rattelsdorf stehe hervorragend da, bilanziert er. Die Infrastruktur sei top mit Kindergärten, Krippe, Dorferneuerung in nahezu allen Gemeindeteilen, mit 19 (teils ertüchtigten oder neu gebauten) Kinderspielplätzen, Breitbandausbau, Straßeninstandsetzung, einem Hochwasserdamm in Ebing und einem zentral im Gemeindegebiet gelegenen und aufgerüsteten Bauhof.

Dass sich in Rattelsdorf was tut, lässt sich allein schon beim Blick aus dem Rathaus erkennen: Gleich gegenüber wird an Abbruch, Generalsanierung und Erweiterung der Grundschule gearbeitet, "ein Sechs-Millionen-Projekt", so Kellner. Im Ortskern künden Kräne von Bautätigkeiten - das ortsbildprägende Torhaus wird renoviert. Trotz der vielen Investitionen - "allein in Kindergarten und Krippe flossen zuletzt knapp zwei Millionen Euro" - stehe der Markt finanziell gut da: Zum Jahresende wird sich der Schuldenstand auf rund 50 Euro pro Kopf reduziert haben, erklärt Kellner.


Mehr Unternehmen anlocken

Allein bei der Ansiedlung neuer Firmen ist der Bürgermeister noch nicht ganz so zufrieden. Eine Spedition konnte man in die Gemeinde holen und sich bei der Firma Röckelein über eine Betriebserweiterung am Standort freuen. Ein Bereich, der für die kommende Amtsperiode ausbaufähig bleibt. Wenngleich Kellner nicht unzufrieden mit immerhin 250 kleineren Betrieben in der Gemeinde ist.

Kann es der 60-Jährige in der kommenden Amtsperiode ruhiger angehen lassen? Könnte er vermutlich. Aber der Mann, der höchstens eine Woche Urlaub pro Jahr braucht und Ausgleich im Bergwandern oder Holzmachen sucht, steckt voller Tatendrang und behauptet von sich: "Visionen habe ich immer."

Es gelte, die begonnenen oder beschlossenen Projekte umzusetzen. Den Bau eines Ärztehauses mit fünf bis sechs Praxen und Apotheke hat er derzeit im Visier, den Einzug für Ende 2018 geplant. "Breitband können wir noch nachlegen, den ÖPNV durch eine Verknüpfung mit dem Bahnhof Ebing optimieren." Ebenso wie Rattelsdorf mit seinen immerhin vier Brauereien auf sanften Tourismus setzt, betreibt die Marktgemeinde auch eine behutsame Baulandausweisung, also nicht mit riesigen Neubaugebieten.

Als eine Herausforderung betrachtet Kellner die Schaffung von etwa zehn bis 15 Wohneinheiten für Senioren: "Ich will kein Altersheim, sondern etwas in Richtung Generationenwohnen." Ein Mehrgenerationenspielplatz (für 150 000 Euro), der im Sommer eröffnet wird, zielt bereits in diese Richtung.

Die Tatsache, dass bei dieser Wahl keine weiteren Kandidaten aufgestellt wurden, "das hat es in Rattelsdorf laut dem Geschäftsleiter seit 50 Jahren nicht mehr gegeben", wertet Kellner als Zustimmung zu seiner Amtsführung.
Bei der Sitzverteilung im 17-köpfigen Marktgemeinderat muss der Gemeindechef vom Vereinten Umland (VU) schließlich mit nur vier VU-Sitzen immer Mehrheiten suchen.


Die Basis des Handelns

Und genau den von einer breiten Mehrheit getragenen Auftrag zum Weitermachen wünscht er sich für die dritte Amtsperiode. Das erachtet er für das politische Handeln und die Basis seiner Arbeit als unverzichtbar. Zum letzten Mal: "Es ist wichtig, dass die Leute wählen gehen."