Ein Café gleich neben dem Spielplatz? "Das wäre perfekt", sagt eine junge Mutter, die gerade mit ihrem Nachwuchs auf das Erba-Gelände kommt.

Drängender sei aber die Toiletten-Frage, weil mit den Kindern der Weg bis zur Uni und schon gar bis zur Kleingartenanlage zu weit sei. Dann müssten halt die Büsche herhalten, gibt die Frau zu verstehen.

Die Zeit des unfreiwilligen "Wildpinkelns" auf der Halbinsel dürfte bald vorbei sein. Das verspricht Christian Wonka, Leiter des städtischen Immobilienmanagements. Bis Ende des Monats soll ein WC-Container ganz in der Nähe des Spielplatzes in Betrieb sein, inklusive Wickelraum und Behindertentoilette.

Damit ist aus Sicht der Stadtverwaltung zugleich das letzte Hindernis für die Eröffnung eines Lokals im alten Schleusenwärterhaus aus dem Weg geräumt.


Tatsächlich sei die gaststättenrechtliche Erlaubnis an den Nachweis einer barrierefreien Toilette geknüpft gewesen, berichtet Hausbesitzer Georg Schütz. Er muss ihn führen, weil eine Freischankfläche vorgesehen ist, die ebenerdig ist und von Menschen mit Behinderung genutzt werden kann. Anders das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert: Es wird auch nach der Sanierung nicht barrierefrei sein.

Schon 2012 Besitzer gewesen

Schütz gehörte das einstige Wohnhaus des Erba-Schleusenwärters schon während der Landesgartenschau 2012. Für deren Dauer hatte er es an die Gartenschau-Betreibergesellschaft als "Kinderhaus" vermietet. Davon zeugen noch die großen blauen "Sams"-Punkte auf der weißen Fassade. Sie werden die Sanierung jedoch nicht überdauern.

Unten Gastronomie, oben Wohnung - so sehen Schützens Pläne aus. Falls der Pächter die Wohnung nicht benötigt, will er sie frei vermieten; angesichts des Wohnraumbedarfs in Bamberg dürfte das kein Problem sein.

Auch an Interessenten für das Lokal scheint es nicht zu mangeln. Der Hausherr hat seine Entscheidung noch nicht getroffen; er will sich Zeit lassen und einen Wirt "mit dem richtigen Konzept" suchen, das alle potenziellen Gästegruppen anspricht.
Er zählt einige auf, die sich wohl in erster Linie einfinden dürften: Familien, die mit ihren Kindern zum Austoben auf die Insel kommen, Studierende vom Campus nebenan, Bewohner der Mayerschen Gärtnerei, natürlich auch die vielen Spaziergänger und Radfahrer.

Wenn es einer "richtig" anpackt, müsste das Lokal laufen. Das glaubt auch Christian Wonka. Er sieht Parallelen zur Villa Remeis, die auch klein ist, aber sehr beliebt und winters wie sommers gut besucht.

Der Umbau des Hauses soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Schützens Credo lautet "Qualität vor Zeit". Es sei mehr zu tun, als gedacht. Dabei hatte er das Dach noch vor Beginn der Landesgartenschau erneuern lassen.

Investition übersteigt Kaufpreis

Nähere Angaben zu seiner Investition in diese besondere Erba-Immobilie wollte der Inhaber eines Betriebs für Elektro-, Schalter- und Photovoltaikanlagen in Tütschengereuth (Landkreis Bamberg) nicht machen. Außer, dass die Instandsetzung den Kaufpreis um ein Mehrfaches überschreiten würde. Weil er das barrierefreie WC nachweisen muss, wird er sich auch finanziell am Sanitärcontainer beteiligen.

Die Kosten für die WC-Anlage liegen nach städtischen Angaben bei 54 000 Euro, inklusive Erschließung und neuer Sträucher, die das drei auf neun Meter große "Häuschen" kaschieren sollen.

Promenaden-WC muss warten

Weil die Maßnahme einerseits im Haushalt nicht eingeplant war, man andererseits einen Notstand auf der Erba sieht, segnete der Stadtrat eine Umschichtung der Mittel ab: Der Betrag, mit dem die Promenaden-Toiletten heuer saniert werden sollten, wird jetzt für die Erba-Klos verwendet. Die WCs auf der Promenade kämen 2015 an die Reihe.

Geld, genauer gesagt 50 Cent, werden auch die Benutzer des WC-Containers am Erba-Spielplatz mitbringen müssen. Ausgenommen sind kleine Kinder: Die Höhe eines "Bezahlstrichs" auf der Tür will das Immobilienmanagement gemeinsam mit dem Familienbeirat bestimmen. Die Idee dahinter: Wer kleiner ist als die Markierung darf kostenlos aufs Klo.

Von einem nicht betreuten, dafür kostenlosen Örtchen an dieser Stelle hält Wonka nichts. Es hat sich seinen Angaben zufolge bewährt, dass die meisten öffentlichen Toiletten in der Stadt inzwischen eine Aufsicht haben: "Seitdem gibt es keine Beschwerden mehr, was die Sauberkeit angeht."

Proteste retteten das Haus

Die künftige Einkehrmöglichkeit auf der Erba-Insel ist nicht allein Schütz zu verdanken. Das Anwesen gäbe es nicht mehr, hätten sich nicht Bamberger Bürger und Vereine und die Stadtheimatpflege entschieden gegen die Abrissabsichten der Stadt gewandt.

In den städtischen Gartenschau-Plänen spielte weder dieses Gebäude noch das benachbarte Schleusenwärtergehilfenhaus eine Rolle. Erst nach den Protesten hatte sich die Kommune auf einen Kompromiss eingelassen und wenigstens das Schleusenwärterhaus erhalten.
Sie veräußerte die kleine Immobilie schließlich unter der Bedingung, dass sie gastronomisch genutzt wird. Käufer war ein Makler, der es später an Schütz veräußerte.

Die Bezeichnung erinnert an eine abgegangene Schleuse, die im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle für die Versorgung der früheren Textilfabrik Erba mit Kohle spielte: Das Heizmaterial kam auf dem Wasserweg vom Main her. Die Schiffe konnten es mit Hilfe der Schleuse direkt auf das Fabrikgelände liefern.