Er sieht aus wie ein ganz normaler Linienbus. Dass dieser Bus aber alles andere als normal ist, bemerkt man erst, wenn der Busfahrer den Motor startet und losfährt. Kein lautes Dröhnen ist zu hören. Der Bus schnurrt beim Zünden des Motors bloß sanft wie ein Kätzchen und surrt fast lautlos in Richtung der nächsten Haltestelle.

Der Elektrobus, der in den vergangenen vier Tagen vom Verkehrsbetrieb der Stadtwerke im regulären Linienverkehr getestet wurde, ist eine türkisch-deutsche Koproduktion der Firma Bozankaya. Der Bus wird in Ankara gebaut und bekommt dann im niedersächsischen Salzgitter den Elektromotor. "Wir sind ernsthaft an dieser Technologie interessiert und versprechen uns mit dem Testbetrieb wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unseres Busangebotes", sagt Peter Scheuenstuhl, Leiter des Verkehrsbetriebs. Noch ist allerdings unklar, ob und wann die Stadtwerke auf Elektrobusse umsteigen werden.


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Ein Grund hierfür sind die vergleichsweise hohen Beschaffungskosten, die bei einem Elektrobus mit 400 000 Euro etwa doppelt so hoch sind wie bei einem Bus mit Dieselmotor. Allerdings könnte der Bus dessen ungeachtet nicht nur ökologisch wertvoll sein, sondern könnte sich trotz der hohen Anschaffungskosten finanziell rentieren. Schließlich fallen für ein Dieselfahrzeug im Jahr etwa 10 000 Euro Kraftstoffkosten an.

Hochgerechnet liegt die jährliche Tankrechnung der Stadtwerke Bamberg für ihre 60 Busse insgesamt bei 1,2 Millionen Euro. Beim aktuellen Strompreis, der bei etwa 20 Cent pro Kilowattstunde liegt, könnte man also mit einem batteriebetriebenen Elektrobus viel Geld sparen.

200 Kilometer Reichweite

Die vielleicht wichtigste Frage, die man sich bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs stellen muss, ist: Wie viele Kilometer Reichweite hat das Fahrzeug mit einer voll geladenen Batterie? Bei einem Linienbus, der immer zügig und pünktlich seine Stationen erreichen muss, ist das natürlich besonders wichtig. Schließlich dauert es zwischen sechs und acht Stunden, die Batterie voll aufzuladen.

Der Hersteller Bozankaya garantiert eine Reichweite von 200 Kilometern. "Es ist durchaus möglich, dass der Bus auch deutlich weiter kommt, schließlich kann durch effizientes Fahren, zum Beispiel beim Bremsen des Fahrzeugs, Energie zurückgewonnen werden", so Gerhard Schlag von Bozankaya. Herstellerangaben zufolge sollen bei dem Elektrobus drei Viertel der Bremsenergie in die insgesamt 300 Lithium-Yttrium-Ionen-Zellen zurückgespeist werden.

Doch reicht die Laufleistung von 200 Kilometern aus, um einen ganzen Tag mit dem Elektrobus den Linienverkehr zu betreiben? "Bei einigen Linien wäre es durchaus realistisch", meint Peter Scheuenstuhl. Bei anderen Strecken ist es allerdings technisch nicht möglich.

Am vergangenen Freitag wurde der Elektrobus für die Linie 910 getestet und hatte einige Schwierigkeiten, die Hügel der Altstadt zu erklimmen. Ein Problem, "schließlich müssen unsere Busse aus organisatorischen Gründen täglich unterschiedliche Strecken abfahren können", berichtet Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg.

Positive Rückmeldungen

Doch das erste Fazit nach den Testfahrten ist trotzdem überwiegend positiv. Nicht nur die Stadtwerke Bamberg sind mit der Leistung des Elektrobusses vorerst zufrieden. Auch die Busfahrer, die den Bus bisher fahren durften, schwärmen davon, dass sich das Fahrzeug sehr ruhig und entspannt fahren lässt und dazu noch über einen fast lautlosen Motor verfügt. Auch die Passagiere, die am Montag und Dienstag bei den Testfahrten im regulären Linienverkehr das Glück hatten, im E-Bus mitzufahren, waren begeistert. Es sei wesentlich angenehmer und ruhiger im Elektrobus und besser für die Umwelt allemal.

Auswertungen folgen

In den kommenden Tagen werden die Erfahrungen ausgewertet. Dann wird Peter Scheuenstuhl das Thema mit den wichtigen Gremien wie dem Aufsichtsrat diskutieren. Fest steht: Bevor man eine endgültige Entscheidung trifft, muss der Bus über einen längeren Zeitraum erneut getestet werden. Der gesamte Prozess wird also sicherlich noch einige Zeit dauern, schließlich ist die Anschaffung auch mit einer enormen Geldsumme verbunden. Fallen die Auswertungen der ersten Tests aber positiv aus, ist es durchaus denkbar, dass in absehbarer Zeit erneut ein Elektrobus in Bamberg seine Runden drehen wird.