Pekingente ist für immer aus in der Unteren Sandstraße 9. Statt dessen drehen sich die Plattenteller diverser DJs im einstigen China Restaurant Chu, wo erst am Wochenende die Goldenen Zwanziger auflebten - aufgemischt mit aktuellen Beats. Zu Electro Swing ging das Publikum im "Plattenladen" ab, mit dem sich zwei Bamberger einen langjährigen Traum erfüllten: DJ Kermit alias Roland Krefft und Moritz Niederstrasser, der mit Bars, die nur eine Nacht lang existieren, schon quer durch die Republik für Aufsehen sorgte. Im vergangenen Jahr aber kehrte der 32-Jährige in die Domstadt zurück, um Bambergern nun unter nurmehr einer Adresse Musik jenseits des Mainstreams, Kunst und Literatur zu bieten.

Anfänge im 14. Jahrhundert

"Am 27. Dezember stand die Mulde vor der Tür - und der Umbau konnte beginnen, der uns fast zwei Monate lang auf Trab hielt", berichtet Moritz Niederstrasser.
Nach und nach verwandelte sich das Erdgeschoss des Hauses "zum wilden Mann", dessen Geschichte im 14. Jahrhundert begann und im frühen 18. Jahrhundert unter Hofmundschenk Hans Georg Grohe als stadtbekanntem Eigentümer fortgeschrieben wurde. Gebraut wurde in der Unteren Sandstraße 9 ja schon zu seiner Zeit und bis ins späte 19. Jahrhundert hinein, als unter der Adresse ein "Fleischlädchen" und bald darauf eine Kegelbahn entstand, die noch in den 60er-Jahren existierte.

Aber zurück ins 21. Jahrhundert, in dem zwei Bamberger an die Tradition des Hauses auf eigene Weise anknüpfen. Wobei sie den Großteil aller Sanierungsarbeiten in Eigenregie erledigten, wie Niederstrasser ausführt. Erfahrungen, die der 32-Jährige als Bartender landauf und landab sammelte, flossen in die Neugestaltung ein. "Ich ließ mich von Bars inspirieren, die mich beeindruckt hatten", berichtet der Franke, der die Cocktailkultur schon an den ungewöhnlichsten Orten zelebrierte. Daraus entstand ja auch die Dokumentation, die in Programmkinos wie dem Lichtspiel vor zwei Jahren unter dem Namen "Die Bar, die es nicht gibt" lief.

Ein dementsprechend stylisches Ambiente erwartet mittlerweile das Musikpublikum in der Unteren Sandstraße 9. "Longdrinks & Longplayers" reicht das "Plattenladen"-Team Gästen unter den Augen von Ausnahmekünstlern wie Amy Winehouse oder Lou Reed, der mit Velvet Underground in den Sixties Musikgeschichte schrieb. So widmete Sebastian Magnus diveren Idolen Bilder, die in einer ersten Ausstellung an den Wänden der Location zu sehen sind. "Welches Potenzial in den Räumen des ehemaligen China-Restaurants steckt, hätten wir anfangs selbst nicht gedacht", meint Niederstrasser. Kermit hätte ihn beim ersten gemeinsamen Rundgang angesichts des damaligen Zustands des Lokals, in dem der gemeinsame Traum Wirklichkeit werden sollte, noch für verrückt erklärt.

Über 4000 Scheiben

Einen idealeren Partner als Roland Krefft, der einen eigenen Medienservice gründete und darüber hinaus noch als Dozent an der Würzburger FH tätig ist, hätte Niederstrasser aber auch kaum finden können. Schließlich steuerte der DJ einen Großteil seiner Vinyl-Sammlung zur Grundausstattung des "Plattenladens" bei, die sich auf über 4.000 Scheiben bilanziert. "Gute Musik soll über uns den Weg zu jungen Leuten finden", sagt Krefft. "Während wir jungen DJs gleichzeitig die Möglichkeit bieten, Abende zu gestalten, an denen die Leute nicht nur tanzen, sondern ihnen zuhören wollen." Musik sei im "Plattenladen" eben mehr als nur Stimmungsmache, um Besucher zum Tanzen und Konsumieren zu bringen. "Und DJs werden einmal nicht als menschliche Jukebox missbraucht, sondern spielen, was sie für qualitativ hochwertig halten", so Niederstrasser.

Besucher querbeet

Soul, Funk, Rhythm 'n' Blues, HipHop oder eben Elektro-Swing wie am vergangenen Samstag lauschen Gäste auf diese Weise, die nicht allein aus dem studentischen Umfeld kommen. "An manchen Abenden hatten wir schon ein Publikum das vom seriösen Geschäftsmann bis hin zum Punk reichte - irgendwo im Alter zwischen 20 und 50." Wobei Hardcore-Punk und Metal im "Plattenladen" kaum zu hören sind. "Die Musik sollte in einer Bar eben nicht allzu hart, sondern auf den Stil der Location abgestimmt sein."

Zum Zug kommen in dieser Woche nach dem Soundmix von Selva Electronica am 7. April und Selectah Howie Maui am 8. April DJ Mead bei "Rap am Mittwoch" und Rex Danny am 10. April, der die Rex-Edition unters Volk bringt. DJ Flowmatic lässt am 11. April Rap und Ghetto-Funk auf den Plattentellern rotieren. Kermit, Coop und Freunde prägen den Abend des 12. April, bevor am 13. ab 14 Uhr Hörspiele und Märchen auf kleine Besucher warten. Mehr übers Programm, das künftig auch Lesungen und weitere Ausstellungen umfassen soll, erfahren Interessanten im Netz unter der Homepage der Barund über Facebook.