Michael Pohl und seine Ehefrau Roma durchstreiften jahrelang Franken, suchten Kirchen und Kapellen auf, dokumentierten ihre Funde mit brillanten Fotos. Sie stießen auf Altäre, Kanzeln, Kruzifixe und mehrere hundert Statuen, die der einstige Fürstbischöfliche Hofbildhauer Johann Bernhard Kamm (1736-1816) geschaffen hat. Dabei war es nicht nur kunsthistorisches Interesse, das die Pohls zu ihren Streifzügen veranlasste: Familienforschung war zugleich angesagt. Denn Kamm, ein Meister des späten Rokoko, ist der vierfache Urgroßvater mütterlicherseits von Michael Pohl.


Buch als Denkmal

Die Idee reifte, dem bedeutsamen Vorfahren zu dessen 200. Todestag ein Denkmal in Gestalt eines Buches zu setzen. Und zugleich der letzten Namensträgerin des Namens Kamm eine Freude zu bereiten. Pohls 88-jährige Mutter Therese ist denn auch hocherfreut, das nunmehr fertige Produkt in Händen halten zu können. Es ist in der edition hübscher erschienen, umfasst 182 Seiten mit 113 zumeist vierfarbigen Abbildungen. "An dem Verkauf des Buches verdiene ich nichts", räumt Michael Pohl ein. Er hoffe vielmehr, dass das Buch dazu anrege, ein unbekanntes Stück Franken zu entdecken und Johann Bernhard Kamm dem Vergessen zu entreißen. "Ich möchte die Menschen für die Schönheit fränkischer Kirchen sensibilisieren und sie ermutigen, bei Ausflügen auf den Spuren Kamms zu wandeln", preist der Autor seinen "kulturellen und kirchlichen Reiseführer" an.

Daraus geht hervor, dass Kamm mit einer glänzenden Begabung ausgestattet war und zu den fruchtbarsten Künstlern Bambergs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zählt. Mehr als 30 Jahre lang war er der einzige Bamberger Bildhauer, der als Nachfolger von Ferdinand Dietz (Tietz) für den fürstbischöflichen Hof arbeitete. Allein in Bamberg war er in dreizehn Kirchen tätig, mehr als 50 Landkirchen von Burgebrach über Gößweinstein bis Oberailsfeld und Scheßlitz künden von der Kammschen Meisterhand. Erwähnenswert sind besonders auch die großen Apostelfiguren, die 1791 ursprünglich für Alt-St.Martin in Bamberg entstanden sind. Sie zieren nun den Eichstätter Dom.

Lange Zeit lebte Kamm im noch erhaltenen Haus in der Frauenstraße 31. In der Gartenstadt ist eine kleine Straße nach ihm benannt. In der einschlägigen Literatur ist er bislang weniger bekannt: "Viele seiner Werke sind durch die Säkularisation in alle Winde zerstreut worden", vermutet Michael Pohl als Grund.

Zahlreiche männliche Nachkommen Kamms waren wie er Bildhauer, so dass sich der künstlerische Bogen über 200 Jahre und vier Generationen spannt: "sicherlich eine der zeitlich längsten Bamberger Werkstatttraditionen", so Kamms Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel Pohl. Auch die frühere Konditorei Kamm in der Luitpoldstraße entstammt einer Seitenlinie. Der frühere Generalvikar Prälat Alois Albrecht, einstiger Pfarrer von St. Gangolf, geht in seinem Vorwort für das neue Buch auch darauf ein.


Eine Lücke geschlossen

Es schließt eine Lücke in der kunsthistorischen und regionalgeschichtlichen Literatur. Obendrein haben viele der Fotos einen Seltenheitswert: "Schlosskapellen sind zum Beispiel sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich", umschreibt der Autor, der eine unfallchirurgische Station im Bamberger Klinikum pflegerisch leitet, seine intensiven Bemühungen, die Kamm"schen Werke umfassend zu dokumentieren. Dabei hätte das Buch "locker doppelt so dick werden können, wenn ich alles aufgenommen hätte", lacht Pohl. Doch mit dem jetzigen Umfang sei es eben handlich und lesbar geblieben.

Am Montag, 16. Januar, wird das Ehepaar Pohl Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ein Exemplar überreichen können. Nach der eigentlichen Präsentation vor Gästen in der Institutskirche kurz vor Weihnachten nahm auch Erzbischof Ludwig Schick mit Interesse ein druckfrisches Buch entgegen. Schließlich stammt der Weinstockaltar in der Kapelle des Bischofshauses von Johann Bernhard Kamm.

Michael Pohl: Johann Bernhard Kamm. Fürstbischöflicher Hofbildhauer (1736-1816) - Ein Meister des späten Rokoko. Edition Hübscher 2016. Das Buch ist zum Preis von 16,90 Euro im Buchhandel erhältlich.