Oben auf dem Gerüst bringen gerade noch zwei Handwerker die letzten Buchstaben für den Schriftzug "Zentrum Weltkulturerbe Bamberg" an, weiter unten künden die historischen Initialen "JST" für Josef Sterzer von der Vergangenheit der einstigen Sterzermühle.

Fließend geht hier inzwischen die Vergangenheit in die Zukunft über. Was so lang als Kriegsruine in prominentester Lage schlummerte, beherbergt nun ein Restaurant, ein Wasserkraftwerk und bald auch das neue Welterbe-Besucherzentrum. Bevor dieses in einem Monat eröffnet wird, bekamen die Stadträte Gelegenheit, sich einen Eindruck zu verschaffen.

Und der fiel sehr positiv aus, auch wenn sich noch das Malervlies wie ein roter Faden durch die Gänge zieht, an der Treppe der Handlauf fehlt und sich der künftige Charme der Ausstellung im ersten Stock derzeit nur erahnen lässt. Nicht ohne Stolz konnte aber Patricia Alberth durch die fast fertigen Räume führen. Um den direkten Blick von ihrem künftigem Büro aufs Brückenrathaus wird die Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg sicher manch einer beneiden. Erfreut zeigte sich auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) darüber, dass nun eine jahrzehntelange städtebauliche Lücke verschwunden ist.

Alberth erklärte, dass künftig im Treppenhaus das eine oder andere Welterbe präsentiert wird, um dann zu Bamberg hinzuführen. Oben können sich dann die Besucher unter anderem auf eine originalgetreue Kopie des Zweidler-Plans, der frühesten Bamberger Stadtansicht von 1602, oder auf ein Stadtmodell in unterschiedlichen Epochen freuen.

Auch etwas für Einheimische

Einzelne Teilbereiche der Ausstellung sind der Bergstadt, der Gärtnerstadt und der Inselstadt gewidmet, in Fensternähe prangt unverkennbar das Herrscherpaar Heinrich und Kunigunde. Laut Alberth können die Besucher hier schon bald vieles haptisch erleben, man könne zum Beispiel digital ein Pflanzbeet anlegen oder sehen, wie ein Bamberger Gärtnerhaus aufgebaut ist. "Wir wollen den Menschen hier Appetit auf das jeweilige Original an anderer Stelle in der Stadt machen und auch Einheimischen vielleicht noch Ecken aufzeigen, wo sie noch nie waren."

Bislang gebe es in Deutschland vier solcher Welterbe-Besucherzentren, etwa in Regensburg oder Wismar. "Das Besucherzentrum bietet an diesem Standort die Möglichkeit, Einheimischen wie Gästen der Stadt das Thema Welterbe zu vermitteln", sagt Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU). Das zeigen auch die Erfahrungen aus anderen Städten, wo sich die Besucher dieser Zentren zu 80 Prozent aus Touristen und zu 20 Prozent aus Einheimischen zusammensetzen.