Es ist Montagmorgen in Bamberg, genau 98 Tage nachdem der Katastrophenfall in Bayern ausgerufen wurde. Dementsprechend leer ist es in der Sandstraße, der Heimat der Bamberger Veranstaltungsbranche. Doch dann fangen Kilian Keuchel und die Mitarbeiter des Live-Clubs an, Kabel zu verlegen und Lampen aufzubauen. Wird hier etwa eine illegale Großgruppenveranstaltung geplant? Nicht ganz. Hier wird gerade die "Night of Light", vorbereitet, sie steht unter dem Motto "100 weitere Tage überlebt die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche nicht".

Die Night of Light wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag deutschlandweit gefeiert, um auf die prekäre Lage der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche hinzuweisen. Als Symbol für die Not der Unternehmer wurden über 6700 Gebäude rot angestrahlt, darunter auch die Bamberger Brose-Arena, das E.T.A.-Hoffmann-Theater und die Altenburg.

Bereits beim Aufbau sorgte die Night of Light für Aufsehen. "Wir wurden den ganzen Tag über oft gefragt, was wir da machen", erklärt der selbstständige Lightdesigner Kilian Keuchel. Er organisierte die Bamberger Night of Light. Nachdem die Aktion bei den Stadtwerken angemeldet war, nutzte er seine Kontakte in die Bamberger Veranstaltungsbranche, um möglichst viele Teilnehmer zu gewinnen. Schließlich halfen dann alle beim Auf- und Abbau der Beleuchtung zusammen. "Ich bin richtig bewegt davon, dass alle mit angepackt und zusammen geholfen haben, es gab wirklich keine Spur von Konkurrenzdenken", sagt Kilian Keuchel.

Solidarität zeigen

Und auch über die Reaktionen der Bamberger freut sich Keuchel sehr. "Durch die Fragen der Passanten sind wir schnell ins Reden gekommen mit den Leuten und haben durchweg positive Rückmeldung bekommen und sind auf viel Verständnis und Solidarität gestoßen", erzählt Keuchel. Ihm selbst war bei der Aktion besonders wichtig, auf die Diversität und Größe der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen. "Es gehören ja nicht nur Restaurant und Bars, sondern zum Beispiel auch deren Zulieferer dazu, sodass die Branche insgesamt die zweitgrößte in der gesamten Republik ist", erklärt Keuchel.

Ein Beispiel für die Relevanz der Branche ist die Involvierung der Stadt Bamberg. Die Brose-Arena, die Konzert- und Kongresshalle sowie die Harmoniesäle werden von der Bamberg Congress und Event GmbH betrieben, einer Tochtergesellschaft der Stadt. "Natürlich haben dementsprechend auch wir große finanzielle Verluste zu stemmen, ein Abwerfen der Tochterfirma kommt nämlich nicht infrage", sagt Steffen Schützwohl vom Amt für Bürgerbeteiligung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bamberg. Und da die Verluste auch durch spätere Events nicht mehr auszugleichen sein werden, ist auch die Stadt betroffen und versucht, den finanziellen Schaden zu begrenzen.

Zeichen setzen

Natürlich ist die Stadt, und damit ganz Bamberg, auch indirekt durch die Verluste der restlichen Branche betroffen. Für Thomas Dotterweich vom Live-Club geht es bei der Night of Light aber nicht nur um Signalisierung der finanziellen Einbußen durch die Krise. Er vermisst den Kontakt zu den Kunden und hofft, durch die flexible Anpassung der Veranstaltungsorte an die Corona-Regelungen schon bald wieder mehr Kunden begrüßen zu dürfen. "Teilweise lohnt es sich für uns gar nicht, das Geschäft zu Corona-Bedingungen zu öffnen, weil wir so zu wenig Umsatz machen, aber es geht in erster Linie darum, den Kunden zu signalisieren ‚hey, wir sind wieder da, tun, was wir können und freuen uns auf euch‘", erzählt er.

Neben der Erleuchtung seiner Veranstaltungsorte zeigt der Live-Club auch noch in einem Video Präsenz. Über 70 Unternehmer und Mitarbeiter werden darin mit einem Porträtbild und dem Firmenlogo vorgestellt. "Innerhalb der letzten 24 Stunden vor der Veranstaltung sind alle Zusendungen bei mir eingegangen und ich habe das Video für die Aussendung auf den Gebäudewänden zugeschnitten", erzählt Kilian Keuchel. Damit nahmen auch Unternehmer, die ihr Gebäude nicht beleuchten konnten, an der Night of Light teil. "Die Idee hatten wir erst ganz zum Schluss, aber es hat schnell funktioniert, weil sich auch hier wieder gezeigt hat, wie gut alle zusammen helfen, das hat mich wirklich gefreut", sagt Keuchel. Damit hat er der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche ein Gesicht und der Bamberger Version der Night of Light einen ganz besonderen Schliff gegeben.