Hat sich ein 37-jähriger Mann im Oktober letzten Jahres in einer Wohnung im Landkreis Bamberg an seiner fünfjährigen Stieftochter vergangen? Dieser schwere Vorwurf beschäftigt derzeit das Landgericht Bamberg. Für die 32-jährige Mutter des Mädchens, das sexuell missbraucht worden sein soll, brach im Gerichtssaal eine Welt zusammen.

"Ich fand ihn ganz interessant." Für Melanie D. (Name geändert) scheint es die große Liebe gewesen zu sein. Als die 32-jährige Verkäuferin den Asylbewerber aus dem Iran in ihrer Nachbarschaft kennenlernt, lebt sie gerade getrennt vom Vater ihrer beiden Töchter. "Meine komplette Familie war gegen die Beziehung." Sie habe sogar Terroranrufe bekommen, habe aber für ihre Liebe gekämpft. Zweieinhalb Jahre ist das Paar zusammen, heiratet aber nicht. Man bekommt sogar noch ein gemeinsames Kind. Der Zweit-Papa geht mit den Kindern zum Eisessen, macht Fahrradtouren oder besucht den Spielplatz. "Vielleicht war das im Nachhinein betrachtet ja auch alles Tarnung", sagt ein Nachbar. Was dann passiert, scheint ungeheuerlich.

Schreckliche Tat auf dem Ehebett

Die schreckliche Tat soll sich an einem Montagnachmittag ereignet haben. Während Melanie D. bei der Arbeit ist, kümmert sich ihr Lebensgefährte um die kleine Laura (Name geändert). "Sie hat ihn abgöttisch geliebt."

Er holt sie wie immer vom Kindergarten ab. Dann schlägt er ihr vor, auf dem Ehebett gemeinsam Doktorspiele zu machen. Er habe da "eine besondere Spritze". Während Laura auf dem Bauch liegt, soll er ihr die Hose heruntergezogen und sie sexuell missbraucht haben. Staatsanwalt Patrick Keller geht sogar davon aus, dass es zu einem Eindringen mit Samenerguss gekommen ist. Zumindest schilderte dies das Mädchen, als es vom Ermittlungsrichter befragt worden war. Sie sagte auf dem vorgespielten Video auch, ihr Stiefvater habe ihr verboten, von dem Vorfall zu sprechen. Dennoch offenbart sich Laura ihrer Mutter noch am Abend.

Nach lautstarkem Streit wirft diese den Mann aus der Wohnung. Der beleidigt Laura als "Lügenkind" und schreit Melanie D. noch "Bitch" hinterher. Dann ist er verschwunden.

Mädchen hat bleibende Alpträume

Was aber immer noch da ist, sind die Alpträume, die Laura seither quälen. Und die Angst ihrer Mutter, dass sich "die Leute im Ort über uns das Maul zerreißen". Mehrfach wird Melanie D. von Weinkrämpfen geschüttelt. "Ich habe mein Herz verschenkt. Er hat es einfach so zerstört."

Endgültig kuriert von ihren romantischen Vorstellungen war Melanie D. dann aber, als durch den Vorsitzenden Richter Markus Reznik all die Vorstrafen zur Sprache kamen, die ihr Lebensgefährte europaweit eingesammelt hatte. Offenbar hatte er seine "freien Tage", in denen er nicht in der Gegend war, dazu genutzt, in Österreich auf Beutezug zu gehen. Mit einem Komplizen gemeinsam oder auch alleine stahl er Bargeld aus Einkaufsmärkten, Juweliergeschäften oder Tankstellen in Sölden, Ötztal, Spittal an der Drau oder Wolfsberg. Dabei kamen immerhin etliche Tausend Euro zusammen.

Das Landesgericht Kufstein verhängte wegen schweren und gewerbsmäßigen Diebstahls und mehrerer Versuche eine einjährige Gefängnisstrafe. Vier Monate saß der Mann aus dem Iran ab, den Rest bekam er zur Bewährung.

Wechselnde Identitäten

Es stellte sich auch heraus, dass der Mann aus dem Norden Persiens bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen anderen Namen und ein anderes Geburtsdatum angegeben hatte. Bei der Einreise nach Deutschland 2015 hatte die Grenzpolizei ihn mit einem gefälschten zypriotischen Pass und einem ebenso unechten internationalen Führerschein aufgegriffen. Das Amtsgericht Rosenheim hatte die Urkundenfälschung mit einer Geldstrafe geahndet. Auch später fuhr er ohne Fahrerlaubnis herum, was das Amtsgericht Wunsiedel auf den Plan rief.

Schließlich verstieß der Mann aus dem Iran, der in mehreren Flüchtlingsunterkünften in und um Bamberg herum einquartiert war, gleich mehrfach gegen das Aufenthaltsgesetz. Zuerst belog er die Ausländerbehörde, um eine Duldung zu bekommen und im Land bleiben zu dürfen. Dann weigerte er sich, an der Beschaffung von Ausweispapieren mitzuwirken, indem er erst keine Anstalten machte, Dokumente zu beantragen und dann diese auch nicht abholen wollte.

Als er von den Ermittlungen wegen schweren Kindesmissbrauchs gegen sich erfuhr, ging es mit dem Pass plötzlich ganz schnell. Kaum hatte er das Konsulat in München verlassen, flüchtete er auch schon nach Frankreich und später nach Spanien. Mit einem europäischen Haftbefehl wurde man seiner in der Nähe von Toulouse habhaft. Seit der Auslieferung sitzt er in der JVA Kronach in Untersuchungshaft.

Über seinen Rechtsanwalt Alexander Wessel aus Haßfurt ließ er die Vorwürfe grundsätzlich bestreiten. Der Mann selbst äußerte sich nicht dazu.