Azubis hießen vor 50 Jahren Lehrlinge. Und eine Gleichstellungsbeauftragte gab es noch nicht. "Gender" bewegte 1966 weder die Welt, geschweige denn Bamberg. Gleichwohl schwappten die Wellen der Revoluzzerbewegung dieser turbulenten 60er Jahre auch in die beschauliche Domstadt: "Die spiegelte sich in unserer Werkzeitung wider, wir waren kritisch!", blickt Fred Pfitzer zurück.

Der 68-Jährige und sein Weggefährte Franz Hubert (66) können heute über ihre Aufmüpfigkeiten schmunzeln. Damals waren sie ein gewisses Wagnis. Damals vor 50 Jahren, als sie ihre Ausbildung bei der Firma Bosch in Bamberg absolvierten. Gleich 44 Lehrlinge starteten am 1. September 1966 in das Berufsleben.
Allesamt junge Burschen: "Damals gab es keine weiblichen Mechaniker, erst ab 1980 wurden die ersten Mädels ausgebildet", erklärt Franz Huber.

So ist es auch ein reiner Männerclub, der sich am Donnerstag an seiner alten Wirkungsstätte trifft, um die 50. Wiederkehr des Ausbildungsbeginns zu feiern. Fred Pfitzer, Franz Hubert sowie ihre einstigen Mitlehrlinge Edmund Sommer, Günter Wagner und Günter Stark haben dieses Wiedersehen organisiert. Immerhin 34 Ehemalige werden dabei sein, wenn es extra für sie Führungen im Bosch-Werk durch die Abteilungen "Zündkerze" und "Batterie" gibt. Danach steht ein "gemütliches Zusammensein" im Mahrs-Bräu in der Wunderburg an.

Dass dabei alte Geschichten aus der gemeinsam verbrachten Zeit auf den Wirtshaustisch kommen, liegt auf der Hand. Zumal diese Herrenriege geschlossen auf eine erfolgreiche Ära zurückschauen kann. "Alle 44 haben nach drei beziehungsweise dreieinhalb Jahren Lehre ihre Facharbeiterprüfung bestanden", freuen sich Pfitzer und Huber immer noch. Um 31 Mechaniker, acht Maschinenschlosser, drei Elektromechaniker und zwei Dreher wuchs also die Bosch-Crew. "Einmal Bosch, immer Bosch!", sagten sich zumindest 28 der einstigen Lehrlinge, die bis zur Rente bei der Firma blieben. So wie Fred Pfitzer und Franz Huber.

Pfitzer qualifizierte sich weiter zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker. Huber wurde Leiter der Ausbildungsabteilung und begleitete viele Jahre junge Menschen bei ihrer Ausbildung. Er verkörpert sozusagen den fließenden Wandel von einer "fast militärisch geprägten Lehrzeit hin zum partnerschaftlichen Teamverhalten". Vor 50 Jahren habe noch "Respekt vor dem Meister" geherrscht: "Da war nichts auf Augenhöhe", sagt Franz Huber.

Völlig anders als heutzutage lief auch der Anfang bei Bosch. Es genügten der Hauptschulabschluss und ein Eignungstest beim Arbeitsamt. "Bewerbungsschreiben gab es nicht, Zeugnisse wurden nachgereicht", erinnert sich Pfitzer, der wie Huber als Ausnahmen die Mittlere Reife in die Ausbildung mitbrachte.


Sicherer Arbeitsplatz

Beide loben den "guten Ausbildungsstandard", den "sicheren Arbeitsplatz" und das "soziale gute Klima" bei Bosch, die ihnen den Verbleib in diesem Betrieb leicht gemacht haben. Etliche ihrer ehemaligen Lehrlingskollegen spezialisierten sich in ihrem erlernten Beruf weiter. Einige machten berufsbegleitend die Industriemeisterprüfung und arbeiteten als Werkstattmeister, andere besuchten die Ingenieurschule, zwei holten das Abitur am Theresianum nach.

"Einer wurde Zahnarzt und hat eine eigene Praxis im Rheingau", erzählt Pfitzer. Die meisten seien jedoch in der Bamberger Region geblieben. Abgesehen davon, dass "einer von uns leitender Direktor bei Bosch in China und einer Chef der Qualitätssicherung in Korea wurde". Für weitere ging es auf der Karriereleiter nach oben: "Einer von uns wurde tatsächlich leitender Direktor der Firma Bosch in Bamberg!" Direktorenposten bei international tätigen Firmen übernahmen andere. Einer wurde Berufsschullehrer und anschließend Bürgermeister einer fränkischen Gemeinde.

Fred Pfitzer hat die schriftlichen Ausbildungsunterlagen nun fünf Jahrzehnte lang sorgfältig aufbewahrt. Auch seine erste technische Arbeit, eine Drahtbiegeübung, ist ein willkommenes Souvenir. "Bosch ist für uns die Firma", kommt es mit einem Brustton der Überzeugung.

Die freudige Erwartung auf das Wiedersehen mit seinen einstigen Kameraden steht ihm ins Gesicht geschrieben. 1996, also zum 30. Jubiläum, gab es das letzte Treffen.