Nach fast dreijähriger Pause meldeten sich letztes Jahr K.I.Z mit ihrem Album "Hurra die Welt geht unter" zurück in der Hip-Hop Szene. Das Album stieg sofort in die Charts auf und auch die Tour war ein großer Erfolg. Deshalb wird sie verlängert, die Gruppe kommt jetzt auch nach Bamberg. Vor dem Auftritt am Samstag, 2. April, in der Brose Arena stand der Sänger Maxim Drüner Rede und Antwort - in typischer K.I.Z.-Manier.

Der Name K.I.Z. scheint ja mehre Bedeutungen zu haben. So finden sich Deutungen wie "Kannibalen in Zivil", "Künstler in Zwangsjacken", "Kriegsverbrecher im Zuchthaus" oder "Kreuzritter in Zentralasien". Für was steht K.I.Z. aktuell gerade? Und wie kommt die Band auf diese Namensinterpretationen?
Maxim Drüner: Für "Kobolde im Zauberwald", weil wir alle gerade unsere kindische Seite wiederentdecken.
Man kann nicht mehr richtig laufen, kackt sich ein und braucht wieder seine Mutter. Wir hoffen aber, dass das nicht unsere letzte Interpretation ist. Wie wir diese finden? Normalerweise nehmen wir uns aus dem Publikum immer eine Jungfrau und schneiden den Namen aus ihren Eingeweiden.

Wie hat sich die Band zusammengefunden?
Puh, das ist eine schwere Frage. Ich würde sagen auf Berliner Umwegen. Heiko und ich haben uns auf einer Ausstellung über die Verbrechen der Waffen-SS kennengelernt. Tarek und Sil-Yan kannten sich aus der Schule. Dazu kamen noch einige andere Leute. Zunächst war es eine lose Gruppierung und irgendwann waren halt noch vier übrig, die Bock hatten, Musik zu machen.

Stand die Musikrichtung von Anfang an fest? Oder warum haben Sie sich ausgerechnet für Hip-Hop entschieden?
Nun, wir können keine Instrumente spielen und können nicht singen, daher haben wir einfach gerappt. Aber auch von unserem Umfeld her war Hip-Hop nie eine Frage. Wir haben zwar immer auch andere Musik gehört und es gab sicherlich den einen oder anderen Punker unter uns, aber eigentlich war es uns immer klar, dass wir in diese Musikrichtung einschlagen werden.

Sie singen in Ihren Liedern über Kannibalismus, Sexismus, Mord und Adolf Hitler. Sie sind sarkastisch und ironisch. Gibt es Themen, die für Sie ein Tabu sind?
Keine Ahnung. Alle langweiligen Sachen vielleicht. Das klingt so, als hätten wir die Absicht, Tabus zu brechen. Haben wir aber nicht! Aus Prinzip Tabus brechen zu wollen, halte ich auch für ein sehr dämliches Unterfangen. Schließlich ist ein Lied nicht nur deswegen gut, nur weil man ein Tabu bricht. Es gibt einfach Sachen, die ich langweilig oder dumm finde und deshalb tue ich sie einfach nicht. Aber das hat nichts damit zu tun, dass es ein Tabu ist, welches ich nicht brechen will. Ich renn auch nicht rum und mache Negerwitze, aber nicht, weil ich es mir unangenehm wäre oder es ein Tabu für mich ist, sondern weil ich es einfach nicht lustig finde.

Gehört es vielleicht auch ein bisschen zur Vermarktung, aufzufallen um jeden Preis. Ich nenne nur das illegales U-Bahn-Konzert?
Das hat ja weniger mit dem Auffallen zu tun als damit, ein Konzert in einem Umfeld stattfinden zu lassen, wo es normalerweise nicht stattfindet: nämlich in einem U-Bahn-Waggon. Es geht uns vielmehr darum, einen neuen Raum "zu erobern". Das war der Gedanke der dahinter steckte. Wir fanden es geil und eine tolle Unterhaltung. Dieser Moment bei dem U-Bahn-Konzert im Jahre 2007 war aber auch sehr wichtig, um zu sehen, wie viele Leute man mobilisieren kann. Wir wurden mit einer Anlage in den Händen von der Polizei gejagt. Das fand ich großartig.

Würden Sie das noch einmal machen oder war es eine einmalige Geschichte?
Wir haben so ähnliche Sachen öfters wiederholt. Wir haben von einem Boot aus in Berlin schon ein Konzert gegeben. Wir haben eine Kofferraum-Albumverkaufstour gemacht und wir haben irgendwo in einer Stadt angehalten und spontane Konzerte gegeben. Aber etwas haargenau noch einmal zu wiederholen, wäre uns zu ausgelutscht.

Gibt es eigentlich den typischen K.I.Z-Fan?
Ich glaube das ist schwer zu sagen und man kann die Frage nicht so richtig beantworten. Mittlerweile ist unser Publikum sehr gemischt: Frauen und Männer. Es werden immer mehr, je erfolgreicher man wird. Es gibt ein paar richtige Hip Hopper unter unseren Fans. Aber es gibt auch welche, die sagen "Ich mag keinen Hip-Hop, aber K.I.Z. finde ich geil". Es ist eine bunte Mischung.

In ihrem Album und auf ihrer Tour prophezeien Sie den Weltuntergang. Doch warum sollen wir uns darauf freuen?
Immer wenn Leute sagen "Da geht die Welt unter" passiert irgendeine Katastrophe. Da meinen sie eigentlich nur, dass ihr System, wie irgendwas funktioniert, zu Grunde geht. Und diese Sorgen muss man sich nicht unbedingt zu eigenen machen. Man muss sich nicht darum sorgen, wenn irgendeine Firma Pleite geht, mit der man nichts zu tun hat. Oder wenn Deutschland im Fußball verliert oder irgendein Außenminister schlecht Englisch spricht. Dann tut mir das nichts und es bringt auch nichts, sich über diese Dinge Sorgen zu machen, über die man sich gar nicht sorgen muss.

Das ungewöhnliches Plattencover zeigt ja schon mal Weltuntergangs-Stimmung: einen rostigen Panzer, der auf einer Wiese steht. Am Schützenrohr schaukelt ein kleines Mädchen. Was steckt dahinter?
Zunächst hatten wir die Idee, das Ende der Welt zu inszenieren. Allerdings nicht so, wie bei Computerspielen oder Katastrophenszenarien. Es sollte keine katastrophale Albtraumwelt sein, sondern einfach nur ein ganz geiler Untergang. Dann war die Frage gewesen, wie man so ein geiles Untergangsszenario darstellen kann. Dabei wollten wir natürlich Sachen darstellen, von denen man sich auch wünscht, dass sie untergehen. Zum Beispiel: Krieg, Geld oder eine Bibel, auf die man keinen großen Wert legt. Das war unsere Grundidee und am Ende kam dieses Bild dabei heraus.

In Bamberg werden nach derzeitigem Stand über 6000 Fans live mit dabei sein. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Ich glaube es liegt daran, dass wir schon sehr lange sehr aktiv sind. Dann liegt es natürlich an der unglaublichen Qualität unserer Texte. Ferner liegt es daran, dass wir schon so lange in der Branche aktiv sind, dass mittlerweile die Kinder der Fans auch mit auf den Konzerten dabei sind. Somit haben sich unsere Fans verdoppelt bzw. verdreifacht oder vervierfacht.

Auf was dürfen sich die Bamberger Fans am kommenden Samstag freuen?
Es ist die erste K.I.Z.-Tour, auf der die Band richtig geprobt hat. Das heißt allerdings nicht, dass alles perfekt wird. Wir trinken immer noch gerne Alkohol ... Ansonsten wird es viel Feuer, Geld und Überraschungen geben, von denen wir selbst noch nichts wissen.

Und was wünscht Ihr euch von den Bamberger Fans?
Sie müssen unbedingt festes Schuhwerk mitbringen so wie Kleider, die schmutzig werden können. Vorher sollen sie ordentlich essen und trinken. Und natürlich dürfen sie gute Laune nicht vergessen.

Die Fragen stellte Harald Rieger