Gute Nachrichten für alle, die sich in die acht roten Männer vom Schönleinsplatz verguckt haben: Die Installation "Meeting" (auf Deutsch: Treffen) von Wang Shugang bleibt auf jeden Fall über den 19. August hinaus, an dem die Schau zum 20. Welterbe-Jubiläum endet. Nicht ausgeschlossen, dass die hockenden Herren zu Bambergern werden: Im Rathaus weiß man von einer ersten Privat-Initiative zum Ankauf dieses Kunstwerks.

Die Installation am zentralen Schönleinsplatz findet die meiste Aufmerksamkeit unter allen 16 Stationen der Schau. Abzulesen ist das auch am Rasen, der von den Füßen der ungezählten Betrachter abgetreten ist.

"Die Leute haben Spaß daran!" freut sich Kurator Alexander Ochs-Barwinek. Das positive Echo steht für ihn im Vordergrund und nicht etwa der Ärger über schon zwei Mal entführte Skulpturen aus dieser Figuren-Gruppe.


Ochs, gebürtiger Bamberger und Galerist in Berlin und Peking, mag sich und den vielen Kunstinteressierten durch Einzelne nicht die Freude an der Schau verderben lassen. Er hat zwar Konsequenzen aus dem Vandalismus gezogen, aber keine, unter denen die leiden würden, die sich an der Installation erfreuen. Im Gegenteil: Er gab bei dem chinesischen Bildhauer eine Ausführung in Bronze in Auftrag, die nicht mehr so leicht wegzutragen
und zu beschädigen ist.

Eine fehlt momentan, weil sie von ihren unbekannten Entführern stark beschädigt wurde. Sie wird gerade provisorisch repariert.

Die Kunststoff-Skulpturen werden voraussichtlich im September abgelöst - was den Schluss zulässt, dass das spektakuläre "Meeting" noch Monate, vielleicht sogar den Winter über andauert. Einen genauen Zeitplan gibt es laut Ochs und Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt, nicht.

Anders im Diözesanmuseum: Es ist beschlossene Sache, dass die Installation AiWeiweis vor dem Sternenmantel Kaiser Heinrichs II. bis 29. September bleibt. Der Name des Künstlers, der auch der bekannteste chinesische Regimekritiker ist, scheint zu ziehen.

Von auffällig vielen asiatischen Besuchern berichtet Norbert Jung, der für Kunst und Kultur im Erzbistum zuständige Domkapitular. Er vermutet, dass das mit AiWeiwei zusammenhängt.

"Circles" zieht noch mehr Kreise, stellt Ochs erfreut fest. Es sei eine seiner Intentionen, dass es einen Diskurs gibt, dass man sich in Bamberg mit den Kunstwerken auseinander setzt und mit den Orten und Persönlichkeiten, denen er sie zugeordnet hat.

"Das Konzept geht auf", bestätigt Barbara Kahle, die Vorsitzende des mit veranstaltenden Kunstvereins. Es ist nach ihren Worten ein großes Verdienst der Schau, dass sie über die moderne Kunst hinaus auch durch die Wahl ungewöhnlicher Standorte Gesprächsstoff über Bamberg, seine Geschichte und Menschen bietet.

Die Resonanz an den verschiedenen Stationen ist sehr unterschiedlich. In den frei zugänglichen Kirchen und Häusern ist relativ viel los. Am Container beim Synagogenplatz und in der Kapelle des Residenzschloss-Hotels machen sich Besucher augenscheinlich eher rar.

Aus Sicht der Verantwortlichen kein Manko, sondern erwartet. Ein Massenevent wolle die Schau gar nicht sein, sagt Kahle. Mit einem größeren Budget für Werbung hätte man sicher mehr Menschen ansprechen können, meint Siebenhaar.

Die Tourist Information berichtet von einer regen Nachfrage. Mehrmals täglich würden sich Leute nach der Circles-Ausstellung erkundigen, so Michael Heger, Teamleiter Marketing. Die Handzettel und auch das Begleitbuch gingen gut.

Letzteres erscheint dieser Tage in zweiter Auflage, nachdem die ersten 1000 Exemplare fast vergriffen sind. Jedem Kunstwerk und jedem Standort ist darin ein erklärender Text gewidmet.

Auch der Erlöserkirche, die eine Werkreihe des australischen Künstlers John Young über Dietrich Bonhoeffer beherbergt. Die evangelisch-lutherische Gemeinde setzt sich besonders intensiv mit der Ausstellung auseinander, hat ihr eigens eine Predigtreihe gewidmet, die am 11. und 18. August, jeweils um 8 und 10 Uhr, fortgesetzt wird.

Im Kirchenvorstand denkt man über einen Ankauf von Youngs Beitrag nach. "Weil er inhaltlich und gestalterisch gut in unsere Gemeinde passt", so Pfarrerin Dorothea Münch auf Anfrage. Ob und wie der Erwerb finanziert werden kann, muss nach den Worten der Theologin jedoch erst in Ruhe geprüft werden.

Die Werkreihe besteht aus einem großen farbenfrohen Seidenteppich und mehreren Tafelbildern. Laut Ochs ist der Künstler bereit, seine Arbeiten zum Produktionspreis zu überlassen.

Ob für immer oder nicht: Vor dem Hintergrund des möglichen Verbleibs wird auch diese "Circles"-Station über den 19. August hinaus zu sehen sein.

Wie das "Meeting" am Schönleinsplatz. Einen Spendenaufruf zu Gunsten der Wang Shugang-Installation noch in diesem Jahr schließt die Stadtsprecherin aus.

Grund: Erst müsse die Plensa-Figur an der Oberen Mühlbrücke aus der letzten Großskulpturenschau finanziert sein. Zwei Drittel des Anschaffungspreises (250 000 Euro) habe man zusammen. Grundsätzlich würde man im Rathaus laut Siebenhaar den Verbleib des neuen Kunstwerks am Schönleinsplatz begrüßen.