Um drei nach zwölf gehen die Blicke zur Uhr über der Tür des Sitzungssaals. Denn um Zwölf soll das Urteil gesprochen werden in einem Fall, der nach 14 Verhandlungstagen sein Ende finden soll. Mehrmals wurde das Urteil nach hinten verschoben, die Zuhörer sind angespannt. Was wird die Zweite Strafkammer des Bamberger Landgerichts gleich verkünden?

Eine Minute später betreten die Richter den Raum, alle im Saal stehen auf. Vorsitzender Richter Manfred Schmidt verkündet das Urteil: Der 32-jährige Sami C. (Name geändert) wird zu fünf Jahren und neun Monaten verurteilt, wegen besonders schwerer Brandstiftung in Tatmehrheit mit Anstiftung zur Sachbeschädigung. Vom versuchten Versicherungsbetrug, von dem in der Anklageschrift die Rede war, wurde er freigesprochen.
Sein 24-jähriger Neffe Yasin T. (Name geändert) muss für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
Das ist seine Strafe für schwere Brandstiftung in Tatmehrheit mit Sachbeschädigung.

Benzin im Solarium ausgeschüttet

Als das Urteil gesprochen ist, ist es still im Gerichtssaal. Die Kammer beginnt mit der Urteilsbegründung. Das Gericht sieht es als erwiesen an, beide in der Nacht des 7. Dezember 2013 gemeinsam im Auto des Onkels zum Sonnenstudio am Babenbergerring gefahren sind. Dort haben sie nach Ansicht der Kammer einen Teil des Benzins aus einem Kanister, den sie vorher an einer Tankstelle gekauft und an einer anderen befüllt hatten, im Sonnenstudio ausgeschüttet.

Danach seien sie noch einmal in die Innenstadt gefahren, hätten sich mit Bekannten getroffen und seien später wieder zum Solarium gefahren. Dort hätten die beiden Täter das restliche Benzin ausgeschüttet, der ältere habe dann im Auto gewartet, während der jüngere eine Scheibe eingeworfen und die Räumlichkeiten angezündet habe.

Durch Feuer und Rauch entstand ein Gebäudeschaden von rund 217 000 Euro. Die Menschen, die in den Wohnungen über dem Gewerbezentrum schliefen, mussten evakuiert werden.

Yasin T. hatte die Tat bereits bei Prozessauftakt gestanden. Er habe im Vorfeld der Brandstiftung von seinem Onkel auch den Auftrag bekommen, die Fassade des Solariums und angrenzender Läden zu besprühen, wie er damals ausgesagt hatte. Nach Auffassung des Gerichts war es das Ziel von Sami C., die Brandstiftung wie einen Akt des Vandalismus aussehen zu lassen. Das Sonnenstudio, das der 32-Jährige betrieben hatte, sei nicht mehr rentabel gewesen. Er habe mit einem außerordentlichen Kündigungsgrund aus dem Pachtvertrag kommen wollen.

Der Geschäftsmann hatte nach seiner Festnahme bei der Ermittlungsrichterin eingeräumt, dass Vandalismus vorgetäuscht werden sollte. Zudem habe er zugegeben, seinen Neffen angestiftet zu haben, wie Richter Schmidt erläuterte. Sami C. selbst hatte vor Gericht darauf beharrt, zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen zu sein.
An diesem fand die Polizei nach dem Brand den blauen Benzinkanister.

Verteidiger erwägen Revision

Beim Strafmaß gingen die Anträge von Anklage und Verteidigung weit auseinander: Staatsanwalt Thomas Förster forderte für Sami C. eine Strafe von acht Jahren, für Yasin T. eine von fünf Jahren und vier Monaten.
Das Urteil fiel zwar letztendlich milder aus, doch die Verteidiger von Sami C. sind nicht zufrieden. Die Rechtsanwälte Joachim Voigt und Jochen Kaller hatten für ihren Mandanten ein Jahr auf Bewährung plädiert, seine Beteiligung an der Brandstiftung sahen sie als nicht bestätigt an. Kaller kündigte direkt nach der Sitzung auf Nachfrage an: "Wir gehen in Revision."

Ob Yasin T. und sein Anwalt Peter Plischke das Urteil annehmen oder ebenfalls beim Bundesgerichtshof Revision einlegen werden, ließen sie offen. "Wir entscheiden noch, ob wir in Revision gehen. Wir werden das Urteil prüfen."

Rechtsanwalt Peter Plischke hatte sich für eine zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesprochen und angemerkt, dass sein Mandant türkischer Staatsbürger sei. "Bei einer Strafe von mehr als drei Jahren muss er damit rechnen, ausgewiesen zu werden."