Es war ein angespanntes Wochenende für die rund 850 Michelin-Beschäftigten in Hallstadt bei Bamberg gewesen. Am Freitag hatten sie erfahren, dass für Montag eine Belegschaftsversammlung in ihrem Werk angesetzt ist, eine von fünf Produktionsstätten des französischen Reifenherstellers in Deutschland.

Nicht irgendeine Infoveranstaltung. Die gesamte Produktion in Hallstadt, das heißt alle Schichten, standen gestern still. Dass der Markt schwierig ist, war den Beschäftigten schon vorher bewusst. Am Montag erfuhren sie dann alle von Werkleitung und übergeordneten Führungskräften, dass für das Werk große Herausforderungen anstünden. Michelin prüfe verschiedene Optionen zur Zukunft des Standorts, hieß es.

Wohin die Reise geht, wissen die Mitarbeiter immer noch nicht. Dem Vernehmen nach wurden ihre konkreten Nachfragen nicht beantwortet. "Wir gehen jetzt erst ganz offen in Gespräche mit unseren Sozialpartnern", sagte Cyrille Beau, Michelin-Generalsekretär für die Region Europa Nord gestern in Hallstadt in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Bis zum Jahresende wolle man eine Lösung mit Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) finden.

Das Problem für Hallstadt im derzeit schwierigen Umfeld der Autoindustrie ist laut Beau der Trend hin zu größeren Zoll-Größen im Premiummarkt, den die Hallstadter bedienen. Aktuell haben 56 Prozent der in Hallstadt produzierten Pkw-Reifen eine Größe von 16 Zoll. "Das wächst nicht mehr. In den vergangenen Jahren ist das stark runtergegangen", berichtete Beau.

Zwar werden in Hallstadt inzwischen auch 17- und 18-Zoll-Reifen gefertigt. Aber auch hier erwartet Beau, dass "infolge vieler SUVs auf den Straßen der 17-Zoll-Markt nicht mehr wachsen wird".

Was dem Premiumsegment von Michelin vor allem zu schaffen macht, sind die vielen Billigreifen aus Fernost und Osteuropa, die den Markt überschwemmen. Hinzu kommt der Preisdruck, sowohl von den Autoherstellern im Erstausrüstermarkt als auch im sogenannten Ersatzmarkt. "Die Preise gehen so stark nach unten, dass man eigentlich keinen Ertrag mehr hat", sagte Beau. Im Moment hätten beim weltweit zweitgrößten Reifenhersteller nach Bridgestone alle Werke in Europa keine Vollauslastung.

Ursprüngliche Überlegungen, dass in Hallstadt ab 2021 eventuell 19-Zoll-Reifen produziert werden, bestätigte Beau nicht. Dazu gebe es heute keinen festen Plan, sagte er. Immerhin kündigte er an, dass sich in Hallstadt "2019 nichts ändert".

Sascha Spörl, Gewerkschaftssekretär der IG BCE, geht davon aus, dass sich Michelin an den bis Ende 2022 gültigen Tarifvertrag mit Standortsicherung in Hallstadt hält. Der schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. "Letztlich wird alles in Frankreich entschieden", meint er.