Statt Helmen trugen Ritter "Schwarzherz" und Sir Oblong-Fitz-Oblong anfangs noch Wollmützen, als sie Ende Mai auf der Altenburg die Klingen kreuzten. Dann gingen die Proben in die heiße Phase: So schwitzten die beiden Bennys (Benjamin Bochmann und Benjamin Mangelsdorf) in den vergangenen Tagen bei Schwertkämpfen unter sengender Sonne. "Oft half nur die Flucht vor der Hitze unters riesige Segel der Zuschauertribüne", sagt Heidi Lehnert als Produktionsleiterin von Chapeau Claque. Schließlich verlegte man die Proben in den frühen Morgen, "was für manchen noch schlimmer war als Action bei Extremtemperaturen". Ja, so sind's die Rittersleut', die auf Bambergs Wahrzeichen seit Wochen für Aufsehen sorgen - umringt von Gauklern, Magiern und Drachen, die kleine Zuschauer ab dem 21. Juni zum Schaudern, Staunen und Lachen bringen sollen: Dann feiert "Der kleine dicke Ritter" nach Robert Bolt Premiere.


"Wie viele Bücher, Filme und Spiele gibt's rund ums Thema: Vom Leben der Ritter und Burgfräulein sind Kinder nach wie vor fasziniert", meint Heidi Lehnert. Das Lieblingsshampoo ihres dreijährigen Sohnes zeigt einen Ritter. Und passend dazu baut Béla nach dem Baden aus Handtüchern Burgen. "Bei Chapeau Claque kam die Idee zu dem Stück auch schon vor Jahren auf. Es dauerte aber, bis wir das Theaterprojekt auf der Altenburg endlich verwirklichen konnten."

Ritter, der Kämpfe verabscheut

Vor großen Aufgaben steht der kleine dicke Titelheld im Bühnenstück Robert Bolts: Dem Werk eines Dramatikers, der sich mit Drehbüchern zu Filmen wie "Doktor Schiwago" und "Lawrence von Arabien" profilierte. Aber zurück zu Sir Oblong-Fitz-Oblong, der auf der Insel Bolligru einen heimtückischen Baron und dessen gemeinen Gefährten ("Schwarzherz") ausschalten soll. Wie sonst könnte der Ritter die unterdrückten Inselbewohner retten, die's ganz nebenbei noch mit einem hungrigen Drachen zu tun bekommen? "Dabei ist Oblong-Fitz-Oblong so mitfühlend und friedfertig, dass er das feuerspeiende Ungeheuer am liebsten als Haustier halten möchte", sagt Nina Lorenz, die Regisseurin, die für Chapeau Claque schon "Michel in der Suppenschüssel", "Ein Sams zuviel" und "Karlsson vom Dach" inszenierte. Ein Nonkonformist ist der Krieger, der jede Gewalt verabscheut und das Schwert nur notfalls schwingt. "Das ist der Reiz an der Geschichte. Und natürlich reizte es mich, ein solches Spektakel auf der Altenburg als idealer Kulisse umzusetzen", so Lorenz, die sich zuvor jahrelang als Regisseurin und Dramaturgin am E.T.A.-Hoffmann-Theater engagierte.


Keine Panik!

Eine Herausforderung war's für die gebürtige Berlinerin, bei Chapeau Claque mit Akteuren zu arbeiten, die gleich in mehrere Charaktere schlüpfen. "Und dann mussten nach den ersten Probenwochen krankheitsbedingt noch zwei Rollen neu besetzt werden", berichtet Heidi Lehnert: "Da darf man nicht in Panik verfallen. Glücklicherweise fanden sich zwei Schauspieler, die den Job übernehmen konnten."

Als verfänglich stellte sich im wahrsten Sinne des Wortes das Bühnenbild heraus - mit etlichen Seilen, die gespannt wurden und "einiges aushalten müssen, wenn die Schauspieler daran herumturnen", so die Produktionsleiterin. Nachts nutzten unbekannte Täter schon die Gelegenheit, um Seile zu kürzen. "Seither schließen wir abends alles Zubehör ein." Überhaupt sind die Proben auf der Altenburg für die meisten Besucher eine Attraktion. "Eine Gruppe von Amerikanern wurden wir erst los, nachdem sie Fotos zusammen mit dem Ensemble machen durften."


Ohne 30-Kilo-Rüstung

Dank Nikola Voit bleiben allen Rittern zumindest Rüstungen erspart, die wie einst um die 30 Kilo wiegen. Aus denkbar unkonventionellen Materialien - bis hin zu silbernen Topfschwämmen - nähte die Kostümbildnerin luftigleichte Alternativen. Dazu hatte Nikola Voit sämtliche Schwämme eines Ladens aufgekauft, was einer anderen Kundin in der Schlange an der Kasse aufstieß: "Etz soongs amoll, für wos braung Sie denn die Haufm Schwämm?" Ihre sichtlich beeindruckte Reaktion nach Voits Erklärung: "No, des is wos - Ideen muss mer hom, Ideen!"


Die Termine

Chapeau Claque zeigt "Der kleine dicke Ritter" nach Robert Bolt mit Susanna Bauernfeind, Victoria Heinz, Benjamin Bochmann, Benjamin Mangelsdorf, Thomas Paulmann und Harald Rink in einer Inszenierung von Nina Lorenz ab 21. Juni, 17 Uhr (Premiere) auf der Altenburg. Weitere Vorstellungen sind am 22. Juni, 14 Uhr, 29. Juni, 15 Uhr, 6. Juli, 13., 20., 27. Juli, 15 Uhr, 2. August, 17 Uhr, 3. August, 15 Uhr, 9. August, 17 Uhr, 10. August, 15 Uhr, 16. August, 17 Uhr, 17. August, 15 Uhr, 23. August, 17 Uhr, 24. August, 15 Uhr, 30. August, 17 Uhr, 31. August, 15 Uhr, 6. September, 17 Uhr, 7., 13. und 14. September, 15 Uhr.

Mehr über Chapeau Claque gibt's auf der Homepage des Bamberger Kinder- und Jugendtheaters.