Nein, bei aller Offenheit im Pressegespräch lässt sich Johannes Schulz-Hess nicht in die letzten Karten schauen. "Top secret", sagt der Geschäftsführer der Bamberger Kaspar Schulz Brauereimaschinenfabrik & Apparatebauanstalt GmbH, als er nach Ergebnissen der firmeneigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung gefragt wird. Immerhin versichert Schulz-Hess, dass "wir ganz vorn mitmischen, wir haben einiges, was wir auf den Markt bringen können". Auf einen Markt, der "heiß umkämpft ist, und auf dem wir in einem harten Wettbewerb stehen".

Dass die Brauereimaschinenfabrik kein klassischer Industriebetrieb ist, sondern eher ein handwerklicher auf hohem Niveau, beweist ihr Durchhaltevermögen. Als Kupferschmiedewerkstatt im Jahr 1677 gegründet, ist die Fabrik Bambergs ältestes noch existierendes Familienunternehmen. Und ein gesundes dazu: "Das ist kein Selbstläufer, wir planen von Projekt zu Projekt", erklärt Johannes Schulz-Hess. Und wie sich die Corona-Krise niederschlagen werde, sei ungewiss.  Gleichwohl ist der Bierdurst den Deutschen und insbesondere den Franken in der Pandemie nicht gänzlich vergangen: "Sogar in diesen Corona-Zeiten entstehen neue Brauereien, auch in der Region", freut sich der Geschäftsführer über die gute Auftragslage. Denn "die hilft uns sehr".

Kunden in der ganzen Welt

Nur zwei Monate in diesem außergewöhnlichen Jahr herrschte bei Kaspar Schulz "geringfügig Kurzarbeit". Inzwischen sind die 205 Mitarbeiter wieder voll beschäftigt. Am 1. September begann gleich für sieben "motivierte Leute" die Ausbildung in der Firma. Einer Firma, die Kunden in der ganzen Welt hat. Wenngleich der "globale Markt generell durch die verschiedenen Krisen kleiner geworden ist", erklärt Schulz-Hess.

Während in früheren Jahren viele Brauereianlagen nach Südafrika, Amerika, gelegentlich China geliefert worden seien, mache heute Europa den Kernmarkt aus. Exotischer Ausreißer ist da eine größere Anlage, die derzeit für den Export ins südamerikanische Ecuador fertiggestellt wird.

Bei einem Rundgang durch die Werkshallen berichtet Johannes Schulz-Hess über das Portfolio von Kaspar Schulz. Von Einzelkomponenten bis hin zu kompletten Brauereien wird an mittelständische Unternehmen geliefert.

Flexible und individuelle Lösungen 

Der zunehmenden Biervielfalt und dem Trend zum Craft-Beer trägt Kaspar Schulz durch "flexible, individuelle Lösungen" Rechnung: "Auf unseren Anlagen können alle Biersorten, die man weltweit kennt, ohne Einschränkungen produziert werden", betont Schulz-Hess. Er führt weiter an, dass "von der Schroterei bis zum Sudhaus und Flaschen- beziehungsweise Fassfüller" all das zum aufeinander abgestimmten Angebot gehört, was ein Kunde für eine Brauerei braucht. Selbstredend, dass Digitalisierung und Automatisierung auch vor diesem alten Handwerk keinen Halt machen. Da braucht es schon qualifiziert ausgebildete Spezialisten, die - wie in den Produktionshallen einsehbar - souverän die notwendige Elektronik installieren.

Johannes Schulz-Hess führt seit 2007 in zehnter Generation die Kaspar Schulz Brauereimaschinenfabrik. Das Angebot hat sich seither weiterentwickelt. So konnten zum Beispiel ein eigenes Filtrationssystem und ein eigenes Mälzungssystem aufgenommen werden. Auch Destillen für Whisky gehören dazu.

"Was wir bisher nicht selbst abdecken konnten", so Schulz-Hess, übernehmen zwei weitere Unternehmen, die zur Kaspar Schulz GmbH gehören: der Edelstahlbauer Hinke in Oberösterreich für die Fertigung größerer Tanks und die Schroterei Künzel in Mainleus als Marktführer in der Branche.

Die elfte Generation steht schon in den Startlöchern

Ob Kaspar Schulz weiter expandieren will und kann, lässt der Geschäftsführer offen: "Man soll nie nie sagen!", hält er sich Optionen offen. Fest steht für ihn aber, dass "wir Lokalpatrioten sind, wir stehen allein schon aus unserer Historie heraus zum Standort Bamberg". Und zumindest "rein biologisch" gibt es auch die elfte Generation: "Ich habe zwei Söhne und eine Tochter", sagt der nach eigenen Worten "leidenschaftliche Biertrinker" und zertifizierte Biersommelier Johannes Schulz-Hess.