Bamberg Bummeln, schauen, schlauer werden: Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e.V. hat eine Internetseite konzipiert, die Bamberg-Kenner und Bamberg-Besucher bestimmt bald nicht mehr missen wollen. Denn das hat in Bamberg einfach noch gefehlt: eine Informationsquelle, die über alle 1800 Einzeldenkmäler der Stadt Auskunft gibt, und die dennoch nicht wie Blei in der Handtasche oder im Rucksack liegt, weil sie jederzeit ganz einfach über ein Smartphone abrufbar ist.

Die große Aufgabe, alle Denkmäler zu fotografieren, zu beschreiben und dazu bei vielen - unter dem Kapitel "a weng mehr" - auch noch Geschichten zu erzählen, hat sich die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg vorgenommen.


"Work-in-progress"

Die Mitarbeiterinnen - allen voran Marion Dubler und Lore Kleemann - sind schon weit vorangekommen, so dass die Schutzgemeinschaft in Kürze den Schritt an die Öffentlichkeit wagt. Über 300 Häuser, Hausfiguren oder andere Dinge, die das Stadtbild prägen - wie Brunnen oder der Alte Kanal und die Schleuse 100 - sind inzwischen inventarisiert. Begonnen wurde mit dem Inselgebiet, wo sich die meisten Bamberg-Besucher bewegen.

Als nächstes arbeitet sich das Team langsam "die Berge hinauf". "Work-in-progress" nennt sich das Verfahren der stetigen Weiterentwicklung. Und selbst, wenn alle 1800 Einzeldenkmäler eingepflegt sein werden, müssen Texte und Bilder immer wieder überprüft und aktualisiert werden. Präsentiert wird die Internetseite der Schutzgemeinschaft "denkmal-bamberg.de" am Dienstag, 26. April, im großen Saal der Städtischen Volkshochschule.


Kulturförderpreis

Den Anstoß für das Mammut-Projekt, das den Ehrenamtlichen viel Zeit und Arbeit abverlangt, gab der mit 5000 Euro dotierte Kulturförderpreis der Weltkulturerbestiftung Bamberg, den die Schutzgemeinschaft im Jahr 2013 wegen ihres damals 45-jährigen Engagements zum Erhalt des historischen Stadtbilds erhielt. Diese Belohnung wollen die ehrenamtlich Tätigen des gemeinnützigen Vereins den Bewohnern und Gästen Bambergs nun "zurückgeben".


2018 voraussichtlich fertig

Die Startseite ist ein interaktiver Stadtplan, auf dem sämtliche Einzeldenkmäler in den Farben Grau (noch nicht inventarisiert) oder Rot erscheinen. Bei den roten Elementen öffnet sich durch Anklicken die dazu passende Information. Der Zugang ist kostenfrei und direkt, ohne Werbung und barrierefrei, mit kurzen Downloadzeiten und geringem Datenverbrauch.

Zusammen mit bis zu drei Fotos erscheinen die Adresse, eine Bezeichnung oder ein Hausname (so vorhanden) und ein Kurztext. "Das aber", so der Erste Vorsitzende Jörg Händler, "schien uns nicht genug. Unsere Intention war, den Interessierten die Vielfalt der Bamberger Denkmäler mit wissenschaftlich fundierten Erläuterungen noch näher zu bringen, weshalb jeder, der noch mehr Details wissen möchte, diese über ein bis zwei weitere Klicks nachlesen kann.". Für Lokalkolorit sorgen die Titel dieser weiterführenden Links, die sich "a weng mehr" oder, falls es Berichtenswertes gibt, "G'schichtla" nennen.

Marion Dubler demonstrierte für die Lokalredaktion am Obstmarkt vor dem Mohrenhaus die "Mobilität" der Seite: Wer mit seinem Smartphone unterwegs ist und die GPS-Ortung zulässt, kann sich auf dem Stadtplan verorten und alle denkmalgeschützten Objekte im Umfeld erkennen und abrufen. Die sogenannte responsive Programmierung garantiert eine optimale Darstellung auf dem Bildschirm.

Die Schutzgemeinschaft bekam für ihr - nach bisherigen Erkenntnissen - deutschlandweit einzigartiges Projekt auch Hilfe von außen: vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dessen Hauptkonservator Thomas Gunzelmann den Plan von Anfang an begleitet hat. Für das Formulieren der Texte beschäftigt der Verein Lore Kleemann, eine Kennerin der Bamberger Geschichte. Sie hat Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität studiert, ist Gästeführerin und Dozentin an der VHS. Auf Basis der offiziellen Denkmalliste und den Beschreibungen in dem vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege herausgegebenen Großinventar ergänzt sie die Informationen mit eigener Recherche.

Die Schutzgemeinschaft hofft, das Werk im Jahr 2018 vollendet zu haben.