Kaum jemanden hat die Corona-Krise so sehr getroffen wie Künstler und Kulturschaffende. Theater, Konzerte, Ausstellungen, Lesungen - nichts ging mehr ab März. Aufträge brachen weg, viele Kreative mussten und müssen um ihre Existenz bangen. Bis heute findet Kultur nur sehr eingeschränkt statt.

Katharina Hückstädt (37), freischaffende Künstlerin aus Bamberg, konnte in der schlimmen Zeit ihre Ölgemälde und Tuschezeichnungen nicht ausstellen und musste das Café Backstübla, das sie in der Sandstraße betreibt, wochenlang schließen. Was nun? Gemeinsam mit einem Kollegen entwickelte sie eine außergewöhnliche Idee.

Anfang des Jahres hatte Hückstädt über Instagram Joan Quintas Toledo kennengelernt, einen aus Argentinien stammenden und in Madrid ansässigen Zeichner. Der Kontakt entstand, als Quintas Toledo ein Bild kommentierte, das Katharina Hückstädt auf Instagram gepostet hatte. Man schrieb sich, persönlich getroffen haben sich die beiden bisher nicht. "Es ist wie eine Brieffreundschaft", sagt Katharina Hückstädt.

Gemeinsam ist beiden die Vorliebe für Tusche. Katharina Hückstädts Arbeiten setzen sich aus Fragmenten des Mikrokosmos, Naturdetails und der sichtbaren Wirklichkeit zu surrealistisch anmutenden Kompositionen zusammen. Die Arbeiten von Joan Quintas Toledo, Pseudonym "Joy", thematisieren seine subjektive innere Welt und bestehen aus chaotischen Formen, die Körpersprache, Wünsche und Verlangen zum Ausdruck bringen.

Nachdem im März alles dichtgemacht worden war, begann Hückstädt mit Joan Quintas Toledo eine Kooperation, die man als künstlerische Brieffreundschaft bezeichnen könnte: Man beginnt jeden Tag eine Tuschezeichnung oder ein Aquarell und schickt die Arbeit dem anderen zu, damit dieser sie mit eigenen Ideen vervollständigt.

An fünf Bildern war auch die Bamberger Künstlerin Annabel Adler beteiligt, mit der sich Katharina Hückstädt vor knapp einem Jahr zum Duo "Kathanna" zusammengeschlossen hatte. Insgesamt entstanden 40 gemeinsame Kunstwerke - ein Zeugnis von Zusammenhalt und Kreativität in einer besonders für Kreative schrecklichen Zeit. "Die Bilder thematisieren Corona nicht", sagt Katharina Hückstädt. "Aber sie sind wegen dieser Krise entstanden."

Virus durchkreuzt Pläne

Am kommenden Freitag eröffnen Katharina Hückstädt und Annabel Adler mit einer künstlerischen Performance die Ausstellung "Quarantined Art - Distance Art Echoes" im Innenhof des Sandschlößla. Etwas getrübt wird die Freude dadurch, dass Joan Quintas Toledo nicht dabei sein kann. "Das Ziel war, dass er schon im Sommer kommt", sagt Katharina Hückstädt.

Doch bekanntlich wurde Spanien vom Coronavirus noch härter getroffen als Deutschland. Weil Madrid immer als Hotspot galt, kann Quintas Toledo die Stadt bis jetzt nicht verlassen. Wenn wieder Normalität einkehrt, will Katharina Hückstädt mit den Bildern nach Madrid reisen und sie dort gemeinsam mit Joan Quintas Toledo ausstellen.

Vernissage/Öffnungszeiten Die Vernissage der Ausstellung "Quarantined Art - Distance Art Echoes" im Sandschlößla, Obere Sandstraße 31, beginnt am Freitag, 23. Oktober, um 19.30 Uhr. Die Kunstperformance ist im Innenhof, die Bilder werden im Keller des Sandschlößla zu sehen sein. Damit der Mindestabstand eingehalten werden kann, dürfen maximal sieben Personen gleichzeitig in den Ausstellungsraum. Die Bilder werden nach der Vernissage eine Woche lang ausgestellt und können zu den Öffnungszeiten des Cafés Backstübla besichtigt und gekauft werden: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr.