Seit dem Start des Bamberger Stadtmarketings sind Sie federführend dabei. Wie erinnern Sie sich an die Anfänge? Alfons Distler: Vorher gab es einzelne Werbegemeinschaften für die Lange Straße, für die Siechenstraße oder die Luitpoldstraße. Man hat aber gemerkt, dass das Außenrum immer stärker wird und dass so eine einzelne Werbegemeinschaft nicht viel ausrichten kann. Daraus ist die Idee geboren, sich zusammenzuschließen, um etwas bewegen zu können. 1998 ging die Arbeit richtig los mit unserem ersten Geschäftsführer Stefan Pruschwitz.

Wie war die Akzeptanz unter den Gewerbetreibenden? Die war ziemlich hoch. Dennoch: Die Werbegemeinschaften hatten nur die Aufgabe, den städtischen Handel zu unterstützen. Und jetzt kam ein Stadtmarketing und sagte, es gibt auch noch die Hotellerie, Ärzte, Rechtsanwälte. Wir sind mit 110 Mitgliedern gestartet, momentan sind wir bei über 250. Das liegt daran, dass wir uns geöffnet haben. Und wir müssen uns in der Zukunft noch weiter öffnen. Denn Innenstadthandel ist lieb und schön, aber wir haben heute den Internethandel.

Ist das Internet die größte Herausforderung? Wir können das Internet nicht bekämpfen, wir müssen uns mit ihm arrangieren. Ich kann niemandem verbieten, am Abend oder am Sonntag einzukaufen. Wir müssen diese Herausforderung annehmen. Als Stadtmarketing bieten wir Unterstützung.

Wo sehen Sie hier Möglichkeiten? Indem ich die Mitglieder ermutige, ins Netz zu gehen. Wir können Brücken bauen für eine eigene Internetseite. Wenn ich schon Kunden nicht mehr in die Stadt rein bekomme, muss ich versuchen, dass er daheim einmal schaut: Was hat denn der Bamberger Händler zu bieten? Außerdem muss ich dem Kunden ein Einkaufserlebnis bieten. Über Attraktivität und über Beratung können wir uns abheben. Wir müssen die junge Generation wieder stärker für den stationären Handel gewinnen, ohne jedoch unsere jetzige Kundenschicht zu vernachlässigen.

Wie soll das gehen? Indem man sich vom Sortiment wieder an dieser Generation orientiert und ihr zeigt: Ich habe das, was Du suchst und Du kannst es hier anprobieren und auswählen.

Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie? Es gibt viele Filialisten, die das Stadtmarketing gerne annehmen, die Veranstaltungen gerne nutzen, aber kein Mitglied sind und sich nicht engagieren.

Also Kritik ja, Mitarbeit nein? Genau. Als Herausforderung sehe ich aber auch ein Parkproblem.

Eine Stunde kostenloses Parken kommt bald... Es braucht aber auch oberirdische Parkplätze, eine Brötchentaste, wenn jemand nur kurz zum Fotografen möchte. Wir sind immer noch sehr ländlich geprägt. Wir haben ein Einzugsgebiet von über 250 000 Leuten. Und die werden nicht mit dem Fahrrad nach Bamberg fahren, so groß der Wunsch auch ist. Da kommt die Familie am Samstag und dann wird hier eingekauft. Und wenn wir der nicht die Möglichkeit geben, hier zu parken, dann wird sie ins Industriegebiet fahren.

Stichwort Industriegebiet. Wie sehen Sie das Spannungsverhältnis? Wir haben Bayerns größtes, zusammenhängendes Industriegebiet mit über 150 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Es steht außer Frage, dass das Kaufkraft aus der Innenstadt abzieht. Aber es fährt auch jemand in die Innenstadt, für das, was er da draußen nicht findet. Fakt ist: Wenn es der Innenstadt gut geht, geht es denen da draußen auch gut. Und andersherum.

Achtet die Stadt Bamberg genug auf die Innenstadtverträglichkeit der Geschäfte im Hafen? Aus meiner Sicht noch nicht genügend. Es gibt Großgeschäfte, die tun dem Facheinzelhandel in der Innenstadt weh.

Wie hoch ist der Leerstand in Bamberg? Null. Die Nachfrage ist sehr groß.

Viele kritisieren, dass die Pachtforderungen sehr hoch sind... Die Mieten für die Läden sind teilweise exorbitant hoch. Das ist schade, aber Angebot und Nachfrage regeln den Preis.

Der letzte verkaufsoffene Sonntag, kurzfristig verschoben, ist gefloppt. Wie sehen Sie die Entwicklung? Unser erfolgreicher verkaufsoffener Sonntag wurde gecancelt. Es ist ohnehin schade, dass wir nur einen haben, weil außenrum, Hirschaid und so weiter, bis zu vier haben. Wir wollen Chancengleichheit. Wir bräuchten zwei. Einen im Frühjahr und einen im Herbst, wenn die Kollektionen rausgehen.

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Wie wichtig ist es für die Innenstadt? Das Weihnachtsgeschäft ist nach wie vor die wichtigste Zeit des ganzen Jahres. Eine neue Entwicklung ist: Wir haben sehr viele Geschenkgutscheine, die Schexs in the City. Da sind wahnsinnige Beträge unterwegs.

Wie sehen Sie das Stadtmarketing im Vergleich aufgestellt? Wir haben 2012 einen Preis bekommen. Das Bamberger Stadtmarketing hat bundesweit Vorbildfunktion. Wir sind also richtig gut aufgestellt. Andere Städte wären froh, wenn sie so ein gut funktionierendes Stadtmarketing hätten. Wir haben eine gute Entwicklung, aber wir haben auch unseren Zenit erreicht.

In welcher Hinsicht? Was das Wachstum angeht. Wir müssen jetzt neue Gebiete erschließen, zum Beispiel im Internet. Wir versuchen deshalb, das Stadtmarketing zu erneuern. Dafür haben wir Uwe Steinmetz vom Sternla in den Vorstand genommen. Und wir brauchen jemanden von außen, zum Beispiel einen Internetexperten. Damit wir den Anschluss nicht verpassen. Denn eins steht fest: Ein Stadtmarketing wird es immer geben müssen.

Das Gespräch führte Sebastian Schanz.