Am 8. September werden bei dieser bundesweiten Aktion auch im Landkreis Bamberg wieder Türen geöffnet und Erkenntnisse präsentiert, die der Öffentlichkeit ansonsten nicht oder kaum zugänglich sind. Dabei stehen interessierten Besuchern die historische Kelleranlage bei Unterhaid und Schloss Burgellern zur Besichtigung offen. In Ebrach ist die Sonderausstellung "Unbequeme Denkmale?" zu sehen.

Aber was soll an Schloss Burg ellern unbequem sein? fragt man sich beim Anblick des gelungen sanierten Bauwerkes, das heute "Schlosshotel" ist. Die Kunsthistorikerin Birgit Kastner, sie gehört zur Besitzerfamilie, nennt die Idylle "trügerisch". Denn in der Zeit des Nationalsozialismus wurde das ehemalige fürstbischöfliche Jagdschloss, in dem danach die Freiherren von Buseck gelebt hatten, als "Müttererholungsheim" genutzt und dafür baulich stark verändert.
Gravierendster Einschnitt: Der Anbau eines Speisesaales und - darüber - eines "Unterhaltungsraumes" für Frauen, die hier Erholung suchten.

Dass es sich bei dem Komplex, der heute unter anderem das Restaurant des Schlosshotels beherbergt, um einen nachträglichen Anbau handelt, ist kaum zu erkennen. Denn die Bauherren von damals, die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV), legten Wert darauf, den Charakter des alten Schlosse nicht zu verändern. Der Begriff der "Heimatschutzarchitektur" war schon nach dem Ersten Weltkrieg in Mode gekommen: Nachträgliche Anbauten wurden dem Bestehenden angepasst. "Es wurde bewusst historisierend gebaut, im Gegensatz zu heute, wo man Wert darauf legt, dass sich Anbauten deutlich von der alten Substanz abheben sollen", sagt Birgit Kastner.

Ergo wurde der Anbau für Speisesaal und Unterhaltungsraum in genau dem gleichen Stil angefügt wie das Schloss selber und "ist heute kaum davon zu unterscheiden". Im Inneren wurden in den Jahren nach 1934 aus vornehmen Salons geflieste Waschsäle, zweckmäßige "Mütterzimmer" mit zumeist mehreren Betten und eine damals moderne Großküche. Nur nach außen wurde der Schlosscharakter gewahrt.

Bedauerlich ist, dass mit den Umbauten große Teile der noch aus früherer Zeit vorhandenen Ausstattung verloren gingen. "Beim Bundesarchiv für offene Vermögensfragen ist aktenkundig, dass elf Ölgemälde - es handelt sich um Landschaftsbilder - für den ,Sonderauftrag Linz' abgezweigt wurden", berichtet Birgit Kastner. An der Donau sollte ein weitläufiges "Führermuseum" entstehen, ähnlich wie die Welthauptstadt Germania ein Hirngespinst Hitlers.

Bedauerlich ist, dass während des Umbaus die (Spring)Brunnen und Teiche - auf dem oberen Foto erkennt man noch einen Brunnen vor dem Schlosseingang - "geopfert" wurden. Ähnlich erging es einem orientalischen Pavillon an der Parkseite: Der passte den neuen Machthabern vielleicht nicht ins Bild und wurde beseitigt. Überhaupt wurde das Müttererholungsheim Schloss Burgellern propagandistisch ausgeschlachtet. Begriffe wie "paradiesisch", verträumt", "herrlich", "märchenhaft", "bezaubernd", "das schönste Erholungsheim weit und breit" tauchen in den Beschreibungen mehrfach auf.

Am Tag des offenen Baudenkmales wird die Familie Kastner von 11.30 bis 18 Uhr mit einer Powerpoint-Präsentation und vielen alten Bildern und Beschreibungen an dieses eigene Kapitel der Schlossgeschichte erinnern. Führungen sind nicht vorgesehen, für Fragen steht Seniorchef Manfred Kastner bereit. Für Kinder ist ebenfalls etwas geboten.