Leerstehende Geschäfte, Gärten, Wirtshäuser, Innenhöfe, ja selbst Dachböden sollen zur Bühne werden. Auf unkonventionelle Locations setzt das siebenköpfige Ensemble des "Theaters im Gärtnerviertel", das ab Oktober auf Wanderschaft geht. Die besondere Nähe zum Publikum suchen Nina Lorenz und Stephan Bach auf diese Weise: Zwei Bewohner des geschichtsträchtigen Stadtteils, die mit fünf Schauspielerkollegen durchstarten.

",Kultur im Leerstand', Veranstaltungen wie die Lichthöfe - im Gärtnerviertel hat sich in den vergangenen Jahren vieles entwickelt, was dem kulturellen Interesse der Anwohner entgegen kommt", sagt Nina Lorenz, die jahrelang als Dramaturgin und Regisseurin am E.T.A.-Hoffmann-Theater tätig war und seit 1999 die Theaterwerkstatt Haßfurt leitet.
Mit Stephan Bach als Schauspieler, Sprecher und Rezitator ersann die Wahlbambergerin die Wanderbühne, "die natürlich auch Menschen aus anderen Stadtteilen oder dem Umland anlocken soll, um sie auf unser spannendes Viertel aufmerksam zu machen".




Großes Interesse
Mitstreiter fanden die Initiatoren bei Benjamin Bochmann, Ursula Gumbsch, Martin Habermeyer, Heidi Lehnert und Olga Seehafer, die dem Ensemble beitraten: Akteure, die Theaterfans von diversen fränkischen Bühnen her kennen. Auf Interesse stieß das Kulturprojekt aber auch bei anderen Bambergern, nachdem sich die Pläne im Gärtnerviertel herumsprachen: "Etliche Leute unterstützten uns von Anfang an mit Rat und Tat - etwa bei der Gestaltung der Flyer oder der Konzeption und Realisierung unseres Internetauftritts", so Stephan Bach. Ganz wie es der Grundintention der Kollegen entspricht, nach der sich die Bühne im Dialog mit dem Publikum weiter und weiter entwickelt.

Sein Debüt gibt Bach, der sich bislang ja auf statt hinter der Bühne profilierte, dabei im verwaltungstechnischen Bereich. Neuland für den erfahrenen Mimen, der seit vielen Jahren im Ensemble des Fränkischen Theatersommers spielt, des Brentano Theaters oder beispielsweise bei Chapeau Claque. "Nach fast zwei Jahrzehnten spüre ich über unser Gemeinschaftsprojekt aber auch mehr denn je, wie ich mittlerweile im Gärtnerviertel verwurzelt bin", sagt der Wahlbamberger. Einen kulturellen Beitrag fürs die Nachbarschaft, das eigene private Umfeld zu leisten, sei eine faszinierende Aufgabe.Und je mehr Menschen sich daran beteiligen, umso spannender würde das Ergebnis.


Brücken bauen
So geht's dem Theater-Ensemble letztendlich auch darum, Brücken zu bauen und Anwohner des Gärtnerviertels zusammenzubringen - ob sie nun auf der Bühne stehen oder im Zuschauerraum sitzen, ob sie aus Bamberg stammen oder in der Nachbarschaft erst kürzlich heimisch wurden.

Weit sind nach über einem halben Jahr auch die Vorbereitungen für die offizielle Eröffnung des Theaters im Oktober gediehen - bei "Betten Friedrich". Als erstes Stück steht "Dreier", eine Komödie von Jens Roselt, auf dem Programm. Ein Teil des Ensembles spielte vor einer Weile allerdings schon inoffiziell im "Umsonstladen Mosaik" das Straßeneinkaufsdrama "Lui kann nicht mehr", in dem Ursula Gumbsch, Olga Seehafer und Stephan Bach zu sehen waren.

"Aktuelle, lustige, brisante, anspruchsvolle und experimentelle Stücke für Erwachsene und Jugendliche" möchte das Theater im Gärtnerviertel Franken auch darüber hinaus bieten: Klassiker ebenso wie zeitgenössische Dramen oder Volkstheater. "Wobei wir gerne Anregungen aus dem Publikum entgegennehmen", sagt Nina Lorenz, die über Rundbriefe, Facebook-Aktivitäten und manches mehr den Kontakt mit möglichst vielen Anwohnern sucht.

Auf der Suche ist das Theater derzeit auch nach Proberäumen und weiteren Spielorten, die ein spannendes Ambiente versprechen. "Wir freuen uns über jeden Vorschlag", sagt die Regisseurin, mit der man unter 0151/18177028 oder per mail unter der Adresse kontakt@tig-bamberg.de in Kontakt treten kann. Weitere Infos finden Sie unter der Homepage des "Theaters im Gärtnerviertel".