Beide Lager haben das selbe Anliegen. "Schützt den Wald!" rufen die Befürworter eines Nationalparks im Steigerwald. "Wir schützen den Wald!" sekundieren die Gegner.

Nationalpark-Anhänger und Nationalpark-Gegner demonstrieren vor der Konzert- und Kongresshalle, am Rande des kleinen CSU-Parteitags am Samstag. Polizisten trennen die beide Lager voneinander.

Als die Staatskarosse anrückt und Ministerpräsident Horst Seehofer aussteigt, rufen alle Demonstranten noch lauter als vorher. Nachdem er den anwesenden Fernsehteams einige Interviews gegeben hat, nähert sich Seehofer den Vertretern beider Positionen. Die Bayerische Staatsregierung ist bisher gegen den Nationalpark: Die Bewirtschaftung des Waldes durch den Menschen funktioniere bestens, so ihre Haltung.

Zu den prominentesten Befürwortern des Nationalparks gehört der ehemalige Bamberger Landrat und jetzige oberfränkischen Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU), der sich aber im Hintergrund hält.

Öffentlich für das Vorhaben wirbt unter anderem der Verein "Nationalpark Nordsteigerwald" mit seinem Vorsitzenden Benedikt Schmitt. "Wir wollen den Leuten ihre Ängste nehmen", sagt Schmitt, Anfang 30, Polizist. "Es wird kein Betretungsverbot im Steigerwald geben. Manche befürchten ja sogar, dass Häuser enteignet werden. Hier werden Urängste geschürt."

Genau das wirft Schmitt, der aus der Steigerwald-Gemeinde Rauhenebrach im Kreis Haßberge kommt, auch der Staatsregierung vor. Innenminister Joachim Herrmann sei entweder schlecht informiert oder verbreite bewusst die Unwahrheit, kritisiert Schmitt.

Stattdessen, das ist seine Überzeugung, sei ein Nationalpark eine große Chance für die Region, etwa für den Tourismus: "Die Wertschöpfung wird sich vervielfachen." Das zeigten Erfahrungen aus anderen Nationalparks, zum Beispiel im Schwarzwald.

"Man kann über alles reden"

Außerdem könnte das Holz der Bäume im Steigerwald weiterhin genutzt werden. "Man kann über alles reden", sagt der Vereinsvorsitzende, der sich mit ein paar Dutzend Mitstreitern am Samstag am Markusplatz versammelt hat. Anschließend laufen sie das kurze Stück zur Konzert- und Kongresshalle, wo sie auf etwa genau so viele Gegendemonstranten treffen. Schmitt ist sicher:"Wenn wir vernünftig reden, werden wir einen Weg finden, den alle mitgehen können."

Das glaubt Heinrich Mathias nicht: "Wir brauchen den Wald zur Erholung und wir brauchen das Holz." Der Rentner aus Burgwindheim demonstriert auf der Seite der Nationalpark-Gegner. "Der Wald ist bestens in Schuss", sagt Mathias, der in seiner Heimatgemeinde selbst ein großes Waldstück besitzt. "Was sollen wir das für einen Nationalpark einen Haufen Geld zum Fenster rausschmeißen?"

Mathias hat genau die Befürchtungen, die Schmitt auszuräumen versucht: dass der Wald nur noch eingeschränkt nutz- und begehbar ist, wenn er zum Nationalpark erklärt wird.

Einige Gegner halten Schilder mit der Aufschrift "Wir brauchen keinen Urwald!" hoch - ein Satz, dem sicher auch die Befürworter des Nationalparks zustimmen würden.