Es heißt, Applaus sei das Brot der Kulturschaffenden. Doch aktuell bleibt dieser aus. Stattdessen gibt es nur noch die "harte Kruste" Corona, welche der gesamten Kulturszene zu schaffen macht.

Das geht auch an der Weltkulturerbestadt Bamberg nicht spurlos vorüber. Bereits zum ersten Lockdown im Frühjahr wurde die komplette Kulturlandschaft in den Schlaf versetzt oder in die Onlinehölle verbannt. Auf das zeitweilige Erwachen im Sommer folgte im Herbst die erneute Notbremse im ganzen Land. Raffinierte Theaterproduktionen, berührende Kinoabende oder beschwingte Konzerte liegen auf Eis.Von durchschwitzten Nächten im Club ganz zu schweigen. Doch wie gehen Kulturschaffende und Initiativen in Bamberg mit der Lage um? Und wie sehen sie ihre Zukunft?

18 Acts standen in Startlöchern

"Die Woche direkt vor unseren geplanten Konzerten war ein Hin und Her", erzählt Maximilian Mende. Für den Vorsitzenden des Vereins Bamberger Festivals waren die Tage gefüllt mit Telefonaten zwischen Kulturamt, Bands und Ordnungsamt. Eigentlich sollten 18 verschiedene Acts - vor allem Bamberger Bands und auch Chöre - über zwei Novembertage verteilt in der Kulturfabrik sowie in den Haas Sälen den Laden rocken. Gesellschaftspolitische Vorträge hätten das Programm ergänzt. 70 beziehungsweise 130 Zuschauer hätten unter den ursprünglichen Coronabeschränkungen Platz gehabt. Mit den stark steigenden Infektionszahlen wuchsen die Anforderungen an die Konzerte. Zum Schluss sei noch über die Variante eines Streams nachgedacht worden. Statt insgesamt 15 ehrenamtlichen Helfern wären nur noch jeweils zwei Leute vor Ort gewesen, um die Technik zu klären.

Nach Rücksprache mit den Bands habe man entschieden, die Veranstaltungen abzusagen: "Der Gesundheitsschutz geht natürlich vor, gerade wenn manche Künstler im Pflegebereich arbeiten oder regelmäßigen Kontakt zu Risikopersonen haben", erklärt der Organisator.

Dieses "Wild Tunes Festival" wäre eigentlich wie jedes Jahr im Sommer als Open Air gestartet, aber der Aufwand war zu groß. Mende hofft nun auf den Sommer nächstes Jahr. Derweil versucht er mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Startnext die angefallenen Unkosten zu decken. "Jetzt fokussieren wir uns auf Online-Workshops und Kulturpolitik", sagt der Festivalorganisator. Auch wenn dies nicht die einzige Veranstaltung des Vereins war, die flach fällt: Die Anfragen von Bands an den Verein für neue Veranstaltungen laufen weiterhin.

Keine Bühne, keine Proben

Die Zukunft ist für Schauspieler Frederic Heisig ungewiss: "Wir müssen warten, bis wir wieder eine Perspektive sehen. Vorstellungen sind in Räumen einfach nicht praktikabel unter den Einschränkungen." Das Wild Wuchs Theater, das ohne feste Bühne mal als Open Air, mal an verschiedenen Orten in der Stadt auftaucht, hat diesen Sommer den Weinberg am Michaelsberg bespielt. Und mit dem Stück "Die Maschine steht still", welches schon länger auf dem Schreibtisch lag, sei dem Theaterkollektiv auch ein indirekter Kommentar der Isolation in Zeiten von Corona gelungen. Der "Smombie-Walk" an Halloween fiel dagegen den neuen Einschränkungen zum Opfer.

Zwar werden weiter fleißig Ideen für Stücke gesammelt, aber nun finden keine Proben mehr statt. "Wir wollen nicht einfach ins Blaue hineinarbeiten, ohne zu wissen wann wir tatsächlich auf den Brettern stehen können", gibt der Dramaturg zu bedenken. Bei Bühnenbild und umfangreicher Rahmenorganisation für jeden Auftritt mit gleichzeitig sich wandelnden Vorgaben, sei kein realistischer Termin in Sicht. Den Schritt ins Digitale will er nicht wagen. Theater lasse sich einfach nicht in Onlineformate transportieren, weil es von der Unmittelbarkeit lebe.

Dadurch, dass das Wild Wuchs Theater keine hohen Fixkosten hat und jedes Mitglied von seinem "Brotjob" lebt, ist die Existenz gesichert. Manches habe städtische Förderung und die Sparkassen Stiftung überbrückt. Heißig, der seit 2009 beim Wild Wuchs spielt, meint mit Blick auf die Zukunft der freien Szene: "Ich bin ein bisschen optimistisch, weil viele Leute zähe Hunde sind, die das gewöhnt sind. Aber ich bin auch besorgt, dass einige Akteure in der Stadt das Handtuch schmeißen könnten."

Kurzfilmtage bedroht

Die Unsicherheit hat nicht nur die freien Bühnen angesteckt. Auch die bewegten Bilder könnten ins Stocken geraten: "Corona ist für uns vereinsbedrohend", bringt es Volker Traumann auf den Punkt. Der Vorsitzende der Bamberger Kurzfilmtage, blickt angespannt auf die Entwicklungen. Kann das Festival wie geplant Ende Januar stattfinden? Und wenn, dann im flauschigen Kino-Sessel mit nur einem Drittel der Auslastung im Saal oder doch online mit mauer Zahlungsbereitschaft der Zuschauer? Oder doch besser verschieben? Wahrscheinlich müssten dann bezahlte Stellen abgebaut werden, damit es der Verein über die Runden schafft. Für das Festival 2021 sei die Förderung durch Freistaat und Stadt gesichert. Für nächstes Jahr sieht Traumann die Politik weiter in der Pflicht: "Wenn wir nicht rechtzeitig bis Ende März die Förderzusagen bekommen, wird das ein finanzielles Desaster."

In diesem Jahr wurden die städtischen Gelder erst Ende Oktober ausgezahlt, sodass der Vorstand eigene Mittel einbringen musste. So soll wenigstens das Büro erhalten bleiben und zukünftig Planungen ermöglicht werden. Zwar habe die Sparkassenstiftung manches abgefedert, aber diese Aufgabe liegt für Traumann eigentlich bei der öffentlichen Hand. "Kultur ist systemrelevant!" betont Traumann - wie viele Künstler dieser Tage. Klar ist schon jetzt: So groß wie die 30. Jubiläumsausgabe im Januar 2020 mit gut 7000 Zuschauern in sieben Kinosälen werden die Kurzfilmfans diesmal nicht auffahren können.