Aus Australien, Amerika, diversen Ländern Asiens und Europas kamen die besten Beiträge. Weltweit verstreut ist die Konkurrenz, der sich Jürgen Schabel als einziger deutscher, ja Bamberger Finalist eines internationalen Architektur-Fotowettbewerbs stellt, den das britische Chartered Institute of Building ausschrieb. Mit einem Klick können Franken dazu beitragen, den Vertreter der Domstadt an die Spitze der Top 15 zu katapultieren: Zum Voting geht's via http://artofbuilding.org/vote.


Geschichten, die von Bildern erzählen

"Bilder erzählen Geschichten. Aber jede Geschichte erzählt auch ein Bild", sagt Schabel.
So thematisiert der Wahlbamberger in seiner Aufnahme vom Neuen Museum Nürnberg die Verlorenheit von Menschen: "Ich lenke den Blick auf eine Skulptur als winzige Gestalt inmitten eines riesigen Raumes auf der Suche nach dem perfekten Standpunkt", ja ihrer Bestimmung in einer Welt voller Fragen.

Wo steht der 51-Jährige, dessen Leben zwischen Siebenbürgen und Franken diverse Perspektivenwechsel prägten? "Es gibt noch viel zu tun: An der Spitze ist immer Platz", meint Schabel mit einem Schmunzeln: Als erfolgreicher Künstler, dessen Bilder im Museum der Ungarischen Fotografie von Kecskemét, in Sammlungen von San Francisco ("Mother Jones Fund of Documentary Photography"), Tampere (Finnland), Genf und Bradford zu finden sind.


"Schule des Sehens"

In Transsilvanien begann die Reise Schabels, die 1971 nach Nürnberg und 2008 nach Bamberg führte. Eine entscheidende Station im Werdegang des jungen Talents gleich nach dem Abi aber war New York. "Ich hatte mir mit 18 die erste Kamera zusammengespart, mit der man mehr als Schnappschüsse machen konnte - und das Medium gefunden, über das ich mich künftig ausdrücken wollte", sagt der Wahlfranke. Momente festzuhalten, die unwiederbringlich sind, reizte den Künstler, der sein Handwerk bald darauf bei einem ungarischen Fotokünstler lernte: Lajos Keresztes, der mit seinen Aufnahmen diverse Auszeichnungen gewann. "Bei ihm ging ich in die ,Schule des Sehens' und lernte, Motive auszuwählen": Motive, die zu mehr als einem ästhetisch gelungenen Bild würden. Sie könnten Botschaften übermitteln statt starr und stumm zu bleiben. Auf ihre Weise würden Aufnahmen "die Frage nach der eigenen Wirklichkeit eines Augenblicks oder eines geschichtlichen Moments stellen statt das Gezeigte als Wirklichkeit anzunehmen".

Die nächste Station in Schabels Werdegang war 1988 die Nürnberger Photodesign AG, die für den 26-Jährigen zur "Schule des Lichts" wurde. So prägte Willy Weihreter den Stil des Wahlbambergers. Zur Architekturfotografie kam Schabel familiär bedingt. "Meine Eltern arbeiteten in dem Bereich, in den ich schon als Kind hineinwuchs." Und auch hier geht es dem 51-Jährigen darum, Dingen auf den Grund zu gehen statt an der Oberfläche zu bleiben. Der Fotodesigner blickt hinter Fassaden. Was in diesem Fall bedeutet, der Intention des kreativen Kopfes gerecht zu werden, der das jeweilige Gebäude entwarf. "Es reizt mich, mich in die Vorstellungswelt anderer hineinzuversetzen und das Anliegen eines Architekten auf meine Weise umzusetzen." Nach dem gleichen Prinzip arbeitet Schabel ja auch mit Künstler-Kollegen, deren Werke der Wahlfranke für Ausstellungskataloge oder Dokumentationen fotografiert.


Von Nürnberg nach Bamberg

Porträts sind das dritte Standbein, mit dem sich der freischaffende Fotograf positioniert, der vor sechs Jahren nach Bamberg zog, weiterhin aber ebenso von Nürnberg aus arbeitet - als einer der Künstler des Atelier- und Galeriehauses Defet. In der Frankenmetropole sah man Werke Schabels auch bei Gruppenausstellungen wie 1997 "Die Ränder der Dinge" (Kunsthaus) und 2003 "Über das Wasser" (Galerie Lindig). Dann wieder gab es internationale Auftritte wie 2008, als seine Bilder im kirgisischen Nationalmuseum von Bishkek unter dem Titel "Die Innenwelt der Außenwelt" zu bewundern waren. Und Veröffentlichungen wie "Aber so kommen Sie doch mit hinunter zum Fluss . . .” als Begegnung Schabels mit dem Philosophen Reinhard Knodt. Unter dem Titel "The Human Condition" waren Aufnahmen des 51-Jährigen auch im Jahrbuch des internationalen Bildjournalismus des New Yorker Graphis-Verlag zu finden.


Übers Bamberger Naturkundemuseum

Mitte des Jahres erscheint übrigens ein künstlerischer Fotobildband des Wahlfranken zum Vogelsaal des Bamberger Naturkunde-Museums. Was aber ist das Bamberger Lieblingsmotiv Schabels? "Der Hain: Diese grüne ,Wildnis' inmitten der Stadt empfinde ich als besonders spannend." Nun aber nichts wie rein ins Netz: Schließlich läuft für alle, die Schabel noch unterstützen möchten, der Countdown, der in einigen Stunden endet.


Weitere Infos im Netz

Wer sich noch weitergehend über den Künstler informieren möchte, wird auf Schabels Homepagefündig, über die Homepage des CIOB-Wettbewerbsund des Nürnberger Atelier- und Galeriehauses der Defet Stiftung.