Landrat Johann Kalb (CSU) hat die positive Machbarkeitsstudie für seine Idee eines millionenteuren Bierkulturzentrums bereits vor Monaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Kürzlich informierte er auch die Kreisräte im Kreisausschuss von den Plänen. Das brachte ihm Kritik ein - er erhielt für seine "Wirtschaftsförderung" aber auch starken Zuspruch.

"Wir haben die höchste Brauereidichte der Welt. Das sind wir unseren Brauern, unserer Gastronomie und unserer Kultur hier schuldig, dass wir uns um dieses Thema kümmern", argumentierte Kalb. Vielen Brauereien gehe es gut, aber längst nicht allen - hier wolle der Landkreis Rückenwind geben.

Starken Rückenwind - wie die Studie zeigt. Fast 40 Millionen Euro Gesamtkosten stehen im Raum. Treffpunkt der Brauer weltweit, gläsernes Sudhaus, Braugarten, Wanderwege, Bierkeller, Standort für wissenschaftliche Arbeiten: Entstehen könnte laut Projektplaner Holger Seidel vom Büro Drees und Sommer etwas Großes. "Es soll kein Museum werden. Es soll eine Plattform werden, ein internationales Zentrum."

Dies betonte auch Landrat Kalb. Die Abgrenzung war für Jonas Merzbacher (SPD) dennoch unklar: Er könne keine signifikanten Unterschiede zu einem Brauereimuseum erkennen, wie es etwa in Bamberg eines gibt. Seine SPD-Fraktion kritisierte außerdem, dass der Landkreis sicherstellen müsse, nicht selbst als Betreiber des Großprojektes aufzutreten. Es sei an der Zeit, private Investoren ins Boot zu holen, mahnte Carsten Joneitis. "Die Frage ist: Wann steigt der Kreis aus dieser Projektkonzeption aus?"

"Die Frage ist: Wann steigen wir überhaupt ein? ", konterte Kalb. Bisher seien lediglich 50 000 Euro über Leader-Gelder finanziert worden, um die Machbarkeit zu prüfen. Dies sei nun geschafft. "Dass der Landkreis das nicht selbst baut, ist selbstverständlich", betonte der Landrat. Nun seien private Investoren gefragt: Brauereien, Hoteliers, große Braufirmen. Denen könne man nun endlich ein tragfähiges Konzept vorlegen. Interessenten gebe es. Auch Bruno Kellner (FW/ÜWG) betonte, dass nun die "privaten Player" Farbe bekennen müssten. Er zeigte sich aber insgesamt von der Idee angetan.

"Null Verständnis" zeigte dagegen Bernd Fricke (Grüne/AL). "Sie verfolgen seit Ihrer Wahl ein Thema. Es ist nicht der Klimaschutz, es ist nicht der Nahverkehr, es ist das Bier!", kritisierte er den Landrat. Trotz der bekannten Suchtgefahren werde das Thema Alkohol verniedlicht und verharmlost. "50 000 Euro an Steuergeldern: Das ist rausgeschmissenes Geld. Hier fehlt die Bodenhaftung, das ist abgehoben", sagte Fricke. Ein Bierkulturzentrum sei "so unnötig wie ein schales Bier".

Wolfgang Möhrlein, Sprecher der CSU-Fraktion, warb dagegen für das Projekt. "Bamberg ist nicht nur Bier. Aber ohne diese Kultur, unsere Biergärten und Wirtschaften ist die Region auch nicht vorstellbar." Personalmangel in Gaststätten, fehlende Nachfolger, schwächelnde Betriebe: "Die Wertschätzung dessen, was wir hier haben, bröckelt langsam." Dieser Entwicklung müsse man entgegentreten. Das Zentrum könne positive Impulse setzen. "Für mich ist das Wirtschaftsförderung. Wir helfen dem Mittelstand. Die Gesellschaft verlangt so etwas von uns", argumentierte CSU-Fraktionskollege Helmut Krämer.

Wie geht es nun weiter? Acht Gemeinden haben sich bisher beworben - die Standorte werden geprüft. Ein Architekturwettbewerb wird vorbereitet. Außerdem werden mit potenziellen Investoren Gespräche gesucht. Am Stammtisch sagt man dazu: Karten auf den Tisch!