Den Lavendel und den Steinquendel hat der Marder auf dem Gewissen. Rainhard Ott und Wolfgang Settmacher haben die Pflanzen aber erstmal drinnen gelassen, im Bienenbeet. Für den Fototermin.

Das kleine Raubtier macht sich also nicht nur an Schläuchen im Auto-Motorraum zu schaffen, sondern auch an violett blühenden Duftpflanzen. Vor drei Minuten das Gelände in der Oberhaider Kapellenstraße betreten und schon etwas gelernt! Aber dazu ist er schließlich da, der Kreislehrgarten.

Seit kurzem gibt es dort eine drei Quadratmeter große Schau-Pflanzung, auf der gezeigt wird, was man als Hobbygärtner tun kann, um blütenbesuchenden Insekten bis in den Herbst hinein Nahrungsquellen zu bieten. Vom frühen Frühjahr bis zum späten Herbst sind aktiv. Doch nicht immer finden sie in dieser Zeit geeignete Blüten. Besonders außerhalb des Sommers kann es für sie zu "Engpässen" kommen.

Dem lässt sich entgegenwirken, wenn auf dem Balkon, im Garten oder im öffentlichen Grün Pflanzen wachsen, die für ein kontinuierliches Blütenangebot sorgen.


Gefährdete Insekten

Seit einigen Jahren ist der Bestand der Bienen gefährdet. Auf dem Land sind Blumenwiesen, Hecken, Büsche und Bachränder Agrarflächen gewichen, die binnen weniger Tage abgeerntet werden und keine Nahrung mehr für diese Insekten bieten.

Der Obst- und Gartenbauverein Oberhaid, der den Kreislehrgarten betreut, hat zusammen mit Kreisfachberaterin Alexandra Klemisch ein Bienenbeet gestaltet, das man sich anschauen und im eigenen Garten "nachbauen" kann.

Zu finden sind hier winterharte Stauden, die Bienen anziehen und viel Nektar spenden. Der Schwerpunkt der Blüte liegt im Spätsommer. Dazu gibt es ein Faltblatt mit Pflanzplan und Vorschläge für die Ergänzung mit Zwiebelblumen sowie ein- und zweijährigen Blumen.


Auf die Sorten kommt es an

Wichtig ist vor allem die Sortenauswahl. "Fette Henne und Lavendel gibt es viele", gibt OGV-Vorsitzender Raimund Ott zu bedenken. "Man sollte aber die Sorten nehmen, die viel Nektar und Pollen liefern."
Konzipiert ist die Auswahl für einen Standort in der vollen Sonne. Die Pflanzen sind in den Gärtnereien der Region erhältlich.

Wie viele Bienen werden wohl satt auf drei bepflanzten Quadratmetern Garten? "Nicht besonders viele - doch es geht ja um etwas anderes. Wenn 100 Leute je drei Quadratmeter zur Verfügung stellen, oder gar mehr, dann sieht die Sache schon anders aus," sagt Gartenbeauftragter Wolfgang Settmacher. "Außerdem kann man auch an anderen Stellen des Gartens etwas für die Bienen tun, zum Beispiel dadurch, dass man ein Stück Wiese mit den dort vorkommenden Blumen darauf ungemäht lässt."


Bienen sind Jahresthema

So wie im Kreislehrgarten, der vor zehn Jahren angelegt wurde. "Summ, summ, summ, Bienchen summ herum" heißt das Jahresmotto für 2017. Immer wieder geht es um die Honigbiene und ihre Verwandschaft, die Wildbienen. Auch beim Sommerfest am 18. Juni.

Ein Staketenzaun aus Edelkastanienholz grenzt das rund 1400 Quadratmeter große Gelände zur Straße hin ab. Man fühlt sich an einen Bauerngarten erinnert. Und genau den gibt es hier. Allerdings nur auf einem Teil der Fläche, denn es muss auch noch Platz sein für vieles andere: die Duftbeete, die Lebensräume Teich und Sandboden (hier fanden die entsprechenden Pflanzen von der Landesgartenschau eine neue Heimat in Oberhaid), die Streuobstwiese, Themenbeete und vieles andere mehr.

Über 10 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins schon in Aufbau und Pflege des Gartens investiert. Mit allem, was Gärtners Freud und Leid mit sich bringt. Da ist ein Lavendel-Fan im Marderpelz eine Randerscheinung. Die ruinierten Stauden kann man nachpflanzen.


Ein betörender Geruch

Das interessantes Gewächs dürfte für jeden Gartenbesucher etwas anderes sein. Eines mit sehr ungewöhnlichen Eigenschaften ist Diptam, auch "Brennender Busch" genannt. Ein schwerer Duft entströmt seinen Blüten. Jetzt um diese Jahreszeit muss man sich noch zu ihnen hinunterbücken, um ihn wahrzunehmen.

Später werden die Fruchtstände so viel ätherisches Öl abgeben, dass man es von Weitem riecht. Sie enthalten eine hochentzündliche Flüssigkeit, deren Dämpfe schwerer als Luft sind. "Die kann man im Sonnenlicht richtig sehen", erzählt Wolfgang Settmacher. "Sie wabern herum, um die Pflanze. Sie könnten sich sogar selbst entzünden. Aber so heiß war es hier bei uns noch nicht."

Den Diptam-Geruch, der an Vanille und Zitrone erinnert, bekommt man so schnell nicht wieder ab von den Fingern, hat man die Blüten angefasst. Auch in großer Verdünnung wirkt er immer noch betörend. Später sollte man nicht mehr so sorglos zugreifen: Die Öle können in Verbindung mit Sonnenlicht zu verbrennungsartigen Verletzungen der Haut führen.

Die Pflanze gibt sie sich nicht mit jedem Boden zufrieden. "Das ist Diptam Nummer 3. Zwei sind uns eingegangen, bis wir das mit dem richtigen Kalkgehalt raushatten", verrät Wolfgang Settmacher.


Schausonntage

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zwischen Mai und September ist der Schau- und Lehrgarten des Landkreises Bamberg in der Oberhaider Kapellenstraße von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Raimund Ott: "Und wenn an anderen Tagen jemand von uns im Garten ist, kann man auch reinkommen."