Boxgalopp sind zurück: Mit einem lautstarken "Baddsch! Bäng! Bumm!" durchbricht die Combo die Dauerberieselung, die uns im Advent alle Jahre wieder mit den altbekannten Liedern belästigt. Jenseits von "Last Christmas" und Klingelingeling präsentiert die Hausband des Antistadls ihre brandneue CD: Im Stilbruch (Obere Sandstraße) bittet das Quartett am 12. 12. mit Klarinette, Geige, Kontrabass, Dudelsack und Akkordeon zur Release-Party.


Alte fränkische Notenhandschriften

"Wir haben lange in alten fränkischen Notenhandschriften und Notenbüchern gestöbert", berichtet David Saam - Sänger, Akkordeonspieler, Musikethnologe und Erfinder des Antistadls. Schließlich hätten sich in "Opas Schatzkiste wahre Goldstücke fränkischer und außerfränkischer Musikkultur" angefunden.
Daraus schmiedete die Band 16 Titel - darunter beispielsweise auch "Affnniest" als Stück, "das einer oberfränkischen Volksliedsammlung entstammt" . Während "Johnnys Spelunke" dem Repertoire der "Edelweißpiraten" entsprang: Einer oppositionellen Jugendbewegung der 30er und 40er Jahre, an die Boxgalopp erinnern, nachdem sich die Rebellen in der NS-Zeit gegen das Regime wandten. Plakate wurden überklebt, Propagandalieder umgedichtet. Gerade in der Rhein-Ruhr-Region waren die Widerstandgruppen aktiv und lieferten sich mit der Hitlerjugend diverse handgreifliche Auseinandersetzungen.



Ja, auch dieses Kapitel Vergangenheit lebt im Repertoire des Musikerkonglomerat auf, das sich dem "wilden, frechen und ungestümen Musizieren" verschrieb: in der Tradition vergangener Generationen von Musikanten aus Franken, dem Rest der Republik und anderen Teilen der Welt. Natürlich werden alle Boxgalopp-Titel vor dem Erscheinen noch zeitgemäß aufbereitet - "im großen Volxmusik-Kochtopf, aus dem wir zuletzt Musikstücke zum Tanzen, Zuhören und Mitsingen zaubern", so Saam, neben dem Andreas Richter (Klarinette, Dudelsack), Carolin Pruy-Popp (Geige) und Katharina Bauer (Klarinette, Harfe) wirken. Getreu ihrem Motto: "Frenetisch feiern, tanzen und springen zu traditioneller Musik? Gibt's nicht? Gibt's doch!"


Aus Schweden und Finnland

2010 hatten die Bamberger nach dem Konzept schon "Wurstel e Crauti" auf den Markt geworfen: Das Boxgalopp-Debütalbum, auf dem neben dem Bamberger Dreher auch ein schwedisch inspirierter "Seelenwalzer" und das finnische Lied "Minun kultani" zu hören waren. Verständlicher für Franken: "Sauerkraut und Buttermilch" - ein Gassenhauer aus der Bratwurstregion.

Auch ältere Semester locken Boxgalopp-Konzerte auf diese Weise an. Anders als Kellerkommando-Einsätze, die unter dem Dach des Antistadls ebenfalls über die Bühne gehen. Apropos Antistadl: Die lange Herbergssuche ist vorbei, nachdem die Veranstalter in Erlangen eine Alternative zum Morph Club fanden, der heuer bekanntlich seine Pforten schloss und viele Initiativen heimatlos machte. Im E-Werk steigt die erste Erlanger Veranstaltung aus der Reihe am 16. Januar mit Marihuanne & Kiffael, Kapelle Rohrfrei, Gankino Circus, den Mahrsmännchen, dem Niederbayerischen Musikantenstammtisch und eben Boxgalopp.

Mehr Infos noch zu Boxgalopp und weiteren Formationen des Antistadls sind mit etlichen Hörbeispielen im Netz auf der Homepage der Volxmusikanten zu finden.