Als Bertram Felix Finanzreferent der Stadt Bamberg wurde, da taumelte die Welt gerade in eine nie da gewesene Finanzkrise. Auch Kommunen wie Bamberg wurden hart getroffen vom Absturz der Gewerbesteuereinnahmen. Zwölf Jahre danach scheint sich das Drama zu wiederholen, allerdings mit ungleich höherer Wucht. Fast gehen Felix die Worte aus, wenn er die neuesten Steuerschätzungen beschreibt: "Dramatisch ist fast schon zu positiv ausgedrückt, wenn ich in das schwarze Loch blicke, das sich 2021 auftut. Wir erleben zwei dunkle Jahre."

Noch neun Wochen, dann werden sich traditionsgemäß die Bamberger Stadträte zusammensetzen, um das Geld der Stadt auszugeben - 300 Millionen Euro sind im Prinzip zu verteilen, ein Kräfte zehrendes Ritual, bei dem die Köpfe rauchen und die Meinungen aufeinandertreffen. 2020 könnte es sein, dass das sich Kräftemessen mangels Masse erübrigt - denn die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtleistungen fressen das Budget bereits auf.

40 Millionen Euro beträgt der aufgelaufene Fehlbetrag für das nächste Jahr, wie er sich aus den Prognosen für Bamberg errechnet. In diesem Szenario steckt eine Halbierung der voraussichtlichen Gewerbesteuereinnahmen auf nurmehr 20 bis 25 Millionen Euro. Auch die Verluste bei der Einkommenssteuer von bis zu acht Millionen Euro sind eingerechnet, die Folgekosten der Kitaoffensive schlagen in Millionenhöhe durch - und, anders als 2020, werden Bund und Land den Kommunen nicht mehr unter die Arme greifen.

Felix richtet sich auf harte Diskussionen ein. Denn das, was derzeit noch abstrakt klingt, dürfte in einer anspruchsvollen Stadtgesellschaft zur Zerreißprobe werden. 2020 geht es nicht mehr "nur" um die rein freiwilligen Leistungen, ohne die viele Vereine in ihrer Existenz gefährdet sind. "Wir werden uns darauf konzentrieren müssen, was die Kernaufgabe einer Kommune ist - die rein gesetzlichen vertraglichen Verpflichtungen."

Was gehört dazu, was nicht? Vier Kostenblöcke sollen vom Streichkonzert ausgespart werden: Schulhaussanierung, Kitas, Bahnausbau und Konversion. Auch Investitionen wie in den Ausbau des Brose-Standorts (siehe heutige Seite 9) hält Felix für unverzichtbar. Betroffen wird dagegen erstmals seit langem auch eine Reihe von Institutionen mit großem Publikumszuspruch sein: VHS, Stadtbücherei, Theater oder Musikschule. Über ihr Budget soll diskutiert werden. Und natürlich soll auch das Personal der Stadt selbst einen Beitrag leisten - mit 84 Millionen Euro stellt es den größten Kostenblock im Verwaltungshaushalt dar. Betram Felix spricht von Effizienzsteigerungen und einer völlig neuen Personalkostenstruktur.

Befristungen künftig tabu?

Was sagt Franz Eibl dazu? Der Personalratsvorsitzende warnt davor, die Folgen der Corona-Krise auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Der Personalsenat habe vergangene Woche nicht ohne Grund sachgrundlose Befristungen in der Stadt untersagt, wie sie jahrelang geübte Praxis gewesen seien. Wer die Arbeitsbedingungen in der Stadt verschlechtere, trage dazu bei, dass es für die Verwaltung schwerer werde, geeigneten Nachwuchs zu finden.

Aus seiner Sicht ist die finanzielle Lage der Stadt besser als dargestellt. Dazu trage auch die für 2020 mittlerweile fest stehende Gegenfinanzierung vom Bund bei, die erst nach der im Sommer vom Stadtrat beschlossenen Sperrliste gekommen sei. "Es bleibt also einiges an Geld übrig für 2021", sagt Eibl.