Bamberg
Traum erfüllt

Bambergerin verliert ihren Job - und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise

Als Angelika Gaufer aus Bamberg ihren Job verliert, erfüllt sie sich ihren großen Traum: Sie begibt sich auf eine abenteuerliche Reise auf zwei Rädern, über 8000 Kilometer legt sie zurück.
Bamberg: Alleine mit dem Fahrrad durch Europa - "ich musste nicht bedauert werden"
Die Bambergerin fährt den Michelsberg hinunter. Nach einer kurzen Verschnaufpause in Bamberg macht sich die 46-Jährige auf den Weg zum Nordkap. Foto: Angelika Gaufer
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  • Bambergerin verliert ihren Job - und erfüllt sich den großen Traum
  • Mit dem Fahrrad durch Europa - über 8000 Kilometer legt sie zurück
  • Alleine von Faro bis zum Nordkap: Was die 46-Jährige auf ihrer Reise erlebt hat
  • Abenteuerreise "stößt auf viel Resonanz": Fahrradfahrerin teilt ihre Erlebnisse

"Ich hatte diese Idee schon vor drei Jahren", erzählt Angelika Gaufer davon, wie alles begann. Eine "coole Jobmöglichkeit" hielt sie damals davon ab, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Einige Zeit später erhielt sie jedoch die Nachricht ihres Unternehmens: "Es mussten viele Leute gehen - und ich war dabei." Sie verließ die Firma und nahm sich vor: "Ich mache jetzt nichts anderes, als diesen Wunsch umzusetzen. Der Sommer gehört mir." Nach drei Monaten Vorbereitung ging es los: "Am 9. Mai 2022 saß ich dann auf meinem Rad", berichtet die 46-Jährige vom Beginn ihrer Reise in Faro (Portugal).

"Packte mich die Abenteuerlust": So verlief die Reise der Bambergerin

"Am Anfang hatte ich noch eine ganz klare Struktur: Wie viele Kilometer ich fahre, wann ich Ruhetage einlege und so weiter. Schon in den ersten Wochen hat sich jedoch eine Sache nach der anderen aus meinem Plan, den ich im Kopf hatte, verabschiedet und ich habe mich immer mehr auf mein Gefühl verlassen." Nicht nur habe das Fahrradfahren dadurch mehr Spaß gemacht: "Ich bin dann sogar noch schneller vorangekommen", sagt Gaufer. Stück für Stück fuhr die Radfahrerin so am Atlantik entlang gen Norden. "Ich wusste auch lange nicht, ob ich wirklich bis ans Nordkap hochfahre."

Aus dem Süden bis nach Holland - "das war klar. Da ist es warm, dicht besiedelt und ich spreche die Sprachen." Desto weiter man jedoch ins nördliche Europa gelange, desto taffer werde das Wetter, desto dünner besiedelt das Land, desto größer die Sprachbarriere. Nach den Niederlanden legte Gaufer eine kurze Pause in Bamberg ein, bis sie sich auf den Weg in den hohen Norden machte. "Die ersten Tage nach Bamberg habe ich mit mir gerungen, weil es auch schön war, wieder Zuhause zu sein. Ein voller Kühlschrank, ein voller Kleiderschrank und meine Leute", und zudem die Frage: "Kann ich es bringen, mich nochmal mehrere Wochen zu verdünnisieren?"

Gaufer konnte diese Frage jedoch mit "Ja" beantworten: "Und in Dänemark packte mich auch wieder richtig die Abenteuerlust." Am 11. August 2022 - 94 Tage nach ihrem Start - erreichte Gaufer dann das Nordkap in Norwegen. "Das war gar nicht so spektakulär", erklärt die Radfahrerin. "Sondern eher die paar Tage vorher: Man hat es so gut wie in der Tasche, man hat es wirklich geschafft. Das war sehr emotional." Es werde nicht dunkel, es sei kälter, rauer, "und man ist dann inmitten dieser tollen Natur. Das ist schon etwas Besonderes." Dabei sei sie vorerst die Letzte gewesen, die diese Erfahrung machen konnte.

"Ich hatte Glück": Radfahrerin passt letzten Moment vor großem Sturm ab

Der Tag, an dem Gaufer das Nordkap erreichte, sollte vorerst der letzte Tag sein, an dem das möglich war: "Ich hatte Glück. Noch in der Nacht zog ein wahnsinniger Sturm auf, mit Böen um die 80 Kilometer pro Stunde. Einige sind fast nicht mehr heruntergekommen und das Schiff, das ich mir gebucht hatte, konnte auch nicht anlegen." So richtig gefährlich sei es für Gauferauf ihrer Abenteuerreise jedoch nie geworden. "Das hat mich tatsächlich erstaunt: Es gab keine einzige Situation, in der ich mich gefährdet oder bedroht gefühlt habe. Im Gegenteil: Die Leute waren so süß. Alle sehr neugierig und total unterstützend."

Hier geht es zum Buch: Aufgestiegen Abgefahren (Angelika Gaufer)*

Diese Frage habe sie trotzdem oft bekommen: "Wie das ist, alleine als Frau unterwegs zu sein. Ich musste die Leute oft ein bisschen beruhigen." Das Einzige jedoch, was der 46-Jährigen das ein oder andere Mal Sorge bereitet hat, seien Straßenhunde sowie der teilweise hiesige Verkehr gewesen. "Ein bellender Hund, der einem hinterherrennt oder Schwerlastverkehr und kein Platz auf der Straße", beschreibt Gaufer diese Situationen. "Aber es hat immer alles geklappt", und derartige Umstände seien nur Ausnahmen gewesen.

Eine komische Geschichte sei der Radfahrerin besonders in Erinnerung geblieben: "Ich esse gerne gut und war in Frankreich in einem Restaurant. Der Kellner hat mich sehr lieb gefragt, ob ich alleine sei. Auf meine Antwort hin hat er das überflüssige Gedeck abgeräumt und etwas wie: 'Jetzt sind Sie bei uns und nicht mehr alleine', gesagt. Dieselbe Situation hatte ich in Dänemark: Dort stieß der Kellner jedoch nur ein kurzes, bemitleidendes "Oh" aus, bevor er das zweite Gedeck wegpackte", erzählt Gaufer lachend. "Ich musste aber wirklich nicht bedauert werden", versichert sie. Ihre Abenteuerreise "stößt auf viel Resonanz": Im Dezember 2022 hat die 46-Jährige daher ein Buch zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen veröffentlicht. Seit ihrer Heimkehr ist sie auf vielen Vortragsreisen unterwegs und lebe seither nach dem Vorsatz: "Nur noch Dinge machen, die mir Spaß machen."

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