Um 15 Uhr öffnete auch der traditionsreiche Gasthof der Brauerei "Spezial" seine Tore - nach Wochen der coronabedingten Schließung. Die Zahl der Reservierungen hielt sich aber noch in Grenzen. "Den Leuten wird doch leider mehr oder weniger Angst gemacht, in einem Lokal zu essen", beklagt Geschäftsführer Christian Merz. Entsprechend hat er zunächst nur eine Mitarbeiter-Schicht bis 21 Uhr im Einsatz. "Es war nicht leicht, alle Auflagen umzusetzen", sagt Merz. "Wir haben Desinfektionsgeräte und Spuckschutz-Abtrennungen gekauft, 70 Schilder aufgehängt, jede Speisekarte und jeder Kuli muss gereinigt werden." Schweren Herzens musste er einige Tische aus seiner Wirtschaft herausnehmen, damit der Abstand eingehalten werden kann. Damit bleibt ihm drinnen gerade noch die Hälfte der Plätze. 55 bei "Optimalbesetzung", gerade einmal 15, wenn alle Gäste einzeln kommen würden.

Zumindest ist es ein Neustart in der Gastronomie, wo wochenlang die Umsätze ausblieben. Und auch die Brauereikunden hielten sich sehr zurück. Für Merz sei die Corona-Krise zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gekommen - nachdem er bereits Gerste und Malz fürs ganze Jahr geordert hatte. Nun würde er sich wünschen, "dass möglichst bald die Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden können, damit wir irgendwann mal wieder Land sehen".

Beim "Mahr's Bräu" hat man in der vergangenen Woche den Außenbereich geöffnet - und steht drinnen vor Herausforderungen. "Wie sollen wir die Vorgaben in unseren kleinen Räumen überhaupt umsetzen?", fragt sich Betriebsleiter Anton Antunovic. Zunächst wird man sich daher auf den Biergarten konzentrieren. Der sei zum Start auch wieder ganz gut angenommen worden. Die Gäste seien sensibler, und man merke manchen an, dass sie gerade ganz andere Probleme hätten. Dass der Biergarten nur bis 20 Uhr öffnen darf, während die Gaststätten innen erst um 22 Uhr schließen, könnten weder Wirte noch Besucher verstehen. "Wir tun hier aber weiter unser Bestes und hoffen, dass es so schnell wie möglich einen Impfstoff gegen Corona gibt", sagt Antunovic.

Viele warten noch ab

"Bei vielen Wirten herrscht derzeit große Unsicherheit, keiner will was Falsches machen oder sich eine Strafe einhandeln", sagt Florian Müller, "Ahörnla"-Betreiber und stellvertretender Kreisvorsitzender des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. "Wer eine Engstelle im Lokal hat, kann die 1,50 Meter Mindestabstand dort nicht einhalten. Das, was in unseren historischen Gebäuden normalerweise so schön und gemütlich ist, macht es jetzt nicht einfach." Viele Gastronomen würden mit der Öffnung auch noch warten - denn sie hätten nicht das Gefühl, von der Politik mitgenommen zu werden. Auch Müller wünsche sich zumindest, dass die Öffnungszeiten draußen angepasst werden. Insgesamt bleibe die Situation in der Bamberger Gastronomie für viele schwierig, zumal auch weiterhin die Touristen fehlen. "Die Voraussetzungen sind für jeden Betrieb ganz unterschiedlich, aber die letzten Wochen werden mit Sicherheit auch einige die Existenz kosten", fürchtet Müller.

Dennoch optimistisch bleibt Peter Schuhmann vom Bischberger Brauereigasthof "Zur Sonne". Bevor er nun endlich auch innen öffnen durfte, hat er viel geplant und investiert, Plexiglasscheiben bestellt, Laufwege markiert und die Zahl der Sitzplätze auf 40 halbiert.

Alles hat sich Schuhmann von Gemeinde und Landratsamt absegnen lassen, nur eine Schafkopfrunde auf Abstand sei ihm "gesetzlich leider nicht erlaubt worden". Während der Schließzeit hat man sich auf Abholer konzentriert: "Am Muttertag haben wir 300 Essen übers Fenster verkauft. Wir waren immer im Gespräch." Dennoch waren auch die "Sonne"-Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Stunden werden nun wieder hochgefahren. "Jetzt hoffen wir, dass auch wieder viele Gäste in die Wirtschaft kommen", sagt Schuhmann.

Kommentar: Langer Atem bleibt gefragt

Es ist so eine Sache mit den alten Selbstverständlichkeiten und neuen Freiheiten. Viele haben sich wochenlang nach dem ersten Einkaufsbummel, dem ersten Biergartenbesuch, einem typisch fränkischem Essen in der Wirtschaft gesehnt - und sind nun doch zurückhaltend, weil uns Corona noch nicht so schnell zur Normalität zurückkehren lässt.

Sicherheitsvorkehrungen bleiben wichtig und stellen doch manchen Wirt vor größere Probleme, weil er zum Beispiel in seinem traditionsreichen Gasthaus noch nie auf Mindestabstände achten konnte. Dass unsere Gastronomen dennoch langen Atem haben, kann sich nur jeder wünschen, der das kulinarische Angebot in Stadt und Landkreis Bamberg ein wenig kennenlernen durfte. Manche coronabedingte Vorgabe wird den Wirten wohl noch länger erhalten bleiben. Andere, wie eine Biergarten-Schließzeit um 20 Uhr, ließen sich aber ohne Sicherheitsverlust recht schnell ein wenig anpassen.