Es ist ein Eintrag vom August 2020 auf der Bewertungsplattform "Tripadvisor", in dem das Hotel in Bamberg eher schlecht wegkommt: Darin vergibt ein Gast gerade mal 2 von 5 Punkten. Und schreibt: "Das Hotel ist wirklich in die Jahre gekommen. Zimmerausstattung, Fenster, etc. sind aus den 70ern." Solche Einträge sind nicht weiter ungewöhnlich - Geschmäcker sind verschieden.

Doch was dann in dem Beitrag weiter geschrieben steht, ist der Grund dafür, warum die Bamberger Polizei bereits dreimal bei dem Beherbergungsbetrieb vorbeischauen und Meldung ans städtische Ordnungsamt wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz machen musste. Jedes Mal hatten Gäste die Polizei verständigt.

Auch strafrechtliche Ermittlungen

Beim dritten Mal - am vergangenen Dienstag - eskalierte die Kontrolle, an deren Ende vier Beamte leicht verletzt wurden und der offenbar uneinsichtige Hotelier kurzzeitig festgenommen wurde. Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft auch strafrechtliche Vergehen: wegen tätlichen Angriffs, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung.

In seiner Bewertung vom August schreibt der Gast auf "Tripadvisor": "Dazu muss man auch erwähnen, dass das gesamte Personal (jung wie alt) ohne Maske läuft. Angeblich haben alle von einem Arzt ein Attest bekommen und müssen kein Mund-Nasenschutz tragen. Unglaublich! Man fühlt sich als Gast gleich sehr unwohl, weil damit die Gesundheit und das Wohlbefinden des Gastes hinter die eigene Bequemlichkeit gestellt wird."

Mit der Maskenpflicht scheint der Betreiber des Hotels schon länger auf Kriegsfuß zu stehen. Er warb jetzt mit einem Plakat, auf dem stand: "Es sind auch Gäste ohne Mund-Nasen-Schutz willkommen."

Ein Gast hatte sich daraufhin wieder an die Bamberger Polizei gewandt. Laut Polizeichef Thomas Schreiber hat sich der Mann bei der folgenden Kontrolle am Dienstag gegenüber den Beamten uneinsichtig, ja: aggressiv, benommen. Die Hotelmitarbeiter sollen dabei keine Masken getragen haben. Abstandsregeln seien ignoriert worden. Der Betreiber habe sich auch nicht hinter die Plexiglasscheibe gestellt.

Zur endgültigen Eskalation bei dem Einsatz kam es dann, weil das Betreiberehepaar mit dem Handy Aufnahmen von den Polizisten machte, die Beamten die nicht erlaubten Tonaufnahmen aber untersagt hatten. Kratzer im Gesicht und verstauchte Finger bei den Polizisten waren die Folge. Der Hotelier war am Donnerstag zu dem Vorfall nicht zu erreichen.

"Traurig und schade"

Die Reaktion beim örtlichen Hotel- und Gaststättenverband auf das Verhalten des Hoteliers ist deutlich: "Es ist traurig und schade, dass wir so einen Fall haben", erklärt der stellvertretende Vorsitzende Florian Müller. Fehler könnten passieren, doch Vorsatz sei nicht zu entschuldigen. Er spricht von einem Bärendienst "für alle, die sich an alles halten, was man vorgegeben bekommt". Denn viele verhielten sich vorbildlich.

Nun liegen die Vorwürfe wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz beim Ordnungsamt. Deren Leiter Frank Reppert sagt dazu: "Wir prüfen die Feststellungen. Wenn die Tatbestände zweifelsfrei vorliegen, erfolgt eine entsprechende Ahndung." Gegenstand der Prüfung werden sicherlich auch die angeblichen Atteste sein, die die Hotelangestellten von der Maskenpflicht befreien sollen. Beim Ordnungsamt gibt es dazu derzeit keine Aussage. Die Frage, die im Raum steht: Versucht der Betrieb mit allen Tricks, die Maskenpflicht zu unterlaufen?

Dem Hotelier könnte eine hohe Strafe drohen. Laut bayerischem Bußgeldkatalog "Corona-Pandemie" liegt der Regelsatz für Betreiber, die angeordnete Schutz- und Hygienemaßnahmen nicht einhalten, bei 25.000 Euro.

Weitere Sanktionen sind denkbar. Auch eine Schließung ist nicht ausgeschlossen. Doch diese kommt laut Ordnungsamt nur dann nur infrage, wenn auch hygienerechtliche Verstöße Anlass dazu geben könnten. "Diesbezüglich liegen uns als Stadt noch keine hinreichenden Kenntnisse vor, dass es so wäre", erklärt ein Sprecher.

Vollzogen worden war eine solche Schließung tatsächlich erst am vergangenen Wochenende in Bamberg: Ein Gastronom hatte kein Hygienekonzept, dafür aber viel zu viele Gäste. Sein Laden wurde dicht gemacht.