• "Bamberger Erklärung": Stadtprominenz unterzeichnet Corona-Aufruf - Hunderte folgen 
  • "Können nicht länger dulden": Statement gegen "krude Verschwörungstheorien und gezielte Fehlinformationen"
  • "Erschreckend": Kabarettist Florian Herrnleben über Demo-Entwicklung in Bamberg
  • Appell an Polizei und Behörden: Einhaltung von Auflagen "konsequent durchsetzen"

In Bamberg haben über 50 Erstunterzeichnende, darunter viele bekannte Gesichter der Stadt, in einem Online-Aufruf gegen Spaltung und für mehr Zusammenhalt in der Corona-Pandemie aufgerufen. Die sogenannte "Bamberger Erklärung" hatte am Freitagnachmittag bereits fast 700 Unterschriften, auch die Stadt Bamberg hat Bürger und Bürgerinnen zur Unterzeichnung aufgefordert.

"Bamberger Erklärung" sieht "politisch motivierte Menschen", die "Keil in Gesellschaft" treiben wollen

Anhand von zehn Positionen werde  "dargelegt, dass der Weg aus der Pandemie nur gemeinsam, orientiert am wissenschaftlichen Diskurs und mit gegenseitiger Rücksichtnahme gelingen kann", heißt es in einer Mitteilung. Auch der Kabarettist Florian Herrnleben hat unterschrieben und kritisiert die Bamberger Corona-Proteste bei inFranken.de mit scharfen Worten. Ursprünglich komme die Idee zur "Bamberger Erklärung" aus der Lokalpolitik, nämlich von Vera Mamerow (Grüne), Claudia John (FW) und Christian Hader (Grüne). Es handle sich aber bewusst nicht um eine parteipolitisches Anliegen, sondern "ein breites Anliegen aus der Bürgerschaft", so Hader gegenüber inFranken.de. In dem Statement heißt es unter anderem, man rufe die Bamberger Bevölkerung dazu auf, Impfangebote "als wichtigsten Baustein im Kampf gegen das Virus" anzunehmen.

Man nehme "nicht hin, dass eine Gruppe politisch motivierter Menschen mit kruden Verschwörungstheorien und gezielten Fehlinformationen versucht, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben". "Mitbürger und Mitbürgerinnen" sollen nach dem Willen der Verfassenden die Teilnahme an Demonstrationen absagen, wenn "dort demokratiefeindliche oder rechtsextreme Meinungen durch Anwesenheit solcher Kräfte vertreten werden oder diese als Veranstalter auftreten". Außerdem sollten die Behörden aus Sicht der Verfassenden, "die Einhaltung von Auflagen bei Versammlungen" sicherstellen und diese "auch konsequent durchsetzen". 

Man erhebe des Weiteren die "Stimme gegen Coronaleugnerinnen und -leugner und demokratiefeindliche und menschenverachtende Strömungen in der Gesellschaft". Die Unterzeichnende sehen sich demnach "als Teil der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft, die in die Wissenschaft vertraut und sich am wissenschaftlichen Diskurs und der aktuellen Faktenlage orientiert". Neben "tiefem Dank" gegenüber Pflegekräften wolle man auch "Solidarität mit denjenigen Gruppen unserer Gesellschaft ausdrücken, die unsere besondere Fürsorge benötigen". 

"Bekomme einen dicken Hals": Kabarettist kann "Bamberger Erklärung" in allen Punkten zustimmen

"Ich stimme allen Punkten zu, habe einen Namen, stehe in der Öffentlichkeit und da kann ich guten Gewissens auch unterzeichnen", erklärt der Kabarettist Florian Herrnleben gegenüber inFranken.de. "Gleichzeitig finde ich diese Proteste ganz gruselig", so Herrnleben. "Ich hatte einmal die Gelegenheit, das von einem Fenster aus zu beobachten und habe gehört, was dort stundenlang geschwurbelt wird", sagt der bekannte Puppenspieler. "Die Argumente der Corona-Leugner drehen sich im Kreis und das macht mich letztlich wütend oder sauer." Aus Herrnlebens Sicht wirke "vieles, was dort gesprochen wird, letztlich wie schlechte Comedy".

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Er bekomme jedoch "einen dicken Hals, wenn unter jeder Meldung über Menschen, denen es wegen Corona sehr schlecht geht, Leute mit Lachsmileys reagieren". Dies sei "eine Missachtung der Wissenschaft, eine Missachtung der Informationsfreiheit", so Herrnleben weiter. "Diese Leute vertrauen der Wissenschaft, wenn sie ihnen etwas bringt, wenn sie ihr Smartphone nutzen und dann an der Steckdose Strom ziehen. Aber geht es an die Einschränkung vermeintlicher Freiheit, dann wird plötzlich alles infrage gestellt." Dafür habe er "kein Verständnis". Die Entwicklung der wöchentlichen Demonstrationen empfindet der 39-Jährige als "erschreckend".

"Man war ja davor, was Proteste im beschaulichen Bamberg angeht, auch eher im Tal der Ahnungslosen", sagt Herrnleben. Angst verspüre er aber nicht. "Letztlich gibt es dort ja auch ein Netzwerk, bei dem man sich gegenseitig zu Veranstaltungen einlädt, damit die Besucherzahlen höher werden." Für Herrnleben zähle eine andere Botschaft: "Klar geht Corona jedem auf dem Keks und die Politik hat auch Fehler gemacht. Aber ich finde, es gibt viele Situationen, in denen das Leben recht normal verläuft und Corona-Maßnahmen nicht alles dominieren." Dazu zählten etwa Sport und der Besuch im Lokal. "Man muss sich auch einfach die positiven Dinge herausziehen, Corona überschattet nicht alles."

"Klar gegen Corona-Leugner und Querdenker": OB Starke bekennt sich zu "Bamberger Erklärung"

Am Freitagnachmittag hatten bereits knapp 700 Menschen die "Bamberger Erklärung" unterzeichnet. Zu den Ersten gehören unter anderem Xaver Frauenknecht, Vorstandsvorsitzender der Sozialstiftung Bamberg, Krimiautor Harry Luck und Erzbischof Ludwig Schick. Aber auch Schriftsteller Helmut Vorndran, Landrat Johann Kalb (CSU) und der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) haben sich dem angeschlossen.

Es gehe "vor allem darum, sich klar gegen Corona-Leugner und Querdenker zu positionieren", heißt es aus dem Bamberger Rathaus. Die Bürgerschaft sei aufgefordert, sich "von rechtsextremen Positionen oder Verschwörungstheorien zu distanzieren", so die Stadt Bamberg. Aus diesem Grund hätten sich Starke und seine Bürgermeisterkollegen "gerne als Erstunterzeichner dem Aufruf der 'Bamberger Erklärung' angeschlossen". 

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