Drei Stunden Autofahrt und dann ein Fußweg über 700 Höhenmeter. Es gab schon Baustellen, die Reiner Schröbel müheloser erreicht hat. Unzählige Male hat der Bamberger Architekt in den vergangenen Jahren den Weg vom Gasthof Wegscheid hinauf in den einsamen Talkessel zurückgelegt. Eine Stunde 20 Minuten hat er zuletzt gebraucht, um anzukommen, auf exakt 1756 Metern Seehöhe.

Man kann sich freilich auch mehr Zeit lassen, um das Getriebe im Tal hinter sich zu lassen. Wer den gewissermaßen höchsten Punkt der Bamberger Hemisphäre erklimmen will, kraxelt, wenn er den Forstweg links liegen lässt, auf einem schmalen schattigen Waldweg nach oben, überquert sprudelnde Bachläufe, wandert unter Felsabstürzen vorbei, um sich zuletzt durch einen idyllischen Zirbelkiefernwald nach oben zu schrauben.

Der Weg lohnt sich. Die Neue Bamberger Hütte, seit 1955 im Besitz der Bamberger Sektion des Alpenverein (AV), erschließt ganzjährig ein besonders einsames Stück der Kitzbühler Alpen. Ein Kranz von stolzen und doch leicht zu erreichenden Zweitausendern überragt den Stützpunkt, beliebt vor allem bei Winterbergsteigern und Skitourengehern.

Freilich: Der Luxus, eine eigene Hütte in den Alpen zu unterhalten, kann rasch zur Bürde werden, wenn die Unterhaltskosten davonlaufen und der Sanierungsstau immer größer wird. Das war auch bei der Bamberger Hütte so. Die Lagerplätze entsprachen nicht mehr den gestiegenen Ansprüchen der Wanderer; auch die Sanitär- und Gastronomieflächen ließen zu wünschen übrig. So stand die 5500 Mitglieder zählende Sektion irgendwann vor der Frage, das Haus zu verkaufen oder zu sanieren.

Man entschied sich für Letzteres und hat es nicht bereut: "Alle, die die neue Hütte schon gesehen haben, sind der Meinung, dass der Umbau absolut gelungen ist. Das Erscheinungsbild wurde wesentlich verbessert, die Hüttentechnik ist auf dem neuesten Stand", freut sich AV-Vorsitzender Klaus Müller.


Helikopter im Dauereinsatz

Das klingt im Rückblick einfach, dennoch war die Sanierung der Bamberger Hütte eine Herausforderung - nicht nur finanziell. 80 Mal musste der Helikopter im vergangenen Jahr zur Hütte fliegen, um die aus massivem Holz gefertigten Wandteile heranzuschaffen. Vier Wochen dauerte es, um Teile des alten Hauses abzureißen und den Rohbau hinzustellen - Maßarbeit in großer Höhe. Schon im September fiel der erste Schnee.
Hürden gab es vor allem bei der Gestaltung zu überwinden: Wie konnte das Haus modernisiert werden, ohne das Äußere eines Almgebäudes aufzugeben? Architekt Reiner Schröbel, selbst im AV-Vorstand, löste das Problem, indem er das obere Drittel des Gebäudes abtrennte und um Ober- und Dachgeschoss ergänzte. So blieb die Hütte optisch die alte, während sich das Raumangebot verdoppelte.

Hat sich der 1,2 Millionen Euro teuere Kraftakt für 85 Übernachtungsplätze gelohnt? Bilder zeigen: Aus einer in die Jahre gekommenen Hütte ist ein moderner Alpenstützpunkt geworden, der von den Duschen bis zu Zwei-Bett-Zimmern kaum etwas vermissen lässt, was Wanderer an Komfort erwarten - auch in den Bergen.
Am 16. Juli würdigt die Sektion den Abschluss der Sanierung mit einer großen Feier. Schon heute steht die Neue Bamberger Hütte allen Besuchern offen.