• Bamberg: Stadt will Untere Brücke offenbar doch sperren 
  • Keine Freischankfläche: "Hat sich kein Bewerber gefunden"
  • SPD und Grüne wollen Verwaltungsvorschlag zustimmen 
  • Sperrung der Unteren Brücke bis zum Ende der Sommerferien geplant 

Untere Brücke in Bamberg soll doch gesperrt werden - Bewirtung nicht mehr geplant: Am 11. August 2021 hatte die Stadt Bamberg erklärt, dass ein Gastronom gefunden wurde, der künftig eine Seite der Unteren Brücke bewirtschaftet. Doch nun ist dieser Plan offenbar hinfällig. Wie Mitglieder von SPD- und Grünen-Fraktion gegenüber inFranken.de bestätigen, soll die Untere Brücke künftig an den Wochenenden von abends bis morgens komplett abgeriegelt werden. Es habe sich kein Bewerber gefunden, der die Bedingungen erfüllt, erklärt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ulrike Sänger. 

Bamberg: Untere Brücke soll Freitag und Samstag von 20 Uhr bis 5 Uhr geschlossen werden 

Das Ganze gehe auf einen Vorschlag der Verwaltung zurück, so Sänger. "Es gibt keine Bewirtung, weil sich offenbar kein Bewerber unter den Bedingungen gefunden hat, die aufgestellt wurden", sagt die Sozialpädagogin. Man werde den Sperrungen zustimmen. Diese gingen bis zum Ende der Sommerferien und gälten jeweils Freitag und Samstag von 20 Uhr bis 5 Uhr des Folgetags. 

Diesen Vorschlag hatte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bereits für eine Probezeit über das Pfingstwochenende gemacht, scheiterte damit aber im Stadtrat. (FT+) Anschließend sollte die Untere Brücke von einem Gastronom beidseitig bewirtschaftet werden. Doch einem Stadtratsbeschluss kam die Verwaltung nicht nach. Sie setzte auf eine einseitige Bewirtung. "Wir brauchen 3,50 Meter Rettungsgasse und der Durchgangsverkehr muss gewährleistet sein", begründete Stadtsprecherin Schirken-Gerster vergangene Woche die Entscheidung.

Doch offenbar ist auch dieser Plan gescheitert. Nur ein Gastronom hätte überhaupt ein Bewerbungskonzept abgegeben, hieß es kürzlich. Die Gastro-Szene in Bamberg reagierte auf die Bedingungen der Verwaltung nicht gerade erfreut. Denn der Gastronom hätte für die andere Brückenseite einen privat bezahlten Security-Dienst einsetzen müssen. 

Untere Brücke: "Das sind Auswärtige" - Polizei schätze Lage nun anders ein

"Wir hatten die Sperrung das letzte Mal abgelehnt", erklärt SPD-Stadtrat Heinz Kuntke. "Doch wenn morgen der Feriensenat tagt, werden wir voraussichtlich zustimmen." Dazu gäbe es am Mittwochabend aber noch eine gemeinsame interne Sitzung der SPD-Fraktion. "Die Zustimmung steht also unter Vorbehalt." 

Grund dafür, dass auch die Bamberger SPD die Untere Brücke dichtmachen will, sei eine geänderte Lage-Einschätzung der Polizei, so Kuntke. "Dort sagt man uns, es sind mittlerweile nicht mehr Einheimische, die auf die Untere Brücke kommen, sondern Auswärtige von Thüringen und überall her." Auch die Bürgervereine hätten gebeten, "ihr müsst den Anwohnern helfen". 

"Was auf der Unteren Brücke passiert, ist nicht erlaubt in einer Pandemie", sagt Stadträtin Ulrike Sänger. Die Corona-Zahlen würden deutlich ansteigen und Leute würden diese "extra aufsuchen, weil sie wissen, es ist ein Party-Hotspot". Sie spricht von "Kärwa-ähnlichen Zuständen". Für die Kontrolle der Sperrung sei künftig aus Sicht der Fraktion "in erster Linie die Polizei verantwortlich", so Sänger. 

Sperrung der Unteren Brücke: CSU-BA-Fraktion überrascht - und will doch nicht per se Nein sagen 

Bei der CSU-BA-Fraktion weiß man noch nichts von den Plänen der Verwaltung. "Wir wurden offenbar mal wieder nicht informiert, wir bekommen im Feriensenat eine Tischvorlage", ärgert sich Stadträtin Ursula Redler. Sie sei noch davon ausgegangen, dass am Donnerstag über die einseitige Bewirtung abgestimmt werde.

"Wir haben beim letzten Mal für eine Sperre gestimmt, aber immer wieder wurden unsere Vorschläge aus politischen Gründen abgelehnt oder ignoriert", sagt Redler. Die Fraktion werde sich aber nicht gegen eine Sperrung stellen, schätzt sie. Auf der Unteren Brücke seien jetzt "Sauftouristen, die interessieren sich nicht für unsere Belange". Deshalb käme man mit Dialog nicht dort weiter. Das Bamberger Stadtmarketing habe außerdem eine "Eventkultur" in der Innenstadt befeuert, findet sie. 

Auch CSU-Stadrat Stefan Kuhn will an der Unteren Brücke etwas ändern. Erst am vergangenen Freitag hat er mit Anwohnenden eine Innenstadtbegehung in Bamberg veranstaltet. "Uns wurde auf der Brücke vor die Füße gekotzt und gepinkelt", sagt er. Deshalb habe man schon im Juni im Stadtrat gefordert: "Sperrt sie Nachts!" Das müsse dann allerdings für jeden Tag gelten, so Kuhn. "Nur am Wochenende reicht aus meiner Sicht nicht aus." Bei der Stadt selbst war am späteren Nachmittag niemand mehr für ein Statement zu erreichen. 

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